VW ID.4 GTX im Test: Mit Schmackes durch die Kurven

  • VW möchte mit der Bezeichnung GTX das Kultkürzel GTI in das elektrische Zeitalter übersetzen.
  • Mit 299 PS und einem stolzen Leergewicht von 2,2 Tonnen lässt sich der VW ID.4 GTX komfortabel und sportlich fahren.
  • Doch inwiefern passen ein Allrad-SUV einerseits, der Anspruch auf Nachhaltigkeit in Form eines Elektrofahrzeugs andererseits und dann auch noch das Ziel Power und Performance zusammen?
Simone Willmann
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Die Abkürzung GTI steht bei VW seit den Siebzigerjahren für Performance und Fahrdynamik. Diese Charakteristik möchte VW nun auch bei den Elektrofahrzeugen anbieten, allen voran beim ID.4, dem elektrischen Pendant zum Bestseller Tiguan und erst kürzlich zum Weltauto des Jahres gekürt. Da das „I“ in GTI aber für Injection, also Benzineinspritzung, steht, fährt der ID.4 elektrisch unter dem neuen Label GTX.

Uns erwartet der ID.4 GTX in klassischem Rot mit schwarzem Dach – ein hochbeiniges Crossover-SUV auf 20-Zoll-Rädern mit hoher Seitenlinie und markantem Heck. Die Front wirkt durch einen schwarzen Gittereinsatz und eine spezielle LED-Lichtsignatur griffiger und angriffslustiger als beim herkömmlichen ID.4. Auch innen unterscheiden Stilelemente wie rote Ziernähte und Edelstahlpedale den GTX vom herkömmlichen ID.4. Auffallend groß ist der riesige Innenraum, den VW „Open Space“ nennt, und der durch die MEB-Basis (Modularer Elektrobaukasten) möglich wird. Durch den Wegfall des Mitteltunnels und den im Vergleich zum Tiguan rund zehn Zentimeter längeren Radstand übertrumpft der ID.4 selbst den Tiguan Allspace beim Platzangebot deutlich. Besonders im Fond platziert er sich damit fast eine Fahrzeugklasse höher.

Komfortable 299 PS

Aber auch die anderen inneren Werte zählen – wer einen GTX wählt, den interessiert natürlich die Power: 299 PS bringt der ID.4 GTX mit einer Reichweite von rund 340 realistischen (bis zu 480 theoretischen) Kilometern per Allradantrieb auf die Straße. Das vollelektrische SUV kombiniert hierfür 204 PS aus einem Elektromotor hinten (die Maschine arbeitet auch im regulären ID.4) mit weiteren 109 PS an der Vorderachse.

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Auf einer Tour quer durch den Harz konnten wir das Zusammenspiel der Kräfte in den Fahrmodi Sport, Comfort, Eco, Traktion und Individual testen. Der ID.4 GTX fährt sich auffallend komfortabel und gleichzeitig sehr dynamisch. Beim Beschleunigen machen sich die 95 PS mehr im Vergleich zum herkömmlichen ID.4 direkt bemerkbar. Aber da auch der normale ID.4 schon über 204 PS verfügt und die Beschleunigung elektroautotypisch direkt abrufbar ist, fällt der Unterschied weniger deutlich auf als erwartet.

Stabil und dynamisch trotz 2,2 Tonnen

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Im Modus Sport klebt der ID.4 GTX geradezu auf der Straße, aber auch im Modus Comfort sind kaum Wankbewegungen in den Kurven wahrnehmbar. Dem bauartbedingten höheren Schwerpunkt des rund 2,2 Tonnen schweren SUV wirken die 468 Kilogramm der im Fahrzeugboden verbauten Batterie entgegen. Den Rest regeln Fahrwerkselektronik und Antriebssteuerung.

Und hier kommt der Allradantrieb ins Spiel: Der Fahrdynamikmanager regelt elektronisch das Zusammenspiel von Antriebsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse, der adaptiven Fahrwerkseinstellung und den elektronischen Bremssystemen. Vereinfacht gesagt steuert er also intelligent die Interaktion zwischen Fahrdynamik, Traktion und Stabilität. Von dieser dynamischen Elektronik merkt man als Fahrer: nichts. Und genau das war das Ziel der Ingenieure. Sie müssen in den Bereichen Fahrwerk und Motor eng zusammengearbeitet haben, um ein derart sahnemäßiges Gesamtkonzept zu realisieren.

Wechsel zwischen Modi jedoch ausbaufähig

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Auf der Testfahrt durch den Harz wechselten sich langgezogene Passagen mit flotten Kurvenszenarien ab, so dass man sich als Fahrerin Schaltpaddel gewünscht hätte, um schneller vom Sport- in den Comfort-Modus und zurück wechseln zu können als über die zwei umständlichen Schritte auf dem Touchscreen. Der Wechsel zwischen der Rekuperationsstufe „B“ (Brake/viel Rekuperation) und der ebenfalls stromsparenden Segeleinstellung „D“ (Drive, weniger Rekuperation) klappt dagegen über den ID-Hebel rechts hinter dem Lenkrad nach kurzer Eingewöhnung gut und ist auch deutlich spürbar.

In der Einstellung „B“ ist die Rekuperation fast zu stark: Selbst bergab musste man hier das Gaspedal nochmal sanft treten, was sich nicht gerade energiesparend anfühlt. Und dennoch zeigte ein Blick auf die Verbrauchsanzeigen, dass die Reichweitenangaben laut Display auch im tatsächlichen Betrieb einigermaßen passen. Der reale Verbrauch dagegen weniger: Statt der Werksangabe von 16,3 kWh pro 100 Kilometer kommen 23 kWh der Sache schon näher, wenn man über Land unterwegs ist.

Ein nachhaltiger SUV?

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Bei 2,2 Tonnen Leergewicht auch kein Wunder. Und hier kommen wir zu der nicht vermeidbaren Frage des Konzepts: Inwiefern passen ein Allrad-SUV einerseits, der Anspruch auf Nachhaltigkeit in Form eines Elektrofahrzeugs andererseits und dann auch noch das Ziel Power und Performance zusammen? Schwierig, möchte man sagen. Wenn man es allen recht machen will, geht schnell der rote Faden verloren. Der ID.4 GTX tut sicher elektronisch und antriebsmäßig, was er kann, aber natürlich wäre ein leichteres Fahrzeug mit weniger PS umweltfreundlicher. Macht aber auch weniger Spaß.

Technische Daten

  • Motor: Elektro
  • Leistung: 220 kW/299 PS
  • Drehmoment: 460 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h (abgeregelt)
  • 0–100 km/h: 6,2 s
  • CO2-Emission: 0 g/km
  • Verbrauch: 16,3 kWh/100 km (NEFZ)
  • Batteriekapazität: 77 kWh
  • Reichweite: bis zu 480 km (WLTP)
  • Länge/Breite/Höhe: 4,58/1,85/1,63 m
  • Radstand: 2,77 m
  • Leergewicht: 2224 kg
  • Kofferraum: 543-1575 l
  • Getriebe: Eingangautomatik
  • Preis: ab 50415 Euro
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