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Neues Konzernflaggschiff

Erster Blick auf den Volvo EX90: der Sicherheits- und Nachhaltigkeitsriese

Der Volvo EX90 bei seiner Vorstellung in Stockholm.

Der Volvo EX90 bei seiner Vorstellung in Stockholm.

Premiere für ein Auto, das zwar ab sofort bestellbar ist, aber erst ab 2024 auf deutschen Straßen unterwegs sein wird. Wer also Volvos neues Elektroflaggschiff fahren möchte, muss sich noch gedulden. Die Vorstellung des Fahrzeugs, das noch ein handgebautes Unikat ist, ließ aber schon einiges erkennen, was Volvos Zukunft ausmachen wird.

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Mitten in Schwedens Hauptstadt, gegenüber dem Flagship-Store Volvo Studio, war ein riesiges Zelt aufgebaut. 200 Gäste konnten der Premiere des neuen Volvo EX90 live beiwohnen, rund 25.000 Interessierte und Fans verfolgten die Enthüllung des neuen Hoffnungsträgers der Schweden live auf Youtube. „Heute ist der Beginn einer neuen Ära der Sicherheit, Nachhaltigkeit und Technologie“, stellte Volvo-Vorstandschef Jim Rowan den EX90 vor. „Es hat sich viel verändert, aber vieles ist doch gleich geblieben – fest verankert in unserem Erbe, der Sicherheit.“ In einer Welt, die zerstörerischer denn je sei, so Rowan, „in der Ressourcen knapp werden und die Energiekosten explodieren, ist der EX90 direkter Ausdruck unserer Werte: Sicherheit, Nachhaltigkeit und Technik, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht.“

Volvo-Vorstandschef Jim Rowan bei der Präsentation seines neuen Flagschiffs.

Volvo-Vorstandschef Jim Rowan bei der Präsentation seines neuen Flagschiffs.

Sicherheit als Leitmotiv

Bei aller Eleganz, Nutzerfreundlichkeit und dem wie stets zurückgenommenen, aber doch selbstbewussten nordischen Design des EX90 stellte der 57-jährige Schotte, den viele noch als umtriebigen Chef des Lifestyle-Pioniers Dyson in Erinnerung haben, die beinahe 100-jährige Sicherheitstradition der Schweden in den Vordergrund: „Unser einziger Antrieb war und bleibt es, den Menschen die freie Bewegung in einem sicheren Umfeld zu ermöglichen.“ Was 1959 auf der IAA mit Volvos erstmaliger Präsentation eines Dreipunkt-Sicherheitsgurtes begann, soll sich nun im EX90 unter anderem mit dem neuen Lidar-System fortsetzen.

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Neue Sicherheitsstufen zu schaffen, das bleibe neben der Nachhaltigkeit die oberste Priorität von Volvo, wie Rowan bei der Präsentation des 5,04 Meter langen Siebensitzers deutlich machte. Eine hundertprozentige Elektrifizierung der Fahrzeugflotte bis 2030 und als – nicht terminiertes Ziel der Sicherheitsentwicklung – das Credo, dass kein Mensch mehr in einem oder durch einen Volvo ums Leben kommen oder schwer verletzt werden soll. Diesem höchst ambitionierten Ziel möchten die Göteborger mit dem neuen Lidar-System einen ordentlichen Schritt näher kommen.

Bis zu 250 Meter Entfernung kann die Mischung aus Laser und Radar in kompletter Dunkelheit ausmachen, ob etwa ein Reifen auf der Fahrbahn liegt. Genauso klar- und weitsichtig reagiert der Lidar bei direkter Sonneneinstrahlung, die den Fahrer blendet. Zusammen mit den marktüblichen Sensoren, Kameras und Radaren sorgt das laut Volvo für ein noch nie da gewesenes Sicherheitslevel. Ähnliches gilt für die Umgebung des Lenkrades. Kameras und Algorithmen erkennen anhand unterschiedlichster Kriterien, ob der Fahrende abgelenkt, alkoholisiert oder durch Drogen beeinträchtigt ist oder ob eine akute Erkrankung ihn oder sie daran hindern, die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten.

