XCheck: Können Prominente Facebooks Regeln umgehen?

  • Laut dem Bericht einer US-Zeitung gelten für Promis Sonderregeln auf Facebook.
  • Das Programm XCheck ermöglicht den Accounts, die Nutzungsbedingungen im Prinzip zu umgehen.
  • Laut Facebook handelt es sich dabei um ein bekanntes Programm – das verbessert werden müsse.
Alice Mecke
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Hannover. Für Facebook-Nutzer und -Nutzerinnen gibt es Regeln und Nutzungsbedingungen. Doch scheinbar werden nicht alle User gleich behandelt – wer den Status „bekannte Persönlichkeit“ hat, für den gelten andere Regeln, berichtet eine US-Zeitung. Sie fallen – auch ohne ihr Wissen – in ein Programm namens XCheck. Das berichtet das „Wall Street Journal“. Ausgewählte Prominente, Politikerinnen und Politiker sowie Journalistinnen und Journalisten könnten demnach auf Facebook Inhalte teilen, ohne dass das US-Unternehmen seine üblichen Moderations- und Nutzungsbedingungsprozesse anwendet.

Das heißt: Posten Promis Inhalte, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen, bleiben diese laut dem Bericht so lange online sichtbar, bis besser geschulte Facebook-Angestellte beziehungsweise Moderatorinnen und Moderatoren die Beiträge überprüft haben. Das Verfahren ist als eine zusätzliche Qualitätskontrolle gedacht, damit Konten beispielsweise nicht übereilt gesperrt werden. Doch das Programm soll im Jahr 2020 5,8 Millionen Menschen geschützt haben. Nur 10 Prozent der Beiträge seien tatsächlich überprüft worden, so das „WSJ“. Der Vorwurf: Effektiv gelten die Facebook-Nutzungsbedingungen für XCheck zugeordnete Profile daher nicht.

Das „Wall Street Journal“ nennt als Beispiel für einen solchen Fall einen Beitrag des Profifußballers Neymar. 2019 habe Neymar Nacktfotos einer Frau auf Facebook geteilt, die ihm ihre Vergewaltigung vorgeworfen habe. XCheck soll für mehr als einen Tag verhindert haben, dass der Inhalt offline genommen wurde, zudem durfte Neymar seinen Account behalten. Bevor Facebook die Nacktfotos gelöscht habe, wurde der Inhalt mehr als 50 Millionen Mal gesehen, so die Zeitung. Normalerweise werden solche Inhalte sofort gelöscht.

Facebook will Programm verbessern

Auf Twitter äußerten sich bekannte Facebook-Angestellte zu dem Bericht. Facebooks „Integritätschef“, Guy Rosen, schrieb, dass die Moderation von Inhalten „unvollkommen“ sei. Eine „zusätzliche Kontrolle für heikle Situationen, damit wir keine Fehler machen, ist logisch und nicht gleichbedeutend mit einer Befreiung von Regeln“, so Rosen.

Auch Facebook-Manager Andy Stone, der für die PR zuständig ist, bestreitet, dass XCheck ein „Geheimnis“ sei, und verweist auf einen Blog-Post aus dem Jahr 2018. Darin erklärte Facebook, dass es ein „Gegenüberprüfungssystem“ verwende, um eine „zweite Überprüfungsebene“ für hochkarätige Konten anzubieten. „Letztendlich steht im Mittelpunkt dieser Geschichte Facebooks eigene Analyse selbst, dass wir das Programm verbessern müssen“, so Stone.

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