Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Zukunft made in USA

Das neue Mercedes EQS SUV – Luxus im Namen der Nachhaltigkeit

Groß, aber dennoch schlank und eher zart in der Anmutung: Der EQS SUV vor der Kulisse von Denver.

Groß, aber dennoch schlank und eher zart in der Anmutung: Der EQS SUV vor der Kulisse von Denver.

Gut 5 Meter und 12 Zentimeter lang ist das neue SUV-Flaggschiff von Mercedes bei 2,8 Tonnen Gesamtgewicht geworden. Das klingt zunächst nach einem teuren und zu gewaltigem Traumauto – und nicht gerade nachhaltig. Doch dieser Terminus ist die Triebfeder der Ingenieure – neben all der gewohnten Perfektion, den die Marke und deren Kunden für sich beanspruchen. Und die großen und edlen Autos sind dabei die Vorboten einer Technik-Evolution. Ob das recycelten Stahl betrifft, der im EQS SUV verbaut wird oder die Energieversorgung der neuen Batteriefabrik in Bibb County (Alabama), die ab 2024 ihren gesamten Strombedarf des Standorts Bibb County aus erneuerbaren Energiequellen decken soll – eine eigene Solarenergie-Infrastruktur eingeschlossen, die noch genehmigt werden muss.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

In Tuscaloosa, wo Mercedes seit 1997 produziert und im Bibb County Alabama, dem historischen Eisenerz- und Kohleabbaugebiet, wird jetzt mit Verve die automobile und industrielle Zukunft betrieben. Schon in drei Jahren, 2025, sollen alle neuen Fahrzeug-Architekturen ausschließlich elektrisch sein. Bis 2030 will man 70 Prozent des gesamten Energiebedarfs in der Produktion durch erneuerbare Energien zur Verfügung stellen. Auch für die Gewinnung der Batterierohstoffe, etwa beim Kobalt, sollen ausschließlich von der OECD auditierte und zertifizierte Minenprojekte verwendet werden. Denn noch ist, bei aller politischen und technischen Begeisterung, die Ausbeutung von Mensch und Naturressourcen bei der Batterieherstellung traurige Realität.

Luftaufnahme der neuen Mercedes-Benz Batteriefabrik in Bibb County, Alabama.

Luftaufnahme der neuen Mercedes-Benz Batteriefabrik in Bibb County, Alabama.

Nachhaltigkeit ist also Trumpf, gerade in der Fabrik in Bibb County. Dort geht das Engagement der Autobauer sogar über die eigene Verantwortung hinaus, indem man in die Wiederaufforstung des Südstaates investiert und somit der geschundenen Industrielandschaft ein wenig Gerechtigkeit widerfahren lässt. Auch das zweite Leben der Batterien hat man bei Mercedes im Visier. So sind für alle elektrischen Fahrzeuge aufbereitete Batterien als Ersatzteil im Angebot. Und wenn das Leben auf der Straße für die Batterien in den EQs zu Ende geht, kommen sie als stationäre Energiespeicher ans Netz. Erst nach dieser Drittnutzung folgt dann irgendwann ein stoffliches Recycling.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Hoffen auf den US-Markt

Mit den vollelektrischen EQS SUV samt Limousine sowie dem kleineren Geschwisterpaar EQE SUV und Limousine setzt Mercedes voll auf die Zukunft – und auf den amerikanischen Markt, der immer noch jenseits von Kalifornien und Neuengland am Verbrenner hängt. Produziert werden die Elektroriesen in einem klassischen Flyover State, wie die umweltbewussten, fortschrittlichen Amerikaner der Ost- und Westküste gern die Staaten nennen, die man am besten gleich überfliegt.

Mit allen Rädern in die Kurve: Die Allradlenkung lässt den großen Wagen gefühlt zum Citycar schrumpfen.

Mit allen Rädern in die Kurve: Die Allradlenkung lässt den großen Wagen gefühlt zum Citycar schrumpfen.

Auch Colorado, der Flächenstaat im Südwesten, wo der EQS SUV zu Testfahrten zur Verfügung stand, hat sich bisher keinen großen Namen in Sachen Elektromobilität gemacht. Dennoch wurden die Testfahrzeuge sowohl in der Rocky-Mountains-Metropole Denver wie auch auf dem platten Land interessiert beäugt. Der EQS SUV ist nämlich – nicht nur für amerikanische Augen – geradezu von zarter Erscheinung – ein Design-Kniff, der den Stuttgartern auch mit der EQS-Limousine gelungen ist. Auch hier spielt die Nachhaltigkeit eine Rolle.