Anhalten nach Gesetzeslage

Für den Fall eines solchen Kontrollverlusts hält das Fahrzeug mehrere Reaktionen bereit – je nach Gesetzeslage. In Deutschland heißt das, dass das Fahrzeug in der Spur zum Halten gebracht wird, in der es sich befindet. Das liegt daran, dass autonomes Fahren bisher nur in sehr eingeschränkten Situationen auf Autobahnen zugelassen ist, allerdings ohne Spurwechsel. Die US-Variante des EX90 hingegen darf ihre Fähigkeiten voll ausspielen. Hier fährt der Wagen im Fall eines Falles autonom auf den Standstreifen. Nach dem Anhalten wird natürlich in beiden Fällen auch noch eigenständig Hilfe herangeholt.

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Aufgesetzt ist all diese Technik auf Volvos erster allelektrischer Plattform, die auch als Matrix für den Polestar 3 dient. Der EX90 ist der einzige Elektro-SUV, der serienmäßig mit sieben Sitzen ausgestattet ist. Ein erster schneller Sitztest ergab, dass auch in der versenkbaren dritten Reihe genügend Platz für Erwachsene ist. Apropos Platz: Obgleich mehr als fünf Meter lang, macht der EX90 einen eher schlanken Eindruck – was vor allem an der glatten Haut liegt. Die Kotflügel sind nur ein flüchtiges Zitat, die klassischen Türdellen sind die tiefste Einkerbung, und das dezente Lidar-Hörnchen in der Mitte über der Windschutzscheibe, das ein bisschen an ein Taxischild erinnert, wirkt aufgrund all der harmonisch fließenden Linien viel größer, als es ist.

Das neue elektrische Antlitz von Volvo: Ebene Front ohne Kühlergrill, modifiziertes Logo mit stilvoller Verlängerung ins Blech.

Das neue elektrische Antlitz von Volvo: Ebene Front ohne Kühlergrill, modifiziertes Logo mit stilvoller Verlängerung ins Blech.

Die Front des EX90 entspricht dem neuen Elektro-Antlitz bei Volvo, kein Kühlergrill mehr, der Luft durchlassen müsste, stattdessen das Volvo-Logo in neuem Look und mit einem durchgängigen Metallpfeil, der in einer markanten Ausbuchtung eine Art diagonales Passepartout für das Logo bildet. Die neu arrangierten Thorshammer-Leuchten, die jetzt auch eine vertikale Verlängerung nach unten haben, sind der heimliche Star des Autos.

Sie können nämlich ihre „Lider“ öffnen, um dahinter eine weitere Scheinwerfereinheit zum Vorschein zu bringen. Nährt sich der Fahrende mit seinem Handy – einen Schlüssel gibt es nicht mehr – zwinkert ihm der EX90 zu. Das ist ein ähnlich menschelnder Charmeeffekt wie bei VWs ikonischen ID.Buzz – und das einzige Gimmick, dass sich der große, kühle Schwede gönnt.

Ausgeliefert wird erst 2024

Sollte sich der eine oder andere Kunde genau von diesem Feature angesprochen fühlen oder von dem lederfreien Innenraum voller Recyclingmaterialien, dessen Herzstück im Cockpitbereich ein hochkant freischwebendes 15,4-Zoll-Zentraldisplay ist und wo ein nur noch winziges digitales Armaturenbrettchen über dem Lenker viel Raum im Cockpit freisetzt, so kann er das Auto bereits online bestellen. Ausgeliefert wird allerdings wohl erst im Frühjahr 2024.

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Gefertigt wird der EX90 in Ridgeville (US-Bundesstaat South Carolina) und im chinesischen Chengdu. Beide Werke werden ab 2023 klimaneutral produzieren, sodass der EX90 CO₂-neutral hergestellt werden wird. Die Amerikaner werden auch die Fahrzeuge für den europäischen Markt bauen. Anders als BMW und Mercedes übrigens nennt Volvo keine priorisierten Märkte, was umso erstaunlicher ist, als dass die Schweden ja mittlerweile zum chinesischen Autogiganten Geely gehören.

