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Wieso sind Onlinecasinos bislang nur in Schleswig-Holstein erlaubt?

  • Die Zeiten, in denen Spielautomaten hauptsächlich in verrauchten Kneipen betrieben wurden, gehören längst der Vergangenheit an.
  • Heutzutage liegen Glücksspiele im Internet im Trend.
  • Bislang waren Onlinecasinos allerdings nur in Schleswig-Holstein erlaubt. Das soll sich jetzt ändern.
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Hannover. Theoretisch sind Onlinecasinos in Deutschland verboten. Eine Regelung, die wegen der Suchtgefahr im Glücksspielstaatsvertrag verankert ist. Tatsächlich spielen aber viele Bürger täglich um Geld.

Schuld daran sind zum einen Plattformen von Anbietern im Ausland. Denn Netzsperren, die einen Besuch der jeweiligen Website verhindern würden, gelten als politisch nicht durchsetzbar. Dadurch reglementieren auch EU-Staaten mit starker Wett- und Spieltradition solche Angebote wenig oder überhaupt nicht.

Onlinecasinos: Schleswig-Holstein ging bisher einen Sonderweg

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Deutsche Anbieter wie Wunderino, Drückglück oder Hyperino schalten bundesweit Werbung im Fernsehen und locken mit Einstiegsguthaben. Allerdings sind die Werbungen mit dem Hinweis versehen, das Angebot richte sich nur an Spieler in Schleswig-Holstein. Der Grund: Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland, das bereits seit 2011 einen Sonderweg geht. Hier besitzen zwölf Anbieter die Genehmigung, Onlinecasinospiele anzubieten. Das betrifft:

  • Cashpoint Malta Ltd. (Merkur-Spielcasino)
  • Electraworks Ltd. (Bwin)
  • Greentube Malta Ltd. (Stargames)
  • Löwen Play GmbH (Löwen Casino)
  • Megapixel Entertainment Ltd. (Wunderino, Hyperino, Vera & John)
  • OnlineCasino Deutschland AG (OnlineCasino Deutschland, Rizk Casino, Slotilda)
  • PlayCherry Ltd. (Sunmaker)
  • Reel Germany Ltd. (PokerStars)
  • Skill on Net Ltd. (DrückGlück)
  • World of Sportsbetting Ltd. (LeoVegas)
  • Tipico Company Ltd. (Tipico)
  • 888 Germany Ltd. (888)

Obwohl sich diese Handhabe schon seit inzwischen neun Jahren durchgesetzt hat, ist es noch immer nicht sicher, ob Schleswig-Holstein nicht doch gegen geltendes Recht verstößt. Auch wenn die Regularien eigentlich Ländersache sind, hat auch Schleswig-Holstein den Glücksspielvertrag unterzeichnet.

Folge der Sonderregelung: Illegale Glücksspiele im Internet

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Die Sonderregelung sorgt seit langer Zeit für Diskussionen. Das liegt mitunter an den 20.000 Schleswig-Holsteinern, die der Landesstelle für Suchtanfragen zufolge spielsüchtig sind. Zudem werden interessierte Neukunden aus anderen Bundesländern nach Recherchen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) nicht von den Onlinecasinos abgewiesen, sondern weitergeleitet – und zwar auf eine Website, die nahezu identisch aussieht und dieselbe Kontaktadresse verwendet, aber einen Sitz im Ausland hat. Der für Kunden unmerkbare Unterschied: Diese Internetseite besitzt keine Lizenz. Daher können sich Interessierte ortsunabhängig, auch außerhalb von Schleswig-Holstein, anmelden.

Glücksspiel im Internet birgt hohes Suchtpotenzial

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Grundsätzlich kann jede Art von Glücksspiel zur Sucht werden. Dennoch gehen von verschiedenen Glücksspielarten auch unterschiedliche Gefährdungspotenziale aus, wie die Kampagne „Automatisch verloren“ erklärt. Als Bewertungsfaktoren hierfür gelten demnach eine schnelle Abfolge von Spielen, ein kurzes Auszahlungsintervall, die aktive Rolle von Spielenden, hohe mögliche Gewinne, die Art des Spieleinsatzes, sogenannte Fast-Gewinne und die Verfügbarkeit des Glücksspiels. Eigenschaften, die Onlinecasinos allesamt mitbringen.

Als besonders problematisch gilt die niedrige Hemmschwelle, zu spielen. Es gibt keine Etiketten oder Öffnungszeiten, die beachtet werden müssen. Alles, was Spielende tun müssen, ist, sich via Computer oder Smartphone anzumelden. Dadurch könnte die Zeit schnell vergessen werden, erklärt auch das Portal CasinoSpielen.de. Zudem verschleierten Onlinecasinos, dass es um echtes Geld geht.

Onlinecasinos und Apps auf dem Smartphone

Hinzu kommt eine rechtliche Grauzone, die für weitere Probleme sorgt: Einige Apps haben zwar einen erkennbaren Glücksspielcharakter. Allerdings wird nicht um Geldgewinne, sondern um virtuelle Währung gespielt. Eine entsprechende Reform des Glücksspielvertrags würde sich jedoch auf die boomende Computerspielbranche auswirken, die die Bundesregierung eigentlich fördern will.

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Onlineglücksspiele: Eine Änderung ist in Sicht

Weil der Schwarzmarkt in Sachen Glücksspiel boomt, verlieren staatliche Lotterien Erträge. Dadurch fehlen dem Staat Steuereinnahmen. Die Bundesländer haben sich deshalb nach langen Verhandlungen auf eine weitgehende Reform des deutschen Glücksspielmarktes geeinigt, die für Sportwetten, Onlinecasinospiele, Onlinepoker und virtuelle Automatenspiele gelten soll. Sie sieht vor, die bisher illegalen Glücksspiele im Internet künftig zu erlauben – allerdings unter strenger Reglementierung. So sollen zum Beispiel ein monatliches Einzahlungslimit von 1000 Euro und eine Sperrdatei, die Süchtige schützen soll, eingeführt werden. Außerdem ist eine neue zentrale Glücksspielbehörde der Länder vorgesehen. Der neue Staatsvertrag soll am 1. Juli 2021 in Kraft treten, erst müssen jedoch noch die Länder zustimmen.

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