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Angst vor Hunden? So können Sie brenzlige Situationen deeskalieren

  • Aktuell gehen mehr Menschen als sonst spazieren - die Begegnungen mit fremden Hunden häufen sich.
  • Nicht allen Menschen behagt das.
  • Unsere Experten geben Tipps, wie Sie sich bei einer Hundebegegnung richtig verhalten und Ihre Ängste in den Griff bekommen.
Heidi Becker
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In Corona-Zeiten hat sich das Spazierengehen zum Volkssport entwickelt - oftmals auch mangels Alternativen. Für manche Menschen kann so ein Gang durch die Straßen oder die Natur allerdings zur echten Herausforderung werden. Denn auch die Begegnungen mit fremden Hunden haben sich dadurch gehäuft. Nicht wenige Menschen geraten da schnell in Panik - aus Angst vor einer Beißattacke. Aber was mache ich eigentlich, wenn ein Hund aggressiv auf mich zukommt oder mich sogar angreifen will? Hier erfahren Sie, wie Sie (und auch Ihre Kinder) sich in solch einer Situation am besten verhalten.

In seltenen Fällen sind Hunde aggressiv

„Dass ein Hund aggressiv auf einen zuläuft ist erst einmal unwahrscheinlich“, erklärt der Hundezüchter Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH). Laut Kopernik würde so eine Situation aber dann wahrscheinlicher, wenn man sich auf einem Territorium bewegt, dass der Hund als seins erachtet. Das kann etwa der Fall sein, wenn man ein fremdes Grundstück betritt. Wenn ein Hundehalter mit seinem Tier regelmäßig den gleich Weg benutzt, kann es allerdings auch passieren, dass ein Hund diesen als sein Territorium betrachtet.

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Wenn man also einem Hund begegnet, der auf einen zukommt, muss das laut Udo Kopernik erst einmal nichts heißen. „Der Hund könnte einfach unerzogen sein und spielen wollen - lieb kann er trotzdem sein.“ Wenn man aber von solch einem Hund angesprungen werde, könne das trotzdem wehtun. Und in sehr seltenen Fällen könnte ein Hund auch aggressiv werden.

Bellen nicht überbewerten

Joern Plote von der Hundeschule Gib-Pfote-mit-Plote erklärt, dass Hundebesitzer es hier einfacher haben, da sie andere Hunde häufig besser „lesen“ können. Laut Plote kann man einen freundlich motivierten Hund etwa daran erkennen, dass seine Bewegungen vergleichsweise locker sind und das Tier sich etwas „schlaksig“ annähert. Ein angespannt steif wirkender Hund würde demnach eher zielgerichtet auf einen zukommen und seine Zahnreihe präsentieren.

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Dem Hundetrainer zufolge lässt sich auch schon am Bellen des Hundes einiges ablesen. „Je tiefer und je weniger der Hund bellt, desto erster meint er es“, erklärt er. Bei einem hohen Bellen, das in Richtung Kreischen geht, bräuchte man sich demnach eher keine Sorgen machen. Aber ein Bellen darf laut Plote auch nicht überbewertet werden. „Ein Hund der definitiv aufs Beißen aus ist, macht sich nicht die Mühe noch zu bellen. Solange er also bellt, ist an sich noch alles in Ordnung und er ist noch dabei uns zu warnen“.

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Nicht vor Hunden weglaufen

Wer einem fremden Hund begegnet, sollte zuallererst Ruhe bewahren - auch wenn das nicht immer ganz einfach ist. Als erstes sollte man sich laut Kopernik nach der Hundehalterin oder dem Hundehalter umschauen und diese oder diesen bitten, den Hund anzuleinen. Wer alleine unterwegs ist, sollte sich langweilig machen. Und das geht so:

  • stehen bleiben
  • wenn möglich vom Hund wegdrehen, sodass man nicht frontal zu ihm steht
  • dem Hund nicht in die Augen schauen
  • den Blick in die Ferne schweifen lassen
  • auf keinen Fall weglaufen
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Wenn diese Punkte beachtet werden, ist laut Kopernik meistens schon die Luft raus. „Für Hunde ist alles, was mit Bewegung zusammenhängt, spannend. Wenn da nichts passiert, ist das für das Tier eigentlich direkt langweilig“. Sehr wichtig sei es vor allem, nicht schnell wegzulaufen, da das „Hundes liebstes Spiel“ sei. Dem Hundezüchter zufolge könnte der Hund dies als Spielaufforderung auffassen - langsames Weitergehen sei da der Weg zum Ziel.

Immer leise mit Hunden reden

Wer es nicht schafft, den Hund zu ignorieren und vielleicht sogar mit ihm redet, sollte dies unbedingt leise tun. Wer laut spricht, könnte dem Tier andernfalls sogar signalisieren, dass etwas nicht stimmt.

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Im Lockdown schien ein Hund eine gute Idee: Mehr Zeit und Homeoffice machten es möglich. Nun passen viele Hunde nicht mehrt ins Leben und werden abgegeben.  © Lea Drabent, Alice Mecke/Alice Mecke, Lea Drabent

Udo Kopernik erklärt, dass diesen Fehler auch viele Hundehalter machen, wenn ihr Hund etwa bellt. „Wer seinen Hund anbrüllt, dass er still sein soll, braucht sich nicht wundern, dass das nicht passiert. „Der Hund missversteht dies und glaubt, dass die Situation ganz schlimm sein müsse, wenn nun sogar der Chef bellt“, sagt der Hundezüchter.

