Das Auto, das man nicht kaufen soll: Lynk & Co. kombiniert Abo und Sharing

  • Im Zuge der Elektrifizierung und der zunehmenden Nachhaltigkeit der Automobilität drängen immer mehr Full-Service-Leasing- oder Aboangebote auf den Markt.
  • Verbraucher sollen keine Last mehr haben mit Winterreifen oder Inspektionen.
  • Einen Schritt weiter geht das Unternehmen Lynk & Co.: Der größte Clou des neuen Geschäftsmodells ist die Wahl zwischen zeitlich begrenzter Nutzung und Eigentum – sowie ein Sharing­system.
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Statt das Prinzip Abo fürs Auto zu verfolgen, setzt man bei Lynk & Co. auf Auto fürs Abo. Das ebenso schlichte wie clevere Modell dahinter erinnert in Zeiten überbordender Vielfalt bei Zubehör und Ausstattungslisten zunächst ein wenig an die gestrige patriarchalische Erziehungs­methode des „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt“. Das ist im Fall des Lynk 01 sozusagen nur der Hauptgang.

Ein kompaktes SUV in Vollausstattung, das über einen digitalen Code via entsprechender App dem Kunden oder der Kundin zur Verfügung gestellt wird. Die einzigen Optionen, die man als Lynk-Kunde und ‑Kundin bei der Auswahl seines „Smartphones auf Rädern“, wie das Unternehmen seinen Wagen nennt, hat, sind jene zwischen einer blauen und einer schwarzen Lackierung – und zwischen den Antriebsarten Plug-in-Hybrid oder Vollhybrid.

„Mitgliedschaft“: Leasing inklusive hippem Club in Berlin-Mitte

Alles andere ist in der Mitgliedschaft enthalten, die man ab einem Monat eingehen kann. Wer sich länger binden möchte, ohne zu kaufen, hat auch die Möglichkeit, eine langfristige Mitgliedschaft über 36 und 48 Monate einzugehen – eine hübsche Wortschöpfung für ein klassisches Leasingangebot mit selbst gewählten Kilometerjahres­leistungen. Wer kaufen möchte, kann dies ab 35 .000 Euro tun und genießt dieselben Privilegien wie Mieter. Die Mitgliedschaft beinhaltet die Abholung des Wagens zu planmäßigen Inspektionen und Werkstatt­terminen, Over-the-Air-Updates, Reifenwechsel, Pannenhilfe per Knopfdruck und vieles mehr.

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Zusätzlich soll künftig mit einem Netz von eigenen Standorten, den Hello Lynk & Co. Clubs, die Community gefördert werden. Zum Auto im Abo gibt’s sozusagen die Kneipe noch dazu – inklusive Einladungen zu spezifischen Lynk-Events. Auch diese Clubs, die ersten beiden wurden bereits in Göteborg und Amsterdam eröffnet, sollen der Nachhaltigkeit dienen. Für den Spätsommer 2021 ist die Eröffnung des ersten deutschen Clubs geplant – ganz hip in der Münzstraße 21–23 in Berlin-Mitte.

Auch Carsharing ist drin bei Lynk

Der größte Clou des neuen Geschäfts­modells ist die Wahl zwischen zeitlich begrenzter Nutzung und Eigentum – sowie ein Sharing­system nach dem Motto „Mehr teilen, weniger bezahlen“: Wer sein Auto mit anderen Mitgliedern teilt, kann die Gebühren selbst bestimmen und so seine Kosten reduzieren. Dass die Standzeiten eines Privat­fahrzeugs, das den Großteil seines Lebenszyklus (96 Prozent) ungenutzt auf dem Parkplatz oder in der Garage verbringt, so verringert werden, erhöht die Nachhaltigkeit des Konzepts gewaltig.

500 Euro im Monat kostet die Mitgliedschaft bei Lynk. Ende April wurden die ersten Fahrzeuge innerhalb Deutschlands an Kunden ausgeliefert. Die 500 Euro enthalten 1250 Kilometer im Monat, Mehrkilometer werden, wie beim Carsharing, spitz berechnet: mit 15 Cent pro Kilometer. Ungenutzte Kilometer verfallen nicht, sondern werden auf den Folgemonat übertragen. Auch die Versicherung ist im Abopreis enthalten.

Und wer kein eigenes Auto, sondern nur ab und zu einen Leihwagen benötigt, erhält eine kostenlose Mitgliedschaft mit Zugang zu allen weiteren Vorteilen der Lynk-&-Co.-Community und zahlt nur für die tatsächlich angefallenen Fahrten.

Neues aus der Ideenwerkstatt von Geely und Volvo

Entwickelt wurde der Lynk 01 im schwedischen Göteborg. Nicht nur der Stadtname, auch etliche Features und Produktionsteile am 01 erinnern sehr an Volvo – nicht zufällig. Manche Tools wie die Notruf- und Servicefunktion „Volvo on Call“ wurden adaptiert. Die Plattform ist die des Volvo XC 40. Denn Lynk ist ein Kind von Volvos Mutterkonzern Geely. Ein unkonventionelles, wenn nicht gar ungehorsames, wie Lynk-Boss Alain Visser, ein erfahrener Automanager auf Europas Automarkt, gern betont.

Eine absolute Europa­neuheit haben hiesige „Zero One“-Kunden aber den Chinesen zu verdanken. Als Hommage an deren mobile Versessenheit gibt es beim Lynk 01 ein ganz besonderes Feature: eine eingebaute Selfiekamera.

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