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Flugzeugabsturz im Iran: Pentagon vermutet Abschuss aus Versehen

  • Nach dem Angriff des Irans auf von US-Truppen genutzte Stützpunkte im Irak stürzt eine Passagiermaschine ab.
  • Schon kurz nach dem verheerenden Unglück bei Teheran drängte sich die Frage auf, ob es einen Zusammenhang gibt.
  • Jetzt verdichten sich die Hinweise.
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Washington. Die bei Teheran abgestürzte ukrainische Passagiermaschine könnte US-Medienberichten zufolge von einer iranischen Flugabwehrrakete getroffen worden sein.

US-Regierungsbeamte hielten dies für hoch wahrscheinlich, berichtete der TV-Sender CBS am Donnerstag unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen.

CBS berichtete, US-Geheimdienste hätten Signale von einem Radar empfangen, das eingeschaltet worden sei. US-Satelliten hätten außerdem den Start von zwei Boden-Luft-Raketen kurz vor der Explosion des Flugzeugs entdeckt.

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Der Sender CNN meldete unter Berufung auf mehrere US-Behördenvertreter, man gehe zunehmend von einem versehentlichen Abschuss durch den Iran aus. Dieser „Arbeitstheorie“ lägen die Analyse von Satelliten-, Radar- und anderen elektronischen Daten zugrunde, die routinemäßig vom Militär und den Geheimdiensten der USA gesammelt würden.

Die Annahme sei, dass das iranische Luftabwehrsystem aktiv gewesen sein könnte, nachdem am Mittwoch vom Iran aus Raketen auf von US-Soldaten genutzte Militärstützpunkte im Irak abgefeuert worden waren, berichtete „Newsweek“. Der Iran hatte zuvor Spekulationen über einen Abschuss bereits zurückgewiesen.

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US-Präsident Donald Trump heizte Mutmaßungen über die Absturzursache der Maschine unterdessen an. „Ich habe meinen Verdacht“, sagte Trump am Donnerstag im Weißen Haus. „Ich will das nicht sagen, weil andere Menschen auch diesen Verdacht haben. Es ist eine tragische Angelegenheit.“ Trump sagte weiter: „Jemand könnte einen Fehler gemacht haben.“

Einige Menschen vermuteten, dass es einen mechanischen Fehler gegeben haben könnte. Er persönlich glaube, das stehe nicht zur Debatte. Auf die Frage, ob die Maschine aus Versehen abgeschossen worden sein könnte, sagte er allerdings: „Das weiß ich wirklich nicht.“

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Bei dem Absturz inmitten des bewaffneten Konflikts zwischen den Iran und den USA waren am Mittwoch mehr als 170 Menschen ums Leben gekommen. Die britische Regierung forderte am Donnerstag eine „vollständige und transparente Untersuchung“ zur Ursache des Absturzes.

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Flugzeugabsturz in Teheran - mindestens 170 Tote
0:48 min
Ein ukrainisches Passagierflugzeug ist kurz nach dem Start in der iranischen Hauptstadt Teheran auf ein Feld gestürzt.  © Afp

Die iranischen Behörden bekräftigten am Donnerstag erneut, dass eine technische Ursache zu der Katastrophe geführt habe. „Wegen eines technischen Defekts hat die Maschine Feuer gefangen, und dies führte zum Absturz“, sagte Verkehrs- und Transportminister Mohammed Eslami der Nachrichtenagentur Isna. Spekulationen über einen „verdächtigen“ Absturz und Gerüchte über einen Abschuss der Boeing 737 oder eine Terroroperation seien alle falsch. Wie er zu diesen Erkenntnissen kam, sagte Eslami nicht.

Der Leiter der iranischen Luftfahrtbehörde bezeichnete einen Abschuss der Passagiermaschine als „wissenschaftlich unmöglich“ und wies entsprechende Spekulationen als „unlogisch“ zurück. „Die Behauptung, dass die Maschine von einem iranischen Raketenabwehrsystem getroffen worden sei, kann ganz und gar nicht stimmen, weil zur selben Zeit des Absturzes mehrere andere Maschinen im iranischen Luftraum unterwegs waren“, sagte Ali Abedsadeh laut Nachrichtenagentur Fars. Im Iran gebe es zwischen der militärischen und zivilen Luftfahrtbehörde eine einwandfreie Koordination.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani. © Quelle: -/Iranian Presidency/dpa

Die Ukraine schließt hingegen einen Raketenangriff oder einen Terroranschlag als Ursache nicht aus. Irans Präsident Hassan Ruhani sagte laut Angaben des Präsidialamtes in einem Telefonat mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj, Expertenteams beider Länder sollten die genaue Absturzursache gründlich untersuchen.

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Die Ermittler wollen nun den kurzen Flug rekonstruieren. In einem am Donnerstag veröffentlichten vorläufigen Bericht der iranischen Luftfahrtbehörde heißt es, die Maschine habe versucht, zurück zum Flughafen zu fliegen. Augenzeugen hätten berichtet, die Maschine habe gebrannt. Als sie am Boden aufschlug, sei sie explodiert – wohl weil das Flugzeug große Mengen Kerosin getankt hatte.

Die Experten erhoffen sich mehr Informationen durch die Auswertung der beiden Blackboxen mit den Flugdaten. Die Boxen enthalten die Flugdatenschreiber und einen Stimmenrekorder mit Aufnahmen der Gespräche im Cockpit. Diese sollten nach gründlichen Untersuchungen an die Ukraine übergeben werden, kündigte die Luftfahrtbehörde an. Die Geräte seien aber beschädigt worden. Kurz vor dem Absturz habe auch kein Funkkontakt mehr zu den Piloten bestanden.

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So funktioniert eine Blackbox
0:54 min
Wenn ein Flugzeugunglück geschieht, gibt es meist nur einen Weg, dessen Ursache zu klären: die Auswertung der Blackbox. Wir erklären, wie sie funktioniert.  © AFP

Kiew zieht vier Versionen in Betracht: Alexej Danilow vom ukrainischen Sicherheitsrat schrieb auf Facebook, es sei möglich, dass die Maschine von einer Rakete des russischen Typs „Tor“ getroffen worden sei. Deshalb seien Experten an der Untersuchung beteiligt, die bereits 2014 beim Abschuss des malaysischen Fluges MH17 durch eine Flugabwehrrakete über der Ostukraine ermittelt hätten. Geprüft werden auch ein Zusammenstoß mit einem Flugobjekt wie etwa einer Drohne, ein Triebwerksschaden und ein Terroranschlag.

Die Ukrainer gedachten am Donnerstag der 176 Todesopfer. Präsident Wolodymyr Selenskyj rief einen Tag der Trauer aus. Die Fahnen wehten auf halbmast. In den Fernsehprogrammen und im Radio sollte auf Unterhaltungsformate verzichtet werden. Am Kiewer Flughafen Boryspil legten viele Menschen Blumen nieder. Dort hätte die Maschine eigentlich am Mittwochmorgen gegen 8.00 Uhr Ortszeit landen sollen.

Aufgrund des Konflikts im Nahen Osten sollen Flüge im irakischen Luftraum aus Sicht der europäischen Flugaufsicht (EASA) vermieden werden. Das sei eine Schutzmaßnahme, teilte die EASA auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Zudem haben den Angaben der EASA zufolge bereits manche europäischen Fluggesellschaften ihre Routen angepasst.

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