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Dauertest

Hightechspaß mit kleinen Hindernissen: 3100 Kilometer im BMW iX xDrive 50 unterwegs

Bin Laden – diese drei Silben könnten eine ganz neue Bedeutung erfahren. Jedenfalls sind Schnelllademöglichkeiten nicht nur für den BMW iX xDrive 50 mit das wichtigste Tool für eine erfolgreiche Verkehrswende.

Bin Laden – diese drei Silben könnten eine ganz neue Bedeutung erfahren. Jedenfalls sind Schnelllademöglichkeiten nicht nur für den BMW iX xDrive 50 mit das wichtigste Tool für eine erfolgreiche Verkehrswende.

Da steht er nun, schneeweiß und majestätisch, eine Art Monolith, über dessen äußeres Erscheinungsbild ja schon viel geschrieben wurde. An der von manchen als disproportional groß empfundenen Niere wurde schon hinreichend herumgemäkelt – uns hat sie Tag für Tag besser gefallen, sie fügt sich als Designmerkmal in die ansonsten so störungsfreie Front mit ihren schmalen Scheinwerfern ein. Ist die Karosserie trotz der Fahrzeuggröße noch eher dezent, ist die BMW-Niere der diskrete Hinweis darauf, sich mit diesem Wagen besser nicht anzulegen.

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Gelassenheit und Genuss

Wie schon beim ersten Fahreindruck im sportlichen Geschwisterfahrzeug iX M60 umfangen einen augenblicklich Gelassenheit und Genuss, hat man auf dem Fahrersessel Platz genommen, der auch als Fauteuil im Salon durchgehen würde – wenn auch die beste Beifahrerin von allen in Bezug auf ihr geschundenes Kreuz sogleich bemängelt, dass die Massagefunktionen des Sitzes ausbaufähig seien. Eher störend allerdings wird von beiden empfunden, dass die vielfältigen Sitzkomfortfunktionen wie etwa Kühlung im Zentraldisplay eingestellt werden müssen, was während der Fahrt als durchaus lästige Fummelei der Beifahrerin vom Fahrer wahrgenommen wird.

Subjektives Störungsempfinden durch die Sitzkomforteinstellungen der Beifahrerin – es ist schon Mäkeln auf hohem Niveau, will man Disfunktionalitäten des BMW iX xDrive 50 beschreiben. Deshalb noch einmal die Kritik der Beifahrerin: zu wenig Ablageflächen beziehungsweise Stauraum für eine Handtasche, und der Getränkehalter sei viel zu tief angebracht.

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Zu groß, zu wuchtig? Die Niere des BMW iX xDrive 50 (hier in Berlin) ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. Wir fanden, dass sie bestens in das Design des Wagens passt.

Zu groß, zu wuchtig? Die Niere des BMW iX xDrive 50 (hier in Berlin) ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. Wir fanden, dass sie bestens in das Design des Wagens passt.

Jenseits solch logistischer Petitessen ist das Fahren mit dem BMW iX xDrive 50 Genuss pur. Wer Souveränität und Leistung nicht mit Endgeschwindigkeit verwechselt – der iX 50 ist auf 200 km/h abgeriegelt –, ist in jeder Fahrsituation von der Leistungsfülle der 765 Nm bei 385 kW/523 PS restlos begeistert. Das Zahlenwerk bedeutet nämlich nichts weiter, als dass dieses Auto für jede nur erdenkliche Fahrsituation Leistungsreserven im Überfluss hat.

Lehrstunde Autobahnrasern gegenüber

Sei es das Überholen von Lkw-Kolonnen auf sächsischen Umleitungsstrecken auf der Fahrt nach Wien, sei es die kleine pädagogische Lehrstunde Autobahnrasern gegenüber, die mit ihren getunten Kühlergrills gern mal im Heck des iX 50 auftauchen, der entspannt mit Tempomat seine Bahn zieht – einmal aufs Gaspedal gedrückt, schrumpfen auch 911er im Rückspiegel in Rekordzeit zu Miniaturen. Wählt man dann noch den Sportmodus, sollte man Mitfahrenden vorher Bescheid sagen. Die Beschleunigungswerte werfen einen nämlich dermaßen rabiat in die Sitze, dass es nicht jedermanns Sache ist.

Die Magie der unmittelbaren Energiefreisetzung bei Elektrofahrzeugen begeistert immer wieder – und führt, sofern man nicht permanent an der Ladesäule hängen möchte – auch zu einem besonneneren und souveränerem Fahrverhalten. Denn natürlich entlädt sich auch die riesige 111,5 kWh-Batterie – und sie hat das in unserem Fall, bei einem Mix von rund 2500 Kilometern Autobahn und 600 Kilometern Stadt/Landstraße mit einer Reichweite von etwa 440 Kilometern getan.

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Das ist zwar wesentlich weniger als die werkseitig angegebene Reichweite von 549 bis 630 Kilometern und liegt auch mit einem Durchschnittsverbrauch von 26,3 kWh auf 100 Kilometer empfindlich höher als die BMW-Zahlen von 21,4 bis 19,8 kWh. Teilt man wiederum die Gesamtzahl der gefahrenen Kilometer durch Gesamtverbrauch von 200,4 kWh, kommt man auf einen Verbrauch von 15,47 kWh. Das ist die rätselhafte Arithmetik der E-Mobilität.