Der EQS SUV erreicht einen cw-Wert von 0,20

Denn um den cw-Wert zu optimieren, setzt man bei der EQ-Familie auf das sogenannte Purpose Design. Früher hieß das „form follows function“. Der Wagen erscheint praktisch kantenfrei, überall kommen fließende Formen zum Einsatz, um den Luftwiderstand zu minimieren. So schafft die Version EQS 450+ mit speziellen 19-Zoll-Felgen von AMG einen Fabel-cw-Wert von 0,20. Die Reichweite wird mit bis zu 671 Kilometern nach WLTP angegeben, das konnten wir so nicht verifizieren, aber selbst für amerikanische Verhältnisse scheint die 108,4 kWh-Batterie über ausreichende Reserven zu verfügen. Wer im glühend heißen Colorado aber der US-Angewohnheit frönt, die Klimaanlage möglichst 25 Grad unter Außentemperatur zu steuern, dürfte bald herausfinden, wie es um die Ladesäulen-Infrastruktur im Wilden Westen bestellt ist.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Makelloses Fahrerlebnis: RND-Tester Daniel Killy unterwegs im neuen Mercedes EQS SUV.

Makelloses Fahrerlebnis: RND-Tester Daniel Killy unterwegs im neuen Mercedes EQS SUV.

Hat er eine gefunden, so dauern 250 Kilometer Reichweite im Schnellladeverfahren gerade einmal 15 Minuten – die klassische Zeit für einen schnellen Hamburger. 400 Volt Ladeleistung bietet die Batterie, die sich per Navi in Sachen Thermo-Management optimal nutzen lässt, wenn man die Ladesäule vorab einplant. Das Fahren im EQS SUV, wir probierten die Versionen 450 4Matic und 580 4Matic, ist ein praktisch perfektes Autoerlebnis. Das gilt sowohl onroad wie offroad, wobei wohl niemand ein derartig edles Auto durch den Schlamm prügeln möchte. Doch wer mag, der kann – unterstützt von Legionen elektronischer Helfer.

Serpentinen werden zu Schienen

Die als Zubehör auf 10 Grad aufzurüstende Hinterradlenkung (Serie sind 4,5 Grad) macht aus dem Flaggschiff eine wendige Jolle. Kurven, auch die reichlich vorhandenen Serpentinen in den Rocky Mountains, werden zu Schienen. Angenehmer Nebeneffekt: Auch auf unserer Maximalhöhe von 3500 Metern gibt‘s keinerlei Leistungsverluste. Ein Verbrenner hätte schon vernehmlich nach Luft geschnappt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Natürlich ist bei einem Radstand von 3,21 Metern auch der Reisegenuss im Fond gewährleistet. Fünf Plätze sind serienmäßig vorgesehen, bis auf sieben ist der EQS SUV erweiterbar und für entsprechend Stauraum (645 bis 2100 Liter, Siebensitzer 565–2020 Liter) ist auch gesorgt.

Egal, in welcher Fahrsituation: Man vergisst die Größe des Fahrzeugs komplett. Was auch an der perfekten Geräuschabschirmung liegt, die einen in völliger Ruhe dahingleiten lässt – sofern man nicht die Hightech-Anlage von Burmester nutzt oder die Motoren-Simulation von Mercedes. Im Sportmodus ist da sogar ein recht gelungenes Blubbern virtueller Achtzylinder zu hören.

Der gewaltige Hyperscreen spannt sich über die gesamte Breite des Cockpits.

Der gewaltige Hyperscreen spannt sich über die gesamte Breite des Cockpits.

Ob das wirklich notwendig ist, sei dahingestellt. Begeisternd ist auch im EQS SUV der gigantische Hyperscreen, der sich über das gesamte Cockpit spannt – auch er ist Zubehör. Auch er perfektioniert das Fahrerlebnis, aber er macht den Wagen eben auch teurer. Allerdings ist es nicht nur bei Mercedes so, dass Entwicklungen, die zunächst für die oberen Fahrzeugklassen verfügbar waren, das Lehrmaterial für die künftige Ausstattung aller Modelle darstellen. Das hat Hyundai etwa mit seiner Luxuslinie Genesis so gehalten, aus der die Bedienerfreundlichkeit nach und nach bis in den kleinsten Hyundai diffundierte.

Der Lerneffekt beim EQS SUV beginnt bei 110.660 Euro. Das Spitzenmodell 580 4Matic mit 400 kW/545 PS schlägt mit 135.290 Euro zu Buche. Ein teures Lernen für den Einzelnen, aber das traumhafte Fahrerlebnis (Hinterradlenkung) wird sich in absehbarer Zeit auch bei kleineren Fahrzeugen aus dem Hause Mercedes finden. Wetten? Bis dahin heißt es für uns andere erst einmal träumen.

Mehr aus E-Mobility

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken