Charmant und leise: der Renault Mégane E‑Tech Electric im Test

  • Mit dem Mégane E‑Tech Electric bringt Renault nächstes Frühjahr ein Elektroauto im C‑Segment auf den Markt.
  • Das Crossover-Modell überzeugt durch Fahrspaß, viel Komfort und gute Konnektivität.
  • Zum Marktstart wird es den elektrischen Mégane in zwei Leistungsstufen und mit zwei unterschiedlich großen Batterien geben.
Michael Specht
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Versailles. In Europa zählt Renault bei der Elektromobilität zu den Vorreitern. Lange bevor sich andere Autohersteller mit diesem Thema befassten, hatten die Franzosen längst einen Stromer auf der Straße, den Zoe. Ein Erfolgsmodell. Mittlerweile befinden sich über 400.000 Exemplare des elektrischen Kleinwagens im Markt. „Zusammen haben sie mehr als zehn Milliarden Kilometer zurückgelegt“, rechnet Konzernchef Luca de Meo vor, „das ist für uns ein gigantischer Erfahrungsschatz.“

Genau dieses Know-how setzt Renault jetzt beim neuen Mégane ein. Den „französischen Golf“ gibt es in fünfter Generation nur noch elektrisch, während der Vorgänger noch bis 2024 weiter produziert wird. Mit dem Mégane E‑Tech Electric, so der etwas umständliche Modellname, wollen die Franzosen nun auch im für Europa wichtigen C‑Segment richtig durchstarten. „Wir möchten die Menschen zum Umsteigen bewegen“, sagt de Meo. Wie Volkswagen mit dem ID.3 und Cupra mit dem Born wählte auch Renault als Karosserieform das sogenannte Hatchback-Modell (Steilheck) und nicht wie diverse andere Hersteller ein SUV.

Bedienung via Sprachassistent

Der Mégane E‑Tech Electric steht als erster Renault auf der neuen Konzernplattform CMF‑EV. Den Designern ermöglicht diese Architektur, die Räder weit in die Ecken zu rücken und einen langen Radstand zu realisieren. Das schafft äußerlich gute Proportionen und innen mehr Beinfreiheit für die Passagiere im Fond. Man hat das Gefühl, in einem Modell der Mittel- und nicht in einem der Kompaktklasse zu sitzen, obwohl der Mégane nur 4,21 Meter lang ist.

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Im Innenraum ist alles neu: Große Displays und herkömmliche Bedienelemente sorgen für eine gute Übersicht. © Quelle: Renault

Großes Kino spielen die Franzosen im Cockpit. Das Display hinter dem Lenkrad ist mit dem zentralen Display zu einer großen Fläche zusammengefasst. Die Übersicht ist klasse, die Bedienung schnell gelernt. Entwickelt hat Renault die Software fürs Infotainment und die Konnektivität zusammen mit Google. Was das heißt, merkt der Fahrer bei der Darstellung der Navi-Karte (Google Maps) und der Sprachbedienung (Google Assist). Ein „Hey, Google, zeig mir bitte die Ladestationen entlang der Route“ oder ein „Hey, Google, schalte bitte die Sitzheizung ein“ reicht, und nach wenigen Sekunden ist der Wunsch umgesetzt.

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Sportliches Auto

Zum Marktstart im Frühjahr wird es den elektrischen Mégane in zwei Leistungsstufen und mit zwei unterschiedlich großen Batterien geben. Die Basis hat 96 kW (130 PS) in Verbindung mit einem 44-kWh-Akku. Die Kapazität reicht für 300 Kilometer (WLTP-Zyklus). Im Topmodell leistet die E‑Maschine 160 kW (218 PS). Hier steckt eine 60-kWh-Batterie im Boden. Renault verspricht eine Reichweite von 470 Kilometern.

Beim Fahren fällt sofort auf, in welche Richtung die Ingenieure den Mégane getrimmt haben: Sportlichkeit. Die Lenkung reagiert sehr direkt, der Schwerpunkt liegt, bedingt durch die große Batterie, neun Zentimeter niedriger als im herkömmlichen Mégane. Kein Wunder, dass sich mit dem Stromer-Pendant knackig ums Eck fliegen lässt. Auf der anderen Seite kann der elektrische Mégane aber auch den ruhigen Cruiser spielen, leise, geschmeidig und komfortabel. Genügend Leistung ist stets abrufbar. Elektromotoren liefern ihr höchstes Drehmoment praktisch aus dem Stand und sind nicht nur in dieser Beziehung jedem herkömmlichen Verbrenner überlegen. Wer es darauf anlegt, beschleunigt in nur 7,4 Sekunden auf Tempo 100.

Batterie lädt schneller als beim Vorgänger

Für längere Touren ist die 160-kW-Variante mit einer Schnellladefunktion ausgestattet. Sie ermöglicht Ladeleistungen bis zu 130 kW. So sind 80 Prozent der Batteriekapazität nach gut einer halben Stunde wieder aufgefüllt. In dem von uns gefahrenen Vorserienmodell war für das Laden an der heimischen 11-kW-Wallbox noch ein einphasiger Onboard-Lader verbaut. Mit ihm ließen sich jedoch lediglich 3,7 kW pro Stunde laden. Die leere Batterie wieder komplett zu füllen würde rund 18 Stunden dauern – nicht mehr zeitgemäß und ein Sparen am falschen Ende.

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Renault setzt beim Mégane E‑Tech Electric auf schickes Design, Google-Konnektivität sowie sportliche Fahreigenschaften. © Quelle: Renault

Das hat auch Renault erkannt. Daher wird das Topmodell jetzt serienmäßig mit einem dreiphasigen Ladegerät ausgestattet. Bei der Einstiegsversion ist dieses Feature optional erhältlich. Stefan Bratzel, Direktor am Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, empfiehlt, für das Basismodell auf jeden Fall das dreiphasige AC-Ladegerät und auch die optionale DC-Schnellladefunktion zu nehmen, möchte man eines Tages seinen Mégane weiterverkaufen. „Ansonsten dürfte es schwierig werden, in drei oder vier Jahren jemanden zu finden, der sich ein Elektroauto dann noch ohne diese Ladestandards zulegen will“, so der Experte.

Preise für den Mégane E‑Tech Electric wird Renault nicht vor Mitte Dezember bekannt geben. Man kann davon ausgehen, dass sie leicht unter jenen des wichtigsten Wettbewerbers ID.3 liegen werden. Der VW startet bei knapp 32.000 Euro.

Info: Technische Daten Renault Mégane E‑Tech Electric

  • Motor: Elektrik
  • Antrieb: Front
  • Leistung: 160 kW/218 PS
  • Maximales Drehmoment: 300 Newtonmeter
  • 0–100 km/h: 7,4 Sekunden
  • Spitze: 160 km/h (limitiert)
  • Reichweite WLTP: 470 Kilometer
  • Stromverbrauch: 16,1 kWh/100 km
  • Batteriekapazität: 60 kWh (netto)
  • Ladeleistung: bis 22 kW AC und bis 130 kWh DC
  • Abmessungen: 4,21/1,78/1,50 Meter
  • Wendekreis: k. A.
  • Kofferraum: 440 Liter
  • Leergewicht: 1624 Kilogramm
  • Preis: ab Mitte Dezember
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