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So steht es um die Pläne zur Urban Air Mobility

Flugtaxis: bloß Science-Fiction oder schon bald Realität?

Flugtaxis könnten wichtige Standorte im urbanen Raum miteinander verbinden, wie diese Computerdarstellung des Flugtaxis Volocopter vor dem Frankfurter Flughafen zeigt.

Flugtaxis könnten wichtige Standorte im urbanen Raum miteinander verbinden, wie diese Computerdarstellung des Flugtaxis Volocopter vor dem Frankfurter Flughafen zeigt.

Ein Klick in der App, schon ist das Flugtaxi bestellt. Es bringt Passagierinnen und Passagiere nahezu lautlos vom einen Ende der Stadt zur anderen, schwebt autonom über den stockenden Autoverkehr hinweg und hinterlässt dabei keine stinkenden Abgase: So, oder so ähnlich, könnte man sich die neue Art der Mobilität im urbanen Raum vorstellen, wenn Flugtaxis tatsächlich Realität werden. Verfechterinnen und Verfechter der Technologie sehen darin nicht nur eine Chance für die hohe Verkehrsdichte in Städten, sondern auch eine umweltfreundlichere Alternative zu anderen Fluggeräten wie Helikoptern.

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„Urban Air Mobililty, wozu auch die Flugtaxis gehören, ist aktuell ein Hypethema“, sagt Bianca Schuchardt vom Institut für Flugführung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). In den vergangenen Jahren sei das mediale Interesse an Lufttaxis stark gestiegen, so Schuchardt, die bereits seit mehr als zehn Jahren zu dem Thema forscht. „Die Hoffnung ist, dass eines Tages im urbanen Raum Lufttaxis für den Passagiertransport fliegen könnten, aber auch Drohnen für den Transport von Waren und Gütern.“

Flugtaxis bieten in vielen Bereichen eine Perspektive

In der Fachsprache heißen Flugtaxis „eVTOL“ (electric vertical take-off and landing aircraft) und bezeichnen elektrisch betriebene Flugobjekte zur Personenbeförderung. Sie können – je nach Größe und Bauart – bis zu sieben Personen über Strecken mit einer Länge zwischen 80 und 250 Kilometern fliegen, erklärt Michael Garvens, Vorsitzender des Lenkungsausschusses des Verbands Unbemannte Luftfahrt (VUL).

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Was Flugtaxis von Helikoptern oder anderen Flugzeugen unterscheidet: Für den Start und die Landung benötigen sie keine große Fläche. Damit bieten sie besonders für Großstädte eine Chance, denn dort sorgt die hohe Verkehrsdichte regelmäßig für Staus auf Straßen, in Tunneln oder auf Brücken. „Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass ein regelmäßiger Lufttaxibetrieb auf bestimmten Strecken eine große Zeitersparnis darstellen und Mobilitätsengpässe lösen könnte“, so Schuchardt. Dies gelte aber nicht für jede Route. „Es gibt auch Strecken, da ist man mit dem Fahrrad oder dem eigenen Auto viel schneller.“

Deutsche Unternehmen in der Entwicklung an der Spitze

Derzeit arbeiten über 200 Projekte weltweit an der Entwicklung von Flugtaxis. Dabei haben vor allem deutsche Firmen gute Aussichten darauf, als erste die Serienzulassung zu erhalten. Hierzulande arbeiten beispielsweise Firmen wie Volocopter, Lilium, Airbus oder e.SAT an eigenen Modellen. Während der Flugbetrieb zu Beginn mit lizensierten Berufspilotinnen und -piloten starten soll, ist langfristig gänzlich ein autonomer Betrieb vorgesehen, erklärt Garvens.