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Ruhig bleiben und nicht mitmachen

Wenn die Situation aber doch einmal eskaliert - und Kopernik betont, wie selten dies der Fall ist - verhält man sich idealerweise entgegen seiner angeborenen Instinkte. Denn laut dem Hundezüchter ist, wenn ein Hunde einem etwa in Jacke oder Hose beißt, das Schlimmste was man machen kann, zu Schreien und zu versuchen, dem Hund das Stoffstück zu entreißen. „Hunde lieben Reißspiele und wer dem Tier etwas entreißt, könnte damit wieder eine Spielaufforderung signalisieren“, erklärt Udo Kopernik. „So schwer es sich auch anhört, ich muss einfach versuchen ruhig zu bleiben und eben nicht mitzumachen“.

Spezielle Hundeschulen können helfen

Die eigene Angst ist in einer derartigen Situation oft die größte Herausforderung, weiß Joern Plote. „Angst hat viel mit dem Gefühl der Unkontrollierbarkeit zu tun - und solch eine Situation kann der Mensch nun einmal nicht kontrollieren“. Plote empfiehlt Menschen, die Angst vor Hunden haben, sich einen „Hundebesitzer seines Vertrauens“ zu suchen und sich dann immer näher an den Hund heranzuarbeiten. Auch spezielle Hundeschulen können dabei helfen, die Angst zu überwinden.

Wer angesichts einer brenzligen Situation mit einem Hund glaubt, sich auf eine körperliche Auseinandersetzung einlassen zu müssen, sollte sich dies übrigens genau überlegen. Wer sich nicht sehr gut mit der Anatomie des Hundes auskennt und geübt in solchen Situationen ist, kann laut dem Hundezüchter nämlich davon ausgehen, verletzt zu werden. „Deeskalation scheint mir immer richtiger zu sein“, sagt Udo Kopernik. Solch gefährliche Situationen habe der Hundebesitzer aber selbst nur als Kind erlebt - da er da selbst viel falsch gemacht habe.

Hunden mit Vorsicht begegnen

Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) hat eigens für Kinder eine Broschüre herausgebracht, die erklärt, wie die Kleinen sich im Umgang mit Hunden verhalten sollten. Wichtig sind demnach folgende Punkte:

  • Kinder sollten Hunde beim Essen nicht stören und auf keinen Fall versuchen, ihnen ihr Fressen wegzunehmen
  • Auch wenn Kinder einmal Angst haben, sollten sie nicht vor dem Hund weglaufen
  • Kinder sollten jedem Hund mit Vorsicht begegnen
  • Wenn Kinder mit einem Hund spielen, sollten sie aufpassen, dass sie ihren Zähnen nicht zu nahe kommen
  • Auch wenn es schwer ist, sollten Kinder stillhalten, wenn ein Hund nach ihnen greift
  • Kinder sollten niemals versuchen, raufende Hunde zu trennen
  • Alles, was ein Hund als Bedrohung auffassen könnte, sollten Kinder vermeiden (etwa Lärm oder zu schnelle Bewegungen)
  • Kinder sollten einem Hund nicht starr in die Augen schauen
  • Auch wenn ein Hund lieb aussieht, sollten Kinder sich ihm nur nähern, wenn der Besitzer es erlaubt
  • Kinder sollten Hunde weder am Schwanz ziehen noch drauf treten
  • Wenn Kinder mit einem Hund spielen, sollte immer ein Erwachsener in der Nähe sein
  • Kinder sollten einen Hund immer gut behandeln

Dem eigenen Hund Freiraum geben

Hundehalter brauchen sich übrigens meistens keine Sorgen machen, wenn diese einem unangeleinten Hund begegnen. Laut Kopernik interessiert sich dieser meistens eher für den Hund als den Menschen. Wenn zwischen den Hunden aber offensichtlich Konfliktpotenzial vorhanden ist, empfiehlt der Hundezüchter, den eigenen Hund von der Leine loszumachen, um ihm den Freiraum zu geben, sich etwa vor dem anderen Hund zurückzuziehen.

Dem eigenen Hund Ablenkungsmanöver aufzutrainieren kann übrigens ebenso helfen, wie einen Futterbeutel dabeizuhaben, weiß Joern Plote. „Ein Griff in den Beutel und ein Futterregen in Richtung des anderen Hundes wirkt manchmal Wunder und gibt ausreichend Zeit zu verschwinden, während der andere noch den Boden absucht.“

Der wichtigste Appell geht laut Kopernik aber immer an die Hundehalter. Denn auch wenn man überzeugt davon ist, dass der eigene Hund lieb ist, heiße das nicht, dass andere Hundehalter mit ihren Tieren genau so ein Team sind oder andere Mitmenschen Hunde toll finden. „Das wichtigste ist die gegenseitige Rücksichtnahme“, erklärt der Hundezüchter.

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