Gelöst wird das Rätsel durch eine Nachfrage bei BMW: Die 200,4 kW/h im Display sind nicht zum dividieren gedacht. Sie zeigen die Menge der durch Rekuperation zurück gewonnenen Energie an. Ohne Rekuperation wäre der Verbrauch also noch höher als 26,3 kWh auf 100 Kilometer gewesen.

Das Fahrzeugfazit von gut zwei Wochen Test.

Das Fahrzeugfazit von gut zwei Wochen Test.

Die Achillesferse Laden ist grundsätzlich mit dem BMW iX xDrive 50 i behoben. Zuverlässig berechnet er auf Autobahnen und Langstrecke die entsprechenden Ladestopps an Schnellladesäulen. Die angegebenen Zeitfenster fürs Highspeedaufladen mit 195 kW wurden auf die Sekunde eingehalten. Nicht ganz so schön war es im innerstädtischen Bereich. Vor Antritt der Langstrecke zurück von Wien nach Hamburg schickte uns das System auf ein Werksgelände an einer Ausfallstraße, das erstens sowieso nur mit personalisierter Zutrittsberechtigung zu befahren war und zweitens an einem Sonntag dicht hatte. Da musste dann eine weniger performante Ladestation an einem McDonald’s in unmittelbarer Nähe für ein paar Dutzend Kilometer Reichweite aushelfen und ein neuer Zwischenstopp berechnet werden. Derlei Softwareprobleme sind bei einem Fahrzeug, das 129.000 Euro kostet, ein Ärgernis.

Kommunikationsfreudige Avatarin plappert munter und ziellos dazwischen

Womit wir zu den Hindernissen kommen, die uns die BMW-Software diesmal in den Weg gelegt hat. Das betrifft einmal die virtuelle Assistentin. Wer wie wir den Fehler macht, der freundlichen Stimme ein eigenes Erkennungswort zuzuweisen – in unserem Fall ein nett-unverbindliches Hej – wird fürderhin in den absurdesten Situationen vollgetextet. Die kommunikationsfreudige Avatarin plappert munter und ziellos dazwischen. Was anfangs noch für Heiterkeit sorgt, entwickelt sich auf längerer Strecke zu einem wirklich nervenden Detail. Da hilft nur Abschalten.

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Relevanter waren die Probleme mit der Navigation, die übrigens allesamt nach einem OTA-Update auftraten. Entdeckt das System eine Fahrbahnverengung, so zeigt es die für eine Dauer von mehreren Dutzend Kilometern an, auch wenn sie längst passiert ist. Was aber richtig gefährlich werden kann, wenn man den Umkehrschluss aus unseren Erlebnissen zieht, ist folgendes Phänomen: Schon in Wien hatte sich die Navigation teils selbstständig gemacht, was zu absurden Zirkeleien rund ums jeweilige Ziel führte. Kurz vor Abschluss der Tour, etwa 30 Kilometer vor dem Hamburger Autobahnkreuz Südwest, wollte das Navi uns am Montagmorgen um 0.30 Uhr über die Elbbrücken durch die Innenstadt nach Hause führen.

Wenn das Navi Straßen für unpassierbar erklärt

Ein Gegencheck im Verkehrsfunk und auf der Apple-Karten-App ergab keinen Hinweis darauf, dass der BMW im Recht sein könnte. Wir bogen also Richtung Elbtunnel ab, was 20 Kilometer lang mit permanenten Wendeaufforderungen quittiert wurde und ein paar Hundert Meter vor der Tunneleinfahrt in der unten ersichtlichen Falschbehauptung gipfelte, die Straße sei unpassierbar. Wir kamen gut und vor allem schneller zu Hause an, als es das allwissende Auto für uns vorgesehen hatte.

Allerdings flößt der Umkehrschluss doch etwas Unbehagen ein. Was, wenn der BMW iX xDrive 50 plötzlich beschließen sollte, uns auf eine wirklich unpassierbare Straße zu schicken? Aber zum Glück gibt es ja OTA, die Option, „over the air“ neue Daten und Softwaresätze zum Wagen zu schicken. Das wäre in diesem Fall wirklich angeraten.

Unerklärlicher Fehler: Der iX 50 wollte partout eine Heimfahrt durch den Elbtunnel verhindern, behauptete, die A7 sei als Straße unpassierbar.

Unerklärlicher Fehler: Der iX 50 wollte partout eine Heimfahrt durch den Elbtunnel verhindern, behauptete, die A7 sei als Straße unpassierbar.

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Denn ansonsten ist es wirklich Genuss pur, den iX 50 zu fahren. Laufruhe, Stille und Fahrkultur sorgen für wirklich entspannende Momente, nächtliches Laden lässt sich bestens in klimatisierter Umgebung mit einem Nickerchen überstehen und die bequemen Sessel machen überall im Fahrzeug Spaß, sofern man nicht zu sportlich unterwegs ist, denn dafür fehlt ein wenig Seitenhalt. Ansonsten ist der große BMW ein wirklich alltagskompatibles Fahrzeug – besonders, wenn man bedenkt, dass an den meisten Supermärkten mittlerweile Lademöglichkeiten bestehen und es so zu keinen Parkproblemen kommt. Ladeprobleme für den Wocheneinkauf hat das E-SUV nämlich auch keinerlei.

Fazit: Luxus und Leidenschaft pur, verbunden mit Understatement und Alltagstauglichkeit, der BMW iX xDrive 50 ist wirklich eine ganz eigene Art von Auto – und mit dem nächsten Update hoffentlich auch wieder so fehlerfrei, wie man es bei einem Fahrzeug seiner Kategorie auch voraussetzen darf.

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