Flüsterleiser Klassiker: Opel baut elektrischen Manta

  • Mit der Technik von morgen hat Opel einen Manta aus dem Jahr 1974 bestückt – und damit sowas wie eine Zeitmaschine auf Rädern erschaffen.
  • Der Klassiker hat nun ein LED-Display statt Kühlergrill, 147 PS statt 105 und flüsterleisen Sound, dank elektronischem Antrieb.
  • Denn auch, wenn der Manta selten geworden ist im Verkehr, löst allein sein Name bei vielen Opel-Fans ehrfürchtige Bewunderung aus.
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Rüsselsheim/Bochum. Hier ein Ölfleck am Boden, dort etwas Schmierfett an der Wand und über allem ein Duft aus Politur und Petroleum: Willkommen in Opels Klassik-Sammlung in Rüsselsheim. Doch irgendetwas ist hier heute anders als sonst. Denn was da als vermeintlich originaler Manta GT/E im Scheinwerferlicht funkelt, bringt den Zeitstrahl der Oldtimer-Sammlung gehörig durcheinander.

Zwar tatsächlich 1974 gebaut, aber 2021 restauriert und dabei mit der Technik von morgen bestückt, ist dieses Einzelstück so etwas wie Opels Antwort auf den DeLorean aus dem Film „Zurück in die Zukunft“ und eine Zeitmaschine auf Rädern. Denn dieser Manta fährt elektrisch.

Flüsterleiser Auftritt

Wo andere Oldtimer beim Kaltstart gerne stottern, surrt der Manta GSe Elektromod flüsterleise aus der Halle. Dumm nur, dass auf dem Werksgelände ein strenges Tempolimit herrscht. Statt der 105 PS des Original-Sportmodells GT/E von einst stehen jetzt schließlich 108 kW/147 PS im Datenblatt. Die für damalige Verhältnisse schwer vorstellbaren 255 Nm der E-Maschine liegen vom ersten Moment aus an.

Stilmix: Klassisches Sportlenkrad vor digitalem Bildschirmen im Manta GSe Elektromod. © Quelle: Enes Kucevic/Opel Automobile Gmb
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Kein Wunder, dass er mächtig Meter macht und schnell zu schnell ist. Schließlich wird erst jenseits von 130 km/h abgeregelt, und das ungewöhnliche Zusammenspiel von E-Antrieb und Schaltgetriebe hat der Fahrer so schnell raus, dass er dieses Potenzial auch flott ausnutzen kann. Wie gut also, dass der Umbau den Segen des Tüv hat, der Manta wenige Minuten später draußen im fließenden Verkehr mitschwimmt und die Akkus für bis zu 200 Kilometer reichen.

Soundtrack aus der Bluetooth-Box

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Dabei ist der genau – wie die Lithium-Ionen-Blocks im Kofferraum und unter der Rückbank bei einem Zulieferer eingekaufte – Motor nicht der einzige Teilchen-Beschleuniger auf dem Zeitstrahl. Sondern Opel hat die aktuell bei vielen Tunerinnern und Tunern, Designerinnen und Designern und Restauratorinnen und Restauratoren beliebte Idee vom Restomod, also vom modernisierten Klassiker, ernst genommen.

So trägt der Manta hinter dem Lenkrad das digitale Cockpit Pure-Panel aus dem Modell Mokka. Der Soundtrack zur Testfahrt kommt aus einer Bluetooth-Box. Wo früher der Kühlergrill war, prangt jetzt ein schwarzes Display, über den mit LED-Technik augenzwinkernde Leuchtbotschaften flimmern.

„Drehen das Rad eine Runde weiter”

„Damit schließt sich ein Kreis“, sagt Pierre-Olivier Garcia aus dem Design-Team. „Denn es war vor allem der Manta, der uns zum sogenannten Vizor-Gesicht für die neuen Opel-Modelle inspiriert hat. Und hier drehen wir das Rad jetzt eine Runde weiter.“

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Elektrisch und digital: Der Umbau GSe Elektromod hält sich formal ans Orginal (links), fährt aber elektrisch und hat digitale Instrumente. © Quelle: Enes Kucevic/Opel Automobile Gmb

Mit dem elektrischen Einzelstück verschafft sich Opel nicht nur Gehör unter den vielen Marken des Stellantis-Konzerns. Sondern vor allem feiert Opel damit – nicht zuletzt wegen Corona allerdings ein wenig verspätet – den Start eines seiner bekanntesten Autos vor 50 Jahren.

„Der Manta steht zusammen vielleicht noch mit dem GT als Ikone ganz oben auf dem Opel-Olymp“, sagt der Oldtimer-Spezialist Frank Wilke von Classic Analytics. Mit dem Umbau hat der Marktbeobachter kein Problem, sondern freut sich vielmehr, dass damit vielleicht noch ein paar Fans mehr auf diesen Klassiker aufmerksam werden.

Manta-Premiere 1970 als familientaugliches Coupé

Den Weg auf den Opel-Olymp hat der Manta 1970 begonnen, entwickelt als Antwort auf den erfolgreichen Ford Capri und als kleinen Bruder der Corvette Stingray, die ebenfalls einen Teufelsrochen im Namen und als Logo auf dem Blech hatte.

Lichte Momente: Die Front des Opel Manta GSe Elektromod ziert in ganzer Breite ein LED-Bildschirm. © Quelle: Enes Kucevic/Opel Automobile Gmb
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Die zweite Generation ab 1975 wurde in den 1980er Jahren zum Lieblingsobjekt vieler Autotuner und im Zuge der Mantawitze ordentlich durch den Kakao gezogen. Auch die Filmkomödie „Manta, Manta“ von 1991 ist noch in Erinnerung. Das alles tat dem Erfolg und dem Ruhm des Autos keinen Abbruch: Die zwei Generationen verkauften sich von 1970 bis 1988 gut eine Million Mal.

Mittlerweile selten geworden auf der Straße, ist der Manta nach wie vor ein Blickfang, und allein sein Name löst bei vielen Opel-Fans eine ehrfürchtige Bewunderung aus. Ein neuer Manta ist laut Opel mittlerweile auch unterwegs. Zwar nicht mehr als klassisches Coupé: Den ersten Skizzen nach wird der Neue wohl eher dem Trend zum SUV folgen und elektrisch fahren. Doch zumindest der Name lebt weiter.

RND/dpa

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