Die Marke Volvo scheint autark und selbstbewusst genug zu sein, um den EX90 zu einem weltweiten Erfolg zu machen. Die beiden Versionen, die zum Start angeboten werden, einmal mit zwei Motoren und 300 kW (408 PS) beziehungsweise 380 kW (517 PD), werden zudem in der Vollausstattung Ultra mit 105.550 respektive 110.650 Euro deutlich unter dem der entsprechenden Konkurrenten BMW iX xDrive 50 oder Mercedes EQE SUV 43 4 Matic liegen.

Das ist natürlich immer noch sehr viel Geld, allerdings ändert sich gegenüber dem Verbrenner XC90, der bis auf Weiteres weitergebaut werden wird, preislich nichts. Aber es ist bei der Fülle der technischen Neuerungen und angesichts der allgemein inflationären Preisentwicklung durchaus ein Signal in den Markt. Die Reichweite übrigens gibt Volvo mit rund 600 Kilometern an, die 111 kWh-Batterie kann bis zu 250 Volt laden – wobei der Clou der Elektrokompetenz des Wagens in Deutschland aus Rechtsgründen noch gar nicht auszuschöpfen ist.

Ein Auto als virtuelles Elektrizitätswerk

Der XC90 ist nämlich in der Lage, durch bidirektionales Laden nicht nur Accessoires oder Elektrogrills mit Strom zu versorgen wie etliche Hersteller, sondern auch das eigene Haus. Im Idealfall gibt das tagsüber durch grüne Energie mittels Solarpanels auf dem Häuserdach aufgeladene Auto nachts die Energie wieder ab ins Haus oder auch an ein anderes Volvo-E-Fahrzeug. Bei Volvo heißt es dazu: Perspektivisch könnten sich Volvo Fahrer zu einem virtuellen Elektrizitätswerk zusammenschließen und Energie ins öffentliche Netz zurückspeisen. „Diese Maßnahme (…) unterstützt eine effiziente und stabile Energieversorgung, senkt den CO₂-Fußabdruck und schafft eine zusätzliche Einnahmequelle für die Kunden. Das bidirektionale Laden wird sukzessive in ausgewählten Märkten eingeführt.“ Wann das allerdings in Deutschland der Fall sein wird, ist noch unklar.

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Ganz am Ende der Präsentation gab Volvo noch einen visuellen Fingerzeig in Richtung Zukunft. Neben der Silhouette des EX90 tauchte für kurze Zeit ein wesentlich kleineres Fahrzeug auf. Der deutliche Hinweis darauf, dass demnächst mit einem kompakten City-Crossover zu rechnen ist.

Ganz am Ende der Präsentation gab Volvo noch einen visuellen Fingerzeig in Richtung Zukunft. Neben der Silhouette des EX90 tauchte für kurze Zeit ein wesentlich kleineres Fahrzeug auf. Der deutliche Hinweis darauf, dass demnächst mit einem kompakten City-Crossover zu rechnen ist.

Dass Volvo diese und andere Neuerungen aus dem EX90 sukzessive auch an kleinere Fahrzeuge im neuen Produktionszyklus weitergeben wird, gilt als sicher. Und dass auch in absehbarer Zeit, ein „Kleiner“ kommt, darauf wies Jim Rowan bei der Weltpremiere hin. „Wenn sie ganz genau hinsehen“, sagte Rowan kurz vor Ende der Präsentation, „werden sie noch etwas anderes entdecken“. Und so senkte sich eine Art digitaler Vorhang über den Bildschirm, der etwas an den Einsen-und-Nullen-Regen aus „Die Matrix“ erinnerte, um nach einigem optischen Schnickschnack den Blick auf zwei Fahrzeugsilhouetten freizugeben: den EX90 und ein wesentlich kleineres Fahrzeug.

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