Die unterschiedlichen Modelle der verschiedenen Hersteller unterscheiden sich nach ihrem geplanten Einsatz – zum Beispiel in Sachen Reichweite, Nutzlast und Komfort. Airbus beispielsweise entwickle mit Partnern den City-Airbus Next Gen, so Garvens. Dieser bietet Platz für vier Passagiere inklusive Pilot, hat eine Reichweite von 80 Kilometern und kann eine Geschwindigkeit von 120 km/h erreichen. „Der Prototyp wird aktuell in Deutschland gebaut und die ersten Testflüge des Flugtaximodells sollen 2023 stattfinden.“

Die baden-württembergische Firma Volocopter arbeitet aktuell an dem Volocity. Dieses Flugtaxis soll 2024 bei den Olympischen Sommerspielen in Paris zum Einsatz kommen und die Flughäfen der Stadt mit den Wettkampfstätten verbinden, erklärt Garvens. Das Flugtaxiunternehmen Lilium aus München wiederum entwickelt derzeit einen Siebensitzer mit 30 Rotoren. Das erste kommerzielle Modell mit einer Reichweite von bis zu 250 Kilometern soll 2025 auf den Markt kommen. „So wären auch Shuttleservices zwischen Städten möglich.“

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Flugtaxis als Ergänzung für den bestehenden ÖPNV

Doch wie lassen sich Flugtaxis in den ohnehin schon überfüllten Luftraum integrieren? „Mit dem heutigen Flugführungssystem stoßen wir ganz schnell an Grenzen“, warnt Schuchardt. Damit sich Lufttaxis, Rettungshubschrauber, Passagiermaschinen und Co. nicht ins Gehege kommen, seien neue Systeme nötig, die den Verkehr koordinieren. Eine Möglichkeit dafür könnte der sogenannte New Space sein: Die Flugtaxis können sich mit Hilfe von durch Satelliten generierten Daten selbstständig managen und sicher im städtischen Umfeld bewegen. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sie gut in das bestehende urbane Transportsystem eingebunden würden, so Schuchardt. Ähnlich wie bei öffentlichen Verkehrsmitteln bräuchten daher auch Lufttaxis feste Start- und Landeplätze, bei deren Planung derzeit allerdings noch viele Fragen offen sind.

Doch auch wenn die technischen Fragen geklärt sind, ist es wirklich sinnvoll, auf Lufttaxis zu setzen? „Der ökologische Fußabdruck von Flugtaxis, insbesondere bei CO₂-und Lärmemissionen, ist geringer als beispielsweise bei Helikoptern oder Kleinstflugzeugen“, sagt Garvens. Dabei sollen sie Verkehrsflugzeuge für die Mittel- und Langstrecke keineswegs ersetzen. Vielmehr seien Lufttaxis eine Ergänzung für den ÖPNV und böten eine Chance für eine „schnelle, planbare und von Verkehrsstaus unabhängige und CO₂-freie Verkehrsanbindung“.

Akzeptanz gegenüber Flugtaxis steigt

„Entscheidend für eine erfolgreiche Einführung von Flugtaxis in Deutschland ist ihre Akzeptanz in der Gesellschaft“, glaubt Garvens. Diese ist in den vergangenen Jahren gestiegen, wie eine Umfrage des VUL ergeben hat. Je nach Art der Strecke können sich mittlerweile 39 und 45 Prozent der Befragten vorstellen, in ein Flugtaxi zu steigen – bis zu 18 Prozent mehr als noch im Jahr 2019. Am höchsten ist derzeit die Zustimmung für Strecken bis zu 200 Kilometern zwischen zwei Städten.

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Skeptisch sind weiterhin mehr als die Hälfte der Befragten gegenüber autonomen und vollautomatischen Flugtaxis. Sie würden es bevorzugen, wenn ein Pilot oder eine Pilotin das Flugtaxi steuert. Nichtsdestotrotz wäre die Hälfte der Befragten bereit, mehr Geld für einen Flugtaxitransport zu bezahlen als für reguläre Taxifahrten, 26 Prozent würden sogar mindestens das Doppelte des Taxipreises bezahlen.

Wann Lufttaxis in unseren Städten Realität werden könnten, ist allerdings unklar. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) rechnet bereits in drei bis fünf Jahren damit. Auch wenn die Flugtaxis dann noch nicht vollständig autonom, sondern mit einem Piloten oder einer Pilotin fliegen werden.

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