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Spahn sieht kein Lockdown-Ende: „Zahlen zeigen, wie brutal dieses Virus immer noch zuschlägt“

  • Bei einer Pressekonferenz hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn über den Impfstart und die Pandemielage in Deutschland gesprochen.
  • Er sieht derzeit noch keine Möglichkeit, den Lockdown zu beenden. Dazu seien die aktuellen Infektions- und Todeszahlen deutlich zu hoch.
  • Den Impfstart bezeichnete der Bundesgesundheitsminister als „gelungen“.
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Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht angesichts der hohen Corona-Todes- und -Infektionszahlen keine Möglichkeit, den aktuellen Lockdown zu beenden. „1129 Familien werden diesen Jahreswechsel in Trauer erleben“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin mit Blick auf die aktuell gemeldeten Todesfälle im Zusammenhang mit Corona. „Diese Zahlen belegen, wie brutal dieses Virus immer noch zuschlägt.“ Von einer Normalität sei man noch sehr weit entfernt. „Ich sehe also nicht, wie wir in dieser Situation zurückkehren können in den Modus vor dem Lockdown.“

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Chronologie des Coronavirus
2:47 min
Der Beginn des verheerenden Coronavirus war vermutlich ein Tiermarkt in Wuhan/China. In nur wenigen Wochen erreichte das Virus auch Europa.  © RND

Spahn hatte zusammen mit Lothar Wieler, dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), und dem Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, eine Pressekonferenz gegeben. Der Minister hatte sich dabei auch über den Beginn der Corona-Impfungen in Deutschland geäußert. Schon am ersten Tag war es gleich zu mehreren Pannen bei den Massenimpfungen gekommen. „Ja, es ruckelt an der ein oder anderen Stelle“, so Spahn. Trotzdem sei der Impfstart „gelungen“. Über 60.000 Menschen hätten bereits eine erste Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten.

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Impfung für diejenigen, die sie am dringendsten brauchen

Spahn bat diejenigen um Geduld, die noch keine Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen, weil der Impfstoff zunächst den Risikogruppen vorbehalten bleibt. „Lassen wir denjenigen den Vortritt, die ihn am dringendsten brauchen.“ Der Impfstoff sei auf der ganzen Welt und zunächst auch in Deutschland knapp. Er wies aber darauf hin, dass mit dem Vakzin von Moderna bald schon ein weiterer Impfstoff zugelassen werden könnte. Schon vor einiger Zeit war eine Zulassung für den 6. Januar in Aussicht gestellt worden.

RKI-Präsident Lothar Wieler sagte auf der Pressekonferenz, das Virus sei immer noch in allen Altersgruppen verbreitet. Bei der Zahl der Corona-Patienten auf deutschen Intensivstationen sei ein trauriger Höchststand von 5649 Personen erreicht worden. Es drohten Versorgungsprobleme, wenn immer mehr Ärzte und medizinisches Personal ausfielen, weil sie selbst erkrankten: „Dann nützen auch freie Betten nichts.“

Nebenwirkungen können bei Jüngeren „etwas heftiger“ ausfallen

Tatsächlich hatten zuletzt ausgerechnet in der Risikogruppe der älteren Menschen die Neuinfektionen zugenommen. Sie machen den Hauptanteil der Patienten mit schweren und tödlichen Verläufen aus. Mit der Impfung dieser Gruppe entlaste man auch die Krankenhäuser, so Wieler. Schutzmaßnahmen seien aber weiterhin nötig: Nicht nur, weil noch Monate vergehen dürften, bis die Risikogruppen geimpft sind, sondern auch, weil selbst die Impfung keinen 100-prozentigen Schutz biete. Wie hoch der Impfschutz in der Hauptrisikogruppe der älteren Menschen mit Vorerkrankungen ausfällt, lässt sich noch nicht sicher sagen. Üblicherweise wirken Immunisierungen bei ihnen deutlich schlechter.

An der Pressekonferenz teilgenommen hatte auch Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Das PEI ist unter anderem für die Überwachung von Arzneimittelnebenwirkungen zuständig. Cichutek sagte, es handele sich bei der Impfung von Biontech und Pfizer nach bisherigem Wissensstand um einen verträglichen Impfstoff. Man gehe von moderaten Impfnebenwirkungen aus, diese könnten allerdings bei jüngeren Erwachsenen „etwas heftiger“ als nach anderen Impfungen ausfallen.

Reaktion von Allergikern beobachten

Cichutek ging auch auf das Risiko schwerer allergischer Reaktionen nach der Impfung ein. Sowohl in Großbritannien als auch in den USA waren nach der Impfung anaphylaktische Reaktionen auf die Impfung beobachtet worden. Dabei handelt es sich um schwere allergische Symptome wie Atemnot oder Herz-Kreislauf-Probleme. Im schlimmsten Fall und unbehandelt droht ein lebensgefährlicher Schockzustand mit Kreislaufversagen (anaphylaktischer Schock). Die britische Behörde MHRA rät daher grundsätzlich allen Personen von der Corona-Impfung ab, die bereits eine Vorgeschichte anaphylaktischer Reaktionen auf Impfungen, Medikamente oder Nahrungsmittel haben.

Cichutek sagte hingegen, er sehe „keine generelle Kontraindikation“ für Allergiker. Es empfehle sich aber eine Beobachtungszeit von 15 Minuten nach der Impfung, wenn Personen zu schweren anaphylaktischen Reaktionen neigten. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt für Risikogruppen eine Nachbeobachtungszeit von 30 Minuten nach der Impfung.

Zuletzt äußerte sich der PEI-Chef auch zum Auftreten der neuen Variante des Coronavirus, die bereits in mehreren Ländern nachgewiesen wurde. Es sei möglich, dass die Impfung auch einen Schutz gegen diese Variante biete, so Cichutek. Zudem gebe es die Möglichkeit, bei der Impfung „nachzubessern“ und diese an eine veränderte Form des Virus anzupassen.

RND/ih/dpa


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