E-Mountainbike mit Bodenhaftung: Das E-Riot von Ghost im Test

  • Mit dem E-Riot von Ghost kann man sich in fast jedem Gelände austoben.
  • Der Hersteller verspricht passende Geometrien für alle Körpergrößen und Fahrstile.
  • Das E-Mountainbike kann überzeugen – aber nicht allen Punkten. Ein Testbericht.
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Göttingen. Ein MTB mit Motor? Das kommt sportlich-ambitionierten Radlerinnen und Radler zunächst absurd vor. Es rudert ja auch niemand in einem Motorboot oder benutzt ein Trampolin, um beim Hochsprung bessere Leistungen zu erbringen. Doch wer sich erst einmal darauf eingelassen hat, findet möglicherweise Gefallen daran, sich beim Mountainbiken elektrisch unterstützen zu lassen. Spätestens beim dritten steilen Anstieg sind viele dem Motor dankbar. Ein weiterer Vorteil: „Mit einem E-MTB erhöht sich der Aktionsradius. Ich kann damit längere Touren machen und komme in Gegenden, die ich sonst nicht erreicht hätte“, sagt Alexander Giebler vom Pressedienst Fahrrad.

Das Argument ist zwar nachvollziehbar, aber die Welt steht einem trotzdem nicht unbegrenzt offen. Denn irgendwann ist die Akkuleistung erschöpft und im Gelände findet sich selten eine Ladestation. Das getestete E-Riot des deutschen Herstellers Ghost hat eine Reichweite von etwa 70 Kilometern – bei durchschnittlicher Beanspruchung. Das heißt: Auf ebenen Strecken wurde im Eco- oder Tourmodus gefahren, an Steigungen auf E-MTB umgeschaltet.

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Neues E-Bike von „Ghost“: Ein Allrounder mit Bodenhaftung
1:19 min
Mit dem E-Riot von Ghost kann man sich in fast jedem Gelände austoben.  © RND/Sebastian Hoff
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Ohne viel Kraft „austoben“

Wenn es ganz steil wurde, verlieh der Turboantrieb zusätzlichen Schub. Es ist schon beeindruckend, wie das Rad dann auch an Rampen Fahrt aufnimmt – und das, ohne viel Kraft aufwenden zu müssen. Für die nötige Power sorgt der Bosch Motor Performance CX GEN 4. Die Bosch-Batterie Power Tube hat eine Leistung von 625 Wattstunden. Das Bosch Purion-Display wird eher Puristinnen und Puristen gefallen: Die Informationen sind aufs Nötigste reduziert, eine Koppelung mit anderen technischen Geräten ist nicht möglich.

Das E-Riot ist ein Allrounder, ein Allmountainbike mit Enduro-Qualitäten. Es fährt sich in bergigem Gelände ebenso gut wie auf ruppigen Trails. Der Name ist also durchaus Programm: Übersetzt werden kann „riot“ etwa mit „austoben“. Das ist mit dem Rad schmerzfrei möglich. Denn das Fully federt so ziemlich jede Unebenheit ab. Dafür sorgen die Fox-Gabel mit einem Federweg von 150 Millimeter, der Fox-Dämpfer mit 140 Millimeter und die 29 Zoll-Laufräder mit den Maxxis Minion-Reifen.

Sicheres Fahrgefühl auf schwerem Rad

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Das Tractionlink Hinterbausystem ermöglicht eine gute Kraftübertragung und sorgt dafür, dass man fast nie die Bodenhaftung verliert – bergauf ebenso wenig wie bergab und auch nicht auf rutschigem Untergrund. Zum sicheren Fahrgefühl trägt der tief verbaute Motor bei, der dem Rad einen niedrigen Schwerpunkt verleiht. Der Rahmen besteht aus Carbon, das Hinterteil aus Aluminium. Dadurch kann das Gewicht trotz des E-Antriebs auf rund 23 Kilogramm begrenzt werden. Das ist aber immer noch ganz schön schwer, wenn das Rad auf den Gepäckträger am Auto gehievt oder über nicht befahrbare Passagen getragen werden muss.

Zur Ausstattung gehören eine Shimao XT-Schaltung mit zwölf Gängen, Shimano SLX-Bremsen und ein universelles SRAM-Schaltauge, das nach einem Schaden leicht ausgewechselt werden kann. Nutzerfreundlich ist auch der Akku, der elegant im Rahmen untergebracht wurde und schnell abzunehmen ist. Ebenfalls optisch gelungen und wartungsfreundlich sind die externen Bowden- und Bremszüge, die zunächst auf der Oberseite des Unterrohrs verlaufen und dann im Cover verschwinden. Apropos verschwinden: Mit einem einfachen Hebelzug am Lenker lässt sich die Sattelstütze ins Sattelrohr versenken und wieder hochfahren. So kann im Gelände in Sekundenschnelle die Sitzposition gewechselt werden.

Weniger wendig, aber sehr anpassungsfähig

Nachteil der kompakten Bauweise und des E-Antriebs: Das Riot ist weniger wendig als unmotorisierte Modelle. Der Lenker lässt sich zudem nicht so stark einschlagen und das Hinterrad kann beim Fahren nur schwer versetzt werden. Das macht sich vor allem im technisch anspruchsvollen Terrain bemerkbar. Ein wenig kommt es einem manchmal so vor, als sei man mit einem Mofa im Gelände unterwegs.

Das E-Riot ist sehr anpassungsfähig: Ghost verspricht die passende Geometrie für jede Körpergröße und jeden Fahrstil. Möglich macht es die Superfittechnologie. Dafür wurden die biometrischen Daten von Tausenden Frauen und Männern ausgewertet. Eine Erkenntnis lautete, dass Arm- und Beinlängen bei ähnlich großen Menschen nahezu gleich sind. Im Angebot sind nun vier Rahmengrößen von S bis XL. Unter anderem die Kettenstreben- sowie Kurbelllängen werden daran angepasst, die Positionen von Lenker, Pedalen und Sattel optimiert. Im Ergebnis soll das Fahrgefühl möglichst immer identisch sein.

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Für alle gleich ist auf jeden Fall der Preis: Der beträgt nach Angaben von Ghost 6.299 Euro.

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