watchOS 7 – die Apple Watch tickt jetzt anders

  • Erstmals stellt Apple ein neues Betriebssystem der Apple Watch als öffentliche Betasoftware zur Verfügung.
  • Seit einigen Tagen steht das neue watchOS 7 all jenen zur Verfügung, die sich bei Apple als Betatester registriert haben.
  • Wir haben das System schon in der Entwickler-Variante einem Praxistest unterzogen.
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Bis zum Herbst wird es noch dauern, bis die offizielle Version des neuen Betriebssystems für die AppleWatch bereitsteht. Wer die gründlich überarbeitete Software schon vorab testen möchte, der kann sich ganz einfach beim Apple Beta Software-Programm anmelden. Aber Vorsicht: All dies geschieht auf eigene Gefahr – man sollte vor der Installation einer Beta-Software auf jeden Fall seine Daten sichern.

Nach und nach hat Apple durch die System-Upgrades und auch durch die Hardware-Anpassungen aus einem eleganten digitalen Assistenten fürs Handgelenk einen omnipräsenten Wächter über Gesundheit und Lifestyle gemacht. watchOS 7 ist der bisherige Höhepunkt einer Entwicklung, die sicherlich auch kontrovers ist. Denn der bisweilen impertinente Alltagsbegleiter am Arm hat das Leben seines analogen Anhängsels komplett im Griff – sofern man das zulässt.

Die Neuerungen von watchOS 7 auf einen Blick. © Quelle: Apple Inc.
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Update für den eigenen Tagesablauf

Ein Leben mit watchOS 7 ist auch ein großes Update für den eigenen Tagesablauf. Wie ein penetranter Sportlehrer alter Schule erinnert die Apple Watch daran, dass das Stehziel noch nicht erreicht, einmal entspannt Durchatmen nun wirklich angesagt wäre, die paar jämmerlichen Kalorien, die man sich täglich zu verbrennen eingelassen hat, noch nicht abgearbeitet seien – oder, wirklich wahr, dass man nun allmählich zur Ruhe kommen und den digitalen Kram sein lassen solle, es sei bald Schlafenszeit.

Mit der freundlichen Erinnerung, jetzt mal runterzukommen (Wind Down) und gegebenenfalls eine Meditations-App zu öffnen, ist es allerdings noch nicht getan. Denn watchOS 7 zeichnet auch Schlafdaten auf, misst EKG und Ruhepuls, stellt fest, ob der Herzschlag zu schnell oder zu langsam ist und wie häufig man aufwacht während der Nacht. All das wird dann jeweils in leicht zu erfassenden Grafiken dargestellt.


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Schlafen. © Quelle: Daniel Killy/Screenshot RND

Hat man die Nacht dann überstanden, weckt einen die AppleWatch – entweder mit sanfter Musik oder mit haptischem Klopfen am Handgelenk. Außerdem zeigt sie zum Aufwachen das Wetter und den Stand der Batterie an. Sollte die zu leer sein, bekommt man eine Erinnerung, um sie aufzuladen – und eine weitere Erinnerung, wenn sie ausreichend aufgeladen ist, damit man sie schnell wieder anziehen kann. Das ist nämlich auch deshalb notwendig, weil die Watch einen in Corona-Zeiten auch anzeigt, wann das korrekte Händewaschen zu Ende ist.

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Die Händewaschen-App stellt fest, wenn man die Hände wäscht und zählt per Countdown 20 Sekunden herunter. Auf Wunsch fordert sie einen auch nach dem Nachhausekommen zum Händewaschen auf. © Quelle: Apple Inc.

Die Uhr erkennt den Waschvorgang und beginnt mit einem Countdown, bis die empfohlenen 20 Sekunden erreicht sind. Zwischendurch berichtet sie noch Sinnvolles zum Thema Händewaschen – wie etwa die Tatsache, dass schon 20 Sekunden Waschen Erreger entfernen, die einen krank machen können. Auch wie häufig und wann man Töne mit hohen Dezibelwerten gehört hat, die das Hörvermögen beeinträchtigen könnten, weiß die omnipräsente Gesundheits-App.

Perfekte Projektionsfläche für Fortschritts-Skeptiker

Nun mag es den einen oder anderen geben, dem ein solches Maß an digitaler Bevormundung zu viel ist – denen spielt sicherlich die Batterieleistung der Apple Watch unter iOS 7 in die Hände. Denn das 24-Stunden-Concierge-Programm funktioniert nicht ohne wenigstens einen Boxen-Stopp. Dass Apple von allen Großherstellern noch am besten mit persönlichen Daten umgeht und sie derart verschleiert, dass sie gar nicht als Originaldaten erkannt werden können, wird die vielen Zweifler hierzulande kaum beruhigen – oder anders formuliert: iOS 7 ist die perfekte Projektionsfläche für Fortschritts-Skeptiker. Aus Orwells Big Brother scheint ein schlanker, fesch designter Diktator für das Handgelenk geworden. Allerdings nur so lange, wie man die Uhr denn trägt. Einmal abgelegt und ungeladen, ist es mit den Eingriffen in den Alltag vorbei. Es wird bestimmt schon hart daran gearbeitet, diese logische Lücke dereinst auch überbrücken zu können.

Ein Betriebssystem als Blick in die Zukunft

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Für all diejenigen aber, die der Meinung sind, der technische Fortschritt habe dem Menschen zu dienen und nicht umgekehrt, zeigt das neue Betriebssystem, was in naher Zukunft an individueller digitaler Unterstützung möglich sein wird. Der ambitionierte Wunsch von Apple-Chef Tim Cook, aus einem Modehaus für Digital-Aficionados einen Gesundheitskonzern zu machen, trägt zusehends Früchte. Die medizinische Überwachungsfähigkeiten, die die Watch schon heute hat, könnten schon bald nicht nurmehr topfitte Sportcracks für den nächsten Marathon motivieren, sondern etwa Vitaldaten von Senioren überwachen und im Zweifelsfall weiter geben. Hinter dem manchmal arg pädagogischen Ton von Apple verbirgt sich der Wunsch vieler Menschen, dass medizinische, sportliche und Gesundheits-Kontrolle im Alltag praktisch und einfach zu checken sein müssten.

Neben dem Schwerpunkt auf Gesundheit und Fitness (so heißt jetzt auch die ehemalige Aktivitäten-App) mit etlichen neuen Goodies wie den Workout-Bereichen Tanz, funktionales Kraftraining, Core Training und Cooldown gibt es noch etliche Neuerungen, die die AppleWatch als unabhängiges Tool aufwerten. So kann man sich Zifferblätter, also neue “Faces”, im App Store besorgen, auf Websites herunterladen oder existierende mit mehr Funktionen (Complications) anpassen. Ein nettes Feature ist auch, dass Zifferblätter jetzt verschickt werden können – über SMS, E‑Mails oder Postings.

Analog zum neuen iOS 14 gibt es nun auch in der Kartenfunktion der AppleWatch Routen für Radfahrer, Angezeigt werden etwa Steigungen, Treppen, viel befahrene Straßen und Radwege bzw. -spuren. In Deutschland allerdings sind die Karten derzeit noch nicht angepasst.

Siri emanzipiert sich ebenfalls weiter vom iPhone in Richtung von Apples universellem Steuerungstool. Die Spracherkennung ist jetzt auf der Apple Watch in der Lage, gesprochene Übersetzungen zu erkennen und sie in zehn Sprachen zu übertragen. Alles direkt auf der Watch.

Die Übersetzungsversion von Siri kann jetzt auf der Watch per Diktatfunktion live aus und in zehn Sprachen übersetzen. © Quelle: Daniel Killy/RND
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Zusätzlich können sogenannte Siri-Shortcuts, also Sprachbefehle, auf der Apple Watch Apple als Funktionen auf den Zifferblättern hinterlegt werden.

Fazit: Wer sich darauf einlassen mag, dass das Ding an seinem Handgelenk manchmal weiter denkt und präziser plant als man selbst, für den ist watchOS 7 eine perfekte Erweiterung und Aufwertung seiner Apple Watch. Wer allerdings Bedenken vor zu viel digitaler Autonomie hat, sollte den Gedanken an eine SmartWatch sowieso verwerfen. watchOS 7 ist kompatibel mit allen Modellen ab der Apple Watch Series 3.



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