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Zwischen Familienfreund und Kraftprotz

Volkswagens neues E‑Coupé ID.5 im Test – der Star ist die Software

Dynamisch und sportlich zugleich: der ID.5 GTX von Volkswagen.

Dynamisch und sportlich zugleich: der ID.5 GTX von Volkswagen.

Die Dreier-Software ist für VW von höchster Bedeutung. Denn in Zukunft wird es eher das Update sein, das ein Fahrzeug während seines Lebenszyklus wertvoller macht als jährliche Kosmetik. Dennoch legt man natürlich in Wolfsburg weiterhin Wert auf gefällige Formen. Das soll das gefällige Äußere, das VW mit dem „E‑SUV-Coupé“ ID.5, wie es etwas sperrig offiziell heißt, gelungen ist, nicht schmälern.

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GTX – Reminiszenz an die 1980er-Jahre

ID.5 Pro, ID. 5 Pro Performance und die stärkste Variante ID.5 GTX sehen kompakt und gleichzeitig kräftig aus, die Schulterlinie ragt dabei ab der C‑Säule keck und selbstbewusst nach oben, um das sportliche Element des Coupés zu unterstreichen. Ein wenig erinnert der ID.5 an den Polestar 2, es gibt schlimmere Assoziationen. Mit seinem in den Fahrtwind geduckten Design schafft der ID.5 in den Versionen Pro und Pro Performance nach Werksangaben einen cw-Wert von 0,26 – der sportliche GTX 0,27. Dessen Name ist übrigens eine Reminiszenz an das von vielen heißgeliebte Sportcoupé Scirocco GTX, eine Art Wolfsburger Manta, das die Straßen der alten Bundesrepublik von 1984 bis 1989 bevölkerte.

Die Balance zwischen Familienfreund und 200-kW-Kraftprotz (299 PS) ist beim GTX des 21. Jahrhunderts extrem ausgewogen. Die Fahreindrücke im gebirgigen Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich vermittelten sowohl kultiviert-gutmütiges Dahingleiten als auch High Performance beim Überholen und Beschleunigen.

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Allerdings reiht sich auch der sportliche GTX in die mittlerweile vielfach verbreitete freiwillige Tempodrosselung auf 180 km/h ein. Aber wer hätte noch vor ein paar Jahren gedacht, dass das Autofahren mit Limitierung so viel Spaß machen kann, wie es die Dynamik des Elektroantriebs einem beschert? Dass mehr PS in den weitaus meisten Fällen auch für mehr Fahrkultur sorgen, daran hat sich allerdings auch in Zeiten des Batteriebetriebs nichts geändert.

Unterstützt wird der menschliche Fahrspaß aber, wie eingangs erwähnt, von der Software 3, die für Volkswagen nach dem ein oder anderen etwas holprigen Launch neuer Betriebssysteme von essenzieller Bedeutung ist. Ein Fahrdynamik­manager kommuniziert mit den einzelnen Regelsystemen so, dass maximaler Fahrspaß entsteht. Die Absprache zwischen Systemen und den beiden Motoren des Allradmodells GTX funktionierte im Praxistest makellos. Die neue Software soll auch das Laden erleichtern, eine Funktion, die wir nicht überprüft haben. Danach treibt das neue Betriebssystem die 77-kWh-Batterie an Hochleistungsgleichstromsäulen auf 135 kW statt bisher 125 kW. So soll der GTX in 29 Minuten von 5 auf 80 Prozent zu laden sein.

Sportliche Rückansicht: Der ID.5 GTX verfügt über einen kleinen Heckspoiler.

Sportliche Rückansicht: Der ID.5 GTX verfügt über einen kleinen Heckspoiler.

Dass das dann 320 Kilometer Reichweite bedeuten soll, ist allerdings, wie meist bei den WLTP-Angaben der Hersteller, ein sehr theoretischer Wert. Aber die größte Schwachstelle des Prinzips E bildet ja nach wie vor die Ladesäuleninfrastruktur. Da liefert die neue Software im ID.5 gleich mehrere Erleichterungen. Zum einen beherrscht 3.1 – die Version wird nicht mit den ersten Kaufmodellen ausgeliefert, sondern später in diesem Jahr kabellos („over the air“, OTA) aufgespielt – Plug-and-charge.

