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“Anthea wird mir für immer fehlen”: So half eine Trauerbegleiterin Angela nach dem Tod ihrer sechsjährigen Tochter

  • Angelas Tochter starb vor einem Jahr im Alter von nur sechs Jahren. Damals wollte die 48-jährige Mutter am liebsten selbst sterben.
  • Dann wendete sich Angela an die Trauerbegleiterin Angelika Bräunlein. Sie half der Mutter dabei, mit ihrer Trauer umzugehen.
  • Trauerbegleiter hören ihren Klienten in erster Linie zu – das klingt nach wenig, bedeutet aber in einer Gesellschaft, in der meist kaum Raum mehr für Trauer ist, sehr viel.
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München. Vor gut einem Jahr hat sich Angela Achilles noch gewünscht, tot zu sein. Neben ihrer kleinen Tochter zu liegen, die mit gerade einmal sechs Jahren an einer seltenen Krankheit gestorben war. "Anthea wird mir immer fehlen, und ich werde immer Sehnsucht nach ihr haben. Das Leben wird nie wieder so sein wie es war, und ich werde nie wieder so frei und unbeschwert leben können wie davor", erzählt die 48-Jährige. "Aber ich bin jetzt in der Lage, weiterzuleben, indem ich sie in meinem Herzen bei mir habe." Dass Achilles dies heute so sehen kann, hat sie einer Handvoll Menschen zu verdanken – darunter einer Trauerbegleiterin.

Gespräche mit Trauerbegleitern "in der schweren Zeit immens wichtig"

Acht Wochen lang hatte Anthea um ihr Leben gekämpft – acht Wochen, in denen es ausschließlich um das Wohl des Kindes ging. Wie es der Mutter geht, die ihrem vorher quicklebendigen Kind völlig unerwartet beim Sterben zusehen muss, dafür war in der Klinik kein Platz. Und auch danach war Achilles in ihrer Verzweiflung viel allein, schließlich trauerten Freunde und Familie selbst um den kleinen Wirbelwind. Achilles ist deshalb rückblickend sehr froh, dass eine Bekannte den Kontakt zu einer Trauerbegleiterin vermittelte.

"Sie hat sich voll auf mich eingelassen, sich ganz auf mich konzentriert. Es ging nur um mich, wie ich es schaffe, weiterzuleben, wie ich es schaffe, damit umzugehen", schildert Achilles ihre Erfahrungen. "Da konnte ich anders reden und kommunizieren und habe mich anders verstanden gefühlt." Die Gespräche mit der Trauerbegleiterin seien in der schweren Zeit immens wichtig gewesen, "sie haben mir immer einen Weg nach vorne geebnet".

Trauerbegleiterin hat selbst schweren Verlust erlitten

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Genau dieses Gefühl, für die Betroffenen wirklich eine Stütze zu sein, ist die Motivation für Angelika Bräunlein, trauernden Menschen wie Achilles durch die schwere Zeit zu helfen. Sie weiß aus eigener Erfahrung: "Dieses Dasein und Mitaushalten ist ganz wichtig, weil sich viele aus dem nahen Umfeld zurückziehen oder emotional selbst so betroffen sind."

Bräunlein, im Hauptberuf Grundschullehrerin, betreut als Trauerbegleiterin in der Region rund um den oberbayerischen Tegernsee in erster Linie Familien, in denen ein Kind gestorben ist. Dabei ist ihr die eigene schmerzliche Vergangenheit eine große Hilfe: Nur vier Jahre durfte der jüngste ihrer vier Söhne leben. Wenn Bräunlein Trauernden daher versichert, dass es zwar nicht von heute auf morgen wieder leichter wird, aber dass man irgendwann mit einem auch noch so schweren Verlust leben kann, haben diese Worte Gewicht - und können viel Hoffnung machen.

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200 Stunden Schulung: Die Ausbildung zum Trauerbegleiter

Selbstverständlich ist eigene Trauererfahrung keine Voraussetzung dafür, anderen zur Seite stehen zu können. Im Gegenteil: Wer die Schulung macht, sollte nicht in einem aktuellen Trauerprozess stecken, sagt Susanne Bachtler vom Bundesverband Trauerbegleitung. In ihm sind Menschen organisiert, die die sogenannte "große" Schulung mit mindestens 200 Stunden absolviert haben. Wie viele Trauerbegleiter es bundesweit gibt, darüber gibt es keine Zahlen, zumal sich grundsätzlich jeder so nennen darf – der Begriff ist nicht geschützt. Ein regionaler Schwerpunkt der umfassend Geschulten liegt laut Bundesverband aber klar in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Zu den Trauerbegleitern mit der "kleinen" Schulung gehören die Ehrenamtlichen vom Katholischen Frauenbund Bayern. Vor exakt 25 Jahren hat Gertrud Ströbele die erste Schulung erarbeitet – und war damit die Vorreiterin im Freistaat. Die junge Sozialpädagogin hatte immer wieder erlebt, "dass der Tod total verdrängt wird, die Trauer musste reine Privatsache sein, und jeder sollte nach sechs bis acht Wochen damit durch sein und sein Umfeld nicht mehr 'belasten'".

Kein Raum für Trauer in Gesellschaft

Beim Umgang mit dem Tod habe sich in der Zwischenzeit viel verändert, resümiert die inzwischen 53-Jährige. "Aber für die Trauer an sich und die Geduld und die Zeit, die wir Menschen brauchen für die Trauer, dafür ist nicht mehr Raum entstanden in unserer Gesellschaft." Das liege auch an der Schnelllebigkeit unserer Zeit: "Wir reden ja nicht von Endgültigkeit und Unwiederbringlichkeit, sondern von Challenges und dem nächsten Projekt, und diese Themen liegen quer zur Trauer, wo wir in vielen Punkten merken: So wie es war, so geht es nicht weiter. Ich kann nichts mehr geradebiegen, es bleibt eine offene Stelle, und ich kann diese Stelle nur einbinden in mein Leben."

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Ströbele hat im vergangenen Vierteljahrhundert rund 1000 Trauerbegleiter – die meisten davon Frauen – ausgebildet, die im Anschluss in ihrer jeweiligen Kommune Trauergruppen oder Trauercafés leiteten. Der Austausch mit anderen Betroffenen ist auch aus ihrer Erfahrung extrem wichtig. Ströbele berichtet wie andere Experten, dass ganz häufig ein Großteil des sozialen Umfelds der Trauernden wegbreche, weil viele Menschen mit der Trauer nicht umgehen können.

Das hat auch Angela Achilles so erlebt. "Der Freundeskreis ändert sich komplett, es gibt wirklich wenige Menschen, die mich immer noch begleiten." Dabei sei es eigentlich ganz einfach, Trauernden zur Seite zu stehen: Einfach zuhören, auch wenn sich die Themen wiederholten. Mitfühlendes Nachfragen reiße auch keine Wunden auf, schließlich sei der Verlust ohnehin immer präsent. Auch Achilles hat ihren Freunden "bestimmt 100 Mal dasselbe" erzählt. Aus einem ganz einfachen, verständlichen Grund: "Mir ist ganz wichtig, dass Anthea weiterlebt und nicht vergessen ist."

RND/dpa

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