TV-Motorsport-Experte Danner über E-Mobilität: „Eine Riesenchance – wenn man es richtig angeht“

  • Nach vielen Jahren als Formel-1-Experte bei RTL kommentiert Christan Danner (63) seit dieser Saison die Formel E für Sat.1.
  • Im RND-Interview spricht der ehemalige Formel-1- und DTM-Pilot über seine Erwartungen und Hoffnungen in Sachen E-Mobilität.
  • Und er prognostiziert, dass wir noch lange auf den Verbrennermotor angewiesen sein werden.
Dietmar Gessner
|
Anzeige
Anzeige

München. Er ist eine feste Größe im deutschen Motorsport: Christian Danner. In den 80er-Jahren bestritt der Münchner insgesamt 36 Formel-1-Rennen, startete für die Teams von Zakspeed, Osella/Arrows und Rial. Später feierte Danner Erfolge in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft DTM und startete in der US-amerikanischen IndyCar World Series.

Vor allem als Formel-1-Kommentator ist Danner vielen Motorsportfans bekannt: Seit 1998 kommentierte er Rennen bei RTL. Letzten November gab der 63-Jährige seinen Wechsel zu Sat.1 bekannt. Ab der Saison 2021 ist Danner nun bei den Rennen der Formel E vor Ort und verstärkt als Experte das „ran racing“-Team.

Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter "Der Tag".
Anzeige

Herr Danner, Sie haben von 1998 bis 2020 Formel-1-Rennen für RTL kommentiert, seit diesem Jahr begleiten Sie hingegen für Sat.1 die Rennen der Formel E. Dürfen wir das als Zeichen Ihrer ganz persönlichen Mobilitätswende werten?

Christian Danner: Da geht es mir schon um den Motorsport, beides sind hochattraktive Rennserien. Die Mobilität ist jedoch eine fundamentale Errungenschaft unserer Zeit. Dabei haben wir hier in unserer demokratischen Gesellschaft die Entscheidungsfreiheit, welche Form der Mobilität wir wann und wo nutzen möchten. Diese freie Wahl halte ich für ganz wichtig. Es gibt totalitäre Systeme, wo das nicht so ist. Da müssen die Bürger Zug fahren, weil sie so besser zu überwachen sind. Oder die wirtschaftlichen Bedingungen erlauben gar kein eigenes Fahrzeug. Ich halte es für fundamental wichtig, weiterhin die Wahl zu haben.

Werden wir weiter die Wahl haben, obwohl große Automobil-Konzerne aktuell reihenweise ankündigen, in den nächsten Jahren ihre Produktion komplett auf E-Mobilität umzustellen und vor allem die EU just angekündigt hat, ab 2035 den Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrenner-Motoren untersagen zu wollen?

Da warten wir doch mal ab, ob das wirklich so kommt. Ich prognostiziere, dass wir trotz der positiven Entwicklung in der E-Mobilität noch lange auf den Verbrennermotor angewiesen sein werden, am besten natürlich mit CO₂-neutralem Benzin.

Warum werden wir weiter auf Verbrenner angewiesen sein?

Moderne Dieseltechnologie ist in Sachen Nachhaltigkeit nicht schlechter als die aktuellen Möglichkeiten in der E-Technologie. Ein großer Tesla ist schwerer als ein dicker Verbrenner von Range Rover. Ein Euro-6-Diesel ist außerordentlich umweltfreundlich. Und es ist bekannt, wie viele Ressourcen die für die E-Mobiltät erforderlichen Batterien benötigen. Aber E-Mobilität ist eine Riesenchance – wenn man es nur richtig angeht.

Wie?

Der zentrale Punkt, das Allerwichtigste ist eine noch viel stärkere Fokussierung auf die technische Entwicklung. Das ist Aufgabe der Politik, das muss viel massiver vorangetrieben werden.

Video
Studie belegt: Wandel zur E-Mobilität kostet und schafft viele Jobs
1:08 min
Der Wandel zur Elektromobilität koste 220.000 Jobs – schaffe aber auch 205.000 neue Arbeitsplätze, hieß es.  © dpa
Anzeige

E-Mobilität und Verkehrswende sind ganz zentrale Wahlkampfthemen für die im September anstehende Bundestagswahl.

