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Depressionen und Belastungsstörung: Ehemalige Content-Moderatorin klagt gegen Youtube

  • Es sind Bilder, die sie nachts nicht mehr schlafen lassen: Videos von Missbrauch, Enthauptungen und anderen Grausamkeiten.
  • Eine Content-Moderatorin, die für die Plattform Youtube tätig war, verklagt ihren ehemaligen Arbeitgeber.
  • Youtube hat unterdessen angekündigt, das Moderationsteam weiter auszubauen.
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Eine ehemalige Mitarbeiterin, die fast zwei Jahre lang als Content-Moderatorin für die Sichtung von Videos zuständig war, zieht gegen Youtube vor Gericht. Die Arbeit habe bei ihr Depressionen und eine posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst, berichtet “CNET” unter Berufung auf die Klageschrift.

“Sie hat Schlafstörungen, und wenn sie schläft, hat sie schreckliche Albträume. Sie liegt oft nachts wach und versucht einzuschlafen, währenddessen spielen sich in ihrem Kopf die Videos ab, die sie gesehen hat”, heißt es in dem Schreiben, das am Montag bei einem kalifornischen Gericht eingereicht wurde. Zudem habe die einstige Moderatorin Angst vor überfüllten Orten und leide an Panikattacken. Die Anwesenheit von Kindern könne sie nur noch schwer ertragen. Außerdem habe sie zahlreiche Freunde verloren. Von Youtube fordert die Frau daher eine Entschädigung und mehr Unterstützung für Mitarbeiter, die in dem sensiblen Bereich arbeiten.

Täglich hätten die Moderatoren mehr als vier Stunden damit verbracht, bedenkliche Videos zu überprüfen. Die Abteilung sei zudem chronisch unterbesetzt. Während ihrer Arbeitszeit habe die Frau Tausende von verstörenden Inhalten gesichtet. In der Klageschrift wurden auch einige explizite Beispiele genannt. Der Anblick der Videos habe bei ihr eine posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst. Die Kosten für eine anschließende Therapie habe die ehemalige Moderatorin selbst übernommen.

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Wellness-Coaches mit fragwürdigen Tipps

In der Sammelklage, der sich weitere Betroffene anschließen können, wird Youtube vorgeworfen, Content-Moderatoren nicht ausreichend über die möglichen Folgen der Arbeit zu informieren. Details über die genauen Aufgaben sowie die möglichen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit wurden demnach nicht kommuniziert. Es gebe zwar sogenannte „Wellness-Coaches“, die den Moderatoren beratend zur Seite stehen, diese hätten jedoch keine medizinische Expertise und stünden nachts nicht zur Verfügung. Stattdessen sollen diese Coaches der Klägerin empfohlen haben, illegale Drogen zu konsumieren oder „in Gott zu vertrauen“. Auch die Personalabteilung habe den Moderatoren keine Hilfe zur Verfügung gestellt, zudem habe sie strikte Geheimhaltungsvereinbarungen unterzeichnen müssen. Youtube hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Youtube will Moderationsteam ausbauen

Während der Pandemie hat Youtube wie andere Plattformen bei der Moderation zunehmend auf künstliche Intelligenz und Algorithmen gesetzt, um rechtswidrige Inhalte zu entfernen. Der Einsatz von KI-Moderation habe jedoch vermehrt zu falschen Löschungen geführt, teilte Youtube gegenüber der “Financial Times” mit. Zwischen April und Juni seien rund elf Millionen Videos entfernt worden – etwa doppelt so viel wie üblich. Das Team der Content-Moderatoren, die die Inhalte händisch überprüfen, solle nun wieder aufgestockt werden, berichtet “The Verge”.

2018 hatten mehrere Content-Moderatoren ähnliche Anschuldigungen gegen Facebook erhoben. In der damaligen Klage wurde der Social-Media-Plattform ebenfalls vorgeworfen, dass einige Mitarbeiter durch die Arbeit psychische Leiden entwickelt hätten. Facebook stimmte damals einem Vergleich zu und zahlte 52 Millionen Dollar an die Betroffenen. Zudem versprach das Unternehmen, die gesundheitliche Unterstützung für Moderatoren auszubauen.

RND/mkr



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