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  • „Abenteuer mit Kindern“: Autor Sven Wehde im Interview über neues Buch

Zurück zur Natur: Warum es sich lohnt, mit Kindern die Wildnis zu erobern

  • Sven Wehde möchte die Zeit mit seinen Kindern besser nutzen und geht regelmäßig mit ihnen auf kleine Abenteuertouren.
  • Sie übernachten draußen, folgen wilden Bachläufen oder wandern querfeldein.
  • Über die Erlebnisse hat er jetzt ein Buch geschrieben.
Cosima Künzel
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Wie kam es zur ersten Abenteuertour mit Ihren Kindern?

Eigentlich hatte ich davon geträumt, ein Jahr auszusteigen und mit der Familie im Wohnmobil durch die Welt zu reisen, aber das war meiner Frau doch etwas zu viel des Guten. Statt einer Weltreise mit dem Wohnmobil sind wir dann als Familie zwei Tage mit einem umgebauten Fahrradanhänger, den man schieben konnte, von der Haustür aus losmarschiert. Das war aber auch toll, und ich habe etwas Wichtiges gelernt.

Was war das?

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Es geht nicht einfach nur darum, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen, sondern die vorhandene Zeit intensiver zu nutzen. Ich muss also gar nicht auf Weltreise gehen, ich kann einfach das Wochenende oder einen freien Tag nutzen, um mit den Kindern tolle Abenteuer zu erleben, die für uns alle zu einer unvergesslichen Erinnerung werden.

Übernachten unter freiem Himmel

Welche Abenteuer mit den Kindern sind Ihnen denn besonders in Erinnerung?

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Alle Touren waren schön, aber am meisten berührt hat mich das Übernachten unter freiem Himmel. Das war gar kein großer Aufwand, wir haben einfach auf dem Trampolin im Garten geschlafen. Dieser Blick in die Sterne hatte einen unglaublichen Einfluss auf die Kinder. Ohne dass ich etwas gesagt habe, haben sie von alleine angefangen, über die großen Fragen nach der Unendlichkeit und einem möglichen Leben nach dem Tod zu reden. Super war auch eine Tour an einem heißen Sommertag, da haben wir einfach einen kleinen Bach zum Wanderweg gemacht und sind seinem Lauf gefolgt. Das hat allen Riesenspaß gemacht.

Zur Person: Sven Wehde (44) lebt in Lübeck und arbeitet als Redakteur für die „Lübecker Nachrichten“. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter (14 und 8 Jahre alt) und einen Sohn (6). © Quelle: Lutz Rößler
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Die Abenteuer in Ihrem Buch finden alle in der Natur statt, warum?

Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Welt der Kinder heutzutage früh genug sehr digital und virtuell geprägt, und das ist auch völlig in Ordnung so. Ich sehe es nur als meine Aufgabe, ihnen rechtzeitig zu zeigen, dass es da draußen eben noch eine reale Welt voller Bäume, Berge und Wasser gibt, die uns viel Kraft geben kann. Gerade wenn wir mal im Stress sind. Außerdem ist es ein viel stärkeres gemeinsames Erlebnis, zusammen einem Fluss mit dem Kanu zu folgen, am Strand zu übernachten oder einen Wald querfeldein zu durchqueren, als einen Freizeitpark zu besuchen. Obwohl wir das manchmal auch gerne tun, denn eine Achterbahnfahrt macht natürlich auch Spaß.

Sollen die Kinder durch die Abenteuer auch etwas lernen?

Kinder können die Natur nur lieben und schützen lernen, wenn sie sie auch kennen. Ich würde mich freuen, wenn ihnen unsere Natur auch als Erwachsener viel bedeutet. Aber hauptsächlich geht es mir erst mal darum, dass sie eine glückliche und schöne Kindheit haben.

Abenteuer für ganz normale Mütter und Väter mit ihren Kids

Wurde es bei den Abenteuern auch mal gefährlich?

Nein, nicht wirklich. Ich habe eine Regel: Für die Kinder darf es sich wie ein echtes Abenteuer anfühlen, aber wir Eltern dürfen mit den Kindern nur das machen, was wir selbst hundertprozentig beherrschen und jederzeit unter Kontrolle haben. Trotzdem kann es auch trotz sorgfältigster Planung mal zu einer unvorhergesehenen Wendung kommen. Bei einer Kajak-Tour sind mal dunkle Gewitterwolken aufgezogen, obwohl schönster Sonnenschein vorhergesagt war. Da mussten wir alles am Ufer stehen und liegen lassen und sind in das Gemeinschaftshaus eines Dorfes geflüchtet.

Einfach mal losziehen: Mit der ganzen Familie geht es für zwei Tage querfeldein durch die Natur.

An wen richtet sich Ihr Buch?

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Es ist kein Buch für Outdoor-Spezialisten, sondern für ganz normale Mütter und Väter, die mit ihren Kindern draußen etwas erleben wollen. Es soll Lust machen, gemeinsam mit den Kids rauszugehen, und es gibt jede Menge Ideen und Tipps für Touren, die Eltern überall nachmachen können, egal, wo sie in Deutschland wohnen. Für die meisten Abenteuer in dem Buch braucht es nicht viel Geld oder Ausrüstung. Und auch nicht viel Zeit, das reicht von einem Zehn-Minuten-Abenteuer auf dem Weg in den Kindergarten bis hin zu einem langen Wochenende.

Auf die Interessen der Kinder eingehen

Hat es den Kindern eigentlich von Anfang an Spaß gemacht – oder mussten Sie sie überreden?

Andersherum. Es hat ihnen am Anfang super viel Spaß gemacht und mit zunehmendem Alter sinkt das Interesse daran, mit Papa loszuziehen. Ich denke, dann ist es Aufgabe der Eltern, etwas zu ändern.

Was denn genau?

Auf der einen Seite müssen wir loslassen. Meine große Tochter ist jetzt 14 geworden, natürlich hat die derzeit keinen Bock auf Wanderungen durch die Wildnis. Da wird bei mir aber auch niemand gezwungen, das ist völlig okay. Auf der anderen Seite können wir Eltern auch mit Kindern in der Pubertät noch tolle gemeinsame Abenteuer erleben, wir müssen nur auf ihre Interessen eingehen. Daher plane ich mit meiner großen Tochter dieses Jahr auch eine lange Tour, aber eben auf Rollschuhen.

Info: Das Buch

Wehde erzählt von den Ausflügen mit seinen Kindern und gibt Tipps zum Nachmachen. Experten wie Reinhold Messner berichten zudem in Interviews, welche Abenteuer sie mit Kindern empfehlen würden.

Erhältlich ist „Abenteuer mit Kindern“ als E-Book (12,90 Euro) oder als Taschenbuch (14,99 Euro) bei Amazon.de oder direkt vor Ort in vielen Geschäftsstellen der Tageszeitungen der Madsack Mediengruppe.

Weitere Infos über den Autor und das Buch gibt es auf www.kidsabenteuer.de


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