Grün zu wählen wird nicht helfen, das allein macht die Welt nicht besser und nachhaltiger. Nur der technische Fortschritt hilft, nur der kann die Welt sowohl besser als auch nachhaltiger machen. Mehr Nachhaltigkeit betrifft dabei alle Formen der Mobilität.

Der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat im „Spiegel“-Interview verraten, dass er eben wohl „Grün“ wählen wird, weil er die Mobilitätswende will.

Sebastian hat viele kluge Gedanken zu Mobilität und Nachhaltigkeit. In der Tat kommt dem Motorsport dabei eine ganz zentrale Rolle zu. Entwicklungen in der Formel 1 haben in den vergangenen Jahrzehnten massiv dazu beigetragen, dass auch das Alltagsauto entscheidend viel besser und sicherer geworden ist. Motorsport ist die Spitze der Entwicklung. Der dort herrschende knallharte Wettbewerb um den größtmöglichen Erfolg ist elementar wichtig für technologische Entwicklungen, auch und gerade im Bereich E-Mobilität.

Sehen Sie diese Entwicklungen bei der Formel E?

Ich bin bei nahezu jedem Formel-E-Rennen live vor Ort. Und ich erwarte – ausgehend vom Wettbewerb in dieser Rennserie – in der Tat elementare Fortschritte für die Alltagstauglichkeit des E-Antriebs. Mehr Leistung, weniger Verbrauch – all das soll und wird kommen. Wenn – wie schon erwähnt – wir den ganz starken Fokus, gesellschaftlich und politisch, auf den technologischen Fortschritt legen. Nur der wird den Kampf um Erfolg oder Misserfolg in Sachen Nachhaltigkeit entscheiden.

In welchem Bereich halten Sie die E-Mobilität schon jetzt für die bessere Alternative im Vergleich zum Verbrenner?

Der Aufbau der Infrastruktur für flächendeckende E-Mobilität braucht Milliarden und Abermilliarden Euro. Denken wir dabei nur an eine komplette Abdeckung von Ladestationen im ländlichen Raum. Für urbane Lebensräume, für das Zurücklegen kürzerer Distanzen ist E-Mobilität hervorragend. Da bin ich ein Riesenfan. Das muss gefördert und ausgebaut werden. Unterscheiden muss man auch zwischen Individualverkehr und dem Angebot für nicht individuelle Mobilitätsmodelle. Auch im nicht individuellen Bereich liegen ganz große Chancen für E-Mobilität. E-Busse sind ein Beispiel. Die Post nutzt zum Beispiel E-Fahrzeuge: Autos und E-Bikes. Das ist super und genau richtig so. Wichtig ist aber auch, dass keine Ausgrenzung stattfindet.

Ausgrenzung?

Ja. Verbrenner sind aktuell tendenziell noch günstiger als E-Autos. Das heißt: Viele Bürger können sich E-Mobilität einfach noch nicht leisten. Hier darf keine Ausgrenzung stattfinden. Und deshalb darf man auch die Verbrenner nicht als böse Konkurrenz zur E-Mobilität verteufeln. Es muss einen Mobilitätsmix geben. Und gesellschaftlich ist dafür eine Kultur des harmonischen, toleranten Miteinanders Voraussetzung. Wir kennen doch alle die aggressiven Radfahrer, Fußgänger, Autofahrer – die im Verkehr taktlos ihr vermeintliches Recht einfordern. Auch hier kann und sollte Politik auf ein Umdenken einwirken.

Sie wohnen im bergigen Bayern. Nutzen Sie ein E-Bike?

Nein, bisher noch nicht. Ich fahre gerne und oft Rennrad. Aber die Entwicklung im Bereich E-Bike ist top. E-Bikes holen Menschen an die frische Luft, die sonst im Auto oder der Bahn sitzen würden. Man kann per Rad ins Büro fahren, ohne dort verschwitzt anzukommen. Und man tut Gutes für seine Gesundheit und die Umwelt. Super.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen