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Welt-Emoji-Tag: Wie die populären Bildschriftzeichen uns emotionalisieren

  • Am 17. Juli ist Welt-Emoji-Tag.
  • Milliarden Nutzerinnen und Nutzer von Messengern verwenden die kleinen Bildchen.
  • Was harmlos wirkt, ist in Wirklichkeit eine ernste und politische Angelegenheit geworden.
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Berlin. Küsschenmund, Teufelchen, Kackhaufen, Katzengesicht: In Chats und sozialen Medien wimmelt es von Emojis. Die kleinen Bildzeichen und Symbole sind im Internet- und Smartphone-Zeitalter zur Weltsprache geworden. Am Samstag (17. Juli) ist nun wieder Welt-Emoji-Tag.

Der „World Emoji Day“ geht auf den in London lebenden Australier Jeremy Burges zurück. Der 17. Juli wurde erkoren, weil das Kalender-Emoji diesen Tag beispielhaft auf mobilen Endgeräten zeigt.

Bildchen sind in allen Altersgruppen beliebt

In Deutschland garniert ein Großteil der Menschen (79 Prozent) Grüße und Nachrichten mit Emojis, wie eine ganz neue repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergab.

Die Symbole sind demnach über alle Altersgruppen hinweg beliebt: 88 Prozent der 16- bis 29-Jährigen, 87 Prozent der 30- bis 49-Jährigen sowie 80 Prozent der 50- bis 64-Jährigen nutzen Emojis – und immerhin noch 59 Prozent der Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren.

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Emojis werden gezielt emotionalisierend eingesetzt

Eine neue Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) zeigte jüngst, dass sich Jugendliche sehr wohl bewusst sind, was in welchen Situationen angemessen ist und dass unzählige Emojis oft überflüssig seien und vor allem als Hilfe dafür eingesetzt werden, wie eine Nachricht zu verstehen sei. „Es zeigt sich, dass Jugendliche oft sehr wohl über Rechtschreibkompetenz verfügen, in der digitalen Kommunikation aber andere Normen gelten, die ein persönlicheres, adressatengerechtes Kommunizieren ermöglichen“, sagte der Linguist Florian Busch, der die Studie durchführte.

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Doch so unterhaltsam die Zeichen von Aubergine bis Zebra oft sind und so sehr sie zur Verständigung oder auch nur Verstärkung des Geschriebenen beitragen, so missverständlich oder gar bösartig können sie auch zum Einsatz kommen. Man denke etwa an rassistische Kommentare mit Affengesichtern oder absichtlich lächerlich machende Smileys und „Hahahas“ bei ernsten Themen.

Und auch bei der gewöhnlichen Verwendung haben die Emojis Spaltungspotenzial: Der Umfrage zufolge antworten 50 Prozent der Leute häufig nur mit Emojis auf Nachrichten - die andere Hälfte nervt es aber nach eigenem Bekunden, wenn andere nur mit Emojis antworten.

Das Wort „Emoji“ steht erst seit wenigen Jahren im Duden

Auch wenn „Emoji“ wie „Emoticon“ (Bezeichnung für die Kombinationen von Buchstaben, Satz- und Sonderzeichen, die Gesichter ergeben) die Vorsilbe „Emo“ enthält, hat das aus dem Japanischen stammende Wort mit „Emotion“ und Gefühl erstmal nichts zu tun. Es heißt übersetzt einfach nur „Bildschriftzeichen“. Es kommt von den japanischen Schriftzeichen für „e“ (Bild), „mon“ (Ausdruck) und „ji“ (Buchstabe).

Im Duden steht das Wort „Emoji“ erst seit 2017, seit der vorletzten Auflage des gelben Rechtschreibwörterbuchs - und zwar mit der Bedeutung: „aus Japan stammendes, einem Emoticon ähnliches Piktogramm, das auf Gefühlslagen, Gegenstände, Orte, Tiere, Essen oder Ähnliches verweist (in elektronischen Nachrichten)“.

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Die Grundlage der globalen Zeichen geht auf den Grafikdesigner Shigetaka Kurita zurück, der Ende der 90er Jahre für einen japanischen Mobilfunkanbieter 176 Piktogramme entwarf.

Der weltweite Siegeszug der Emojis begann 2010, als das Unicode-Konsortium (eine Arbeitsgemeinschaft, die sich um die einheitliche digitale Darstellung von Schriftsystemen kümmert) die Piktogramme verschiedener Anbieter in einen Standard integrierte.

Seitdem kann jeder sicher sein, dass beim Gegenüber auch tatsächlich das Clownsgesicht oder der Daumen hoch ankommt. Der aktuelle Emoji-Katalog umfasst fast 3000 Symbole.

Bildsprache als Kulturkampf?

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Kritiker werfen ein, der Einsatz von Emojis lasse die menschliche Fähigkeit verkümmern, Emotionen angemessen zu beschreiben. Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch meint, hinter den bunten Bildchen lauere ein Kulturkampf. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schrieb er, aus den anfangs angeblich neutralen Zeichen sei ein Kampf um „Identität und Sichtbarkeit“ geworden. Man denke an die Einführung von mehr weiblichen Emojis, an die größere Auswahl von Hautfarben oder das Kopftuch-Emoji „Frau mit Hijab“.

Politisch und perfide ist in den letzten Jahren ausgerechnet das fröhliche Lach-Smiley geworden („grinning face with smiling eyes“) oder auch das Tränen lachende Smiley („face with tears of joy“).

Bei Facebook zum Beispiel kommentieren trollige Profile oft Beiträge über ernste Themen mit Hahaha-Gesichtern. Damit sollen dann etwa tote Flüchtlinge im Mittelmeer, Klimawandelfolgen, Anti-Corona-Maßnahmen oder bestimmte Personen abgewertet und ins Lächerliche gezogen werden. Bei Leuten, denen diese Themen oder Menschen ernste Anliegen sind, entsteht durch den Spott eine unangenehme Stimmung und ein Gefühl der Ohnmacht. Ein bislang unaufgelöster Widerspruch des Web-Zeitalters: Symbole für gute Laune erzeugen schlechte Laune.

RND/dpa

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