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Damit erkennen mehr und mehr Ladesäulen (unter anderem Aral, BP, Eon, Eviny, Iberdrola und Ionity) das Auto. Sofern die Software und das nötige Zertifikat im Fahrzeug installiert sind, fährt man einfach an die Säule, verbindet sein Kabel mit der Ladestation – und schon fließt der Strom; ohne mühsame Kartenverifizierung und ohne Suche nach einer geeigneten Kreditkarte. Abgerechnet wird über den hauseigenen VW-Tarif We Charge.

Auch das Fahrerassistenz­system „Travel Assist” wurde ordentlich verbessert. Neben einigen Level-2-Funktionen automatisierten Fahrens wie dem selbstständigen Überholen auf Autobahnen ab Tempo 90, sofern man einen Blinker gesetzt hat, ist es vor allem die Schwarmintelligenz, die mit der ID-Software 3 – unter Wahrung des Datenschutzes – auf Grundlage der Bewegungen aller VW, die auf den Straßen unterwegs sind, arbeitet.

Navifunktionen gegen Reichweitenangst

Auch die Navifunktionen wurden durch die neue Software verbessert. So lassen sich jetzt der gewünschte Ladestand und die entsprechende Restreichweite am Ziel individuell eingeben, was eine Routenplanung deutlich erleichtert und E‑Mobilistinnen und ‑Mobilisten die sprichwörtliche Reichweitenangst nimmt. Und das Head-up-Display mit Augmented Reality projiziert nützliche Orientierungshilfen auf die Windschutzscheibe.

Geradezu verblüffend ist die Funktion „Parkassist Plus mit Memory-Funktion“ – denn trotz des sperrigen Namens hat VW da ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert. Parkassist kann bis zu einem Tempo von 40 km/h Parkmanöver selbstständig wiederholen, sofern man sie einmal vorgemacht hat. Das funktioniert inklusive Lenken, Beschleunigen, Bremsen und Schalten beim längs Einparken und beim Ausparken und einem Weg von bis zu 50 Metern.

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Im Test funktionierte ein rückwärts quer Einparken inklusive Wendevorgang in einer vergleichsweise begrenzten Auffahrt absolut problemlos – obwohl sogar noch ein unbeteiligtes Auto in die Quere kam. Parkassist erkennt in Straßen bis Tempo 20 eigenständig Querparklücken, in die es wahlweise vorwärts oder rückwärts einparkt. Längsparkplätze werden sogar bis Tempo 50 erkannt. Bis zu fünf Parkvorgänge können individuell abgespeichert werden, etwa das Carport der Eltern, der Firmenparkplatz oder die heimische Garageneinfahrt. Der Zauberspaß ist als Zubehör erhältlich.

Innen zeigt sich der ID.5 gewohnt aufgeräumt mit zwei Displays. Dank der fehlenden Kardanwelle ist reichlich Platz vorhanden. Trotz des recht forschen Dachsturzes sitzt es sich auch hinten bequem. Ein hübsches Gimmick ist das neue ID-Light. Ein Leuchtband über die gesamte Fahrzeugbreite signalisiert etwa Abbiegerichtung, warnt vor Staus oder zeigt an, ob die Batterie geladen wird. Hat man die sanften Lichtsignale erst einmal dechiffriert, ist das ein wirklich nützliches Tool. Hinzu kommt das Stimmungslicht, serienmäßig in zehn Farben (beim GTX 30), um sein Auto nach eigenen Vorlieben farblich zu akzentuieren. Kein Muss, aber mittlerweile ein weit verbreiteter Standard.

Fazit: Volkswagens rollendes Rechenzentrum bietet trotz des nicht günstigen Preises eine publikumsträchtige Mischung aus Fahrspaß und Alltagstauglichkeit. Ab Ende Mai ist der ID.5 erhältlich.

 

Volkswagen ID.5 GTX

Motor: zwei E‑Maschinen

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Antrieb: Allrad

Systemleistung: 220 kW

0–100 km/h: 6,3 s

Maximales Drehmoment: 460 Nm

Spitze: 180 km/h (abgeregelt)

Verbrauch: 17,1 kWh/100 km (WLTP)

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Batteriekapazität: 77 kWh

Ladeleistungen: 11 kW AC, 135 kW DC

Reichweite: 490 km (WLTP)

Kofferraum: 549–1561 Liter

Länge/Breite/Höhe: 4582/1852/1619 mm

Leergewicht: 2124 kg

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Preis: ab 53.615 Euro

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