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Warn-App NINA überlastet, Sirenen bleiben still – Pannen beim Warntag

  • Der erste bundesweite Warntag seit 30 Jahren hat Schwächen im Warnsystem offengelegt.
  • Denn die Warn-App NINA kam ihrer Warn-Funktion nur teilweise nach.
  • Sie war teilweise überlastet, ebenso wie das modulare Warnsystem, mit dem zahlreiche Warnmittel angesteuert werden.
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Ziel des Warntags war es, Warnanlässe bekannter zu machen, die Selbstschutzfertigkeiten der Bevölkerung zu verbessern und alle zur Verfügung stehenden Warnmittel zu testen und diese bewusst an Belastungsgrenzen zu führen. Zumindest letzteres Ziel ist geglückt. Denn bei dem flächendeckenden Probealarm konnte festgestellt werden, dass eine zeitgleiche Warnung der Bevölkerung deutschlandwiet nicht funktioniert. Eine Sprecherin des Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sagte, dass es bei der Warn-App NINA teilweise wegen Überlastung nicht geklappt habe. Einige hätten die Warnung aber bekommen. “Wir wissen, dass es teilweise geklappt hat”, sagte eine Sprecherin des BBK in Bonn.

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Bundesweiter Warntag mit zwiespältiger Bilanz
1:42 min
Zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung fand am Donnerstag wieder ein bundesweiter Warntag statt. Dieser soll von nun an jährlich stattfinden.  © Reuters

Teilweise sei es aber auch zu einer Überlastung des modularen Warnsystems (MoWaS) gekommen. “Deshalb gibt es gerade Verzögerungen bei der Auslösung.” Über das MoWaS werden unter anderem die Warn-Apps NINA, Biwapp und Kattwarn angesteuert. Es könnte also sein, dass die Warnung noch verspätet auf den Smartphones ankommen. (Bei der hier schreibenden Redakteurin war es um 11.56 Uhr der Fall.) Die Warn-App NINA soll Nutzer vor Gefahren warnen - an diesem Donnerstag sollte sie einen Probealarm übermitteln.

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Warntag 2020: So klingen die Sirenen
0:58 min
Am 10. September um 11 Uhr werden im ganzen Land die Sirenen heulen. Es ist der erste deutschlandweite Probealarm seit 1990.  © RND/IM NRW

Auch Sirenen blieben teils still

Viele hatten sich auf Lärm eingestellt, hörten um 11 Uhr allerdings nur wenig. Denn in vielen Orten in Deutschland gibt es schlichtweg keine Sirenen. Das ursprünglich gut ausgebaute Sirenennetz konnte von Kommunen übernommen werden, das wurde aus Kostengründen aber oft nicht getan. Früher gab es deutschlandweit etwa 80.000 funktionierende Sirenen, die als “Fliegeralarm” oder “Luftschutzalarm” bekannt waren. Heute sind es noch rund 15.000, die den Warnton senden können.

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Viele deutsche Städte verfügen inzwischen nicht mehr über ausreichend Sirenentechnik – so zum Beispiel Braunschweig, Peine und Osnabrück. Die Sirenen sind eine kommunale Angelegenheit, so können auch benachbarte Städte ganz unterschiedliche Vorgehensweisen haben. Während Wolfsburg mit 50 nagelneuen Sirenen sogar aufgerüstet hat, sind in Braunschweig und Peine die Sirenen abgebaut worden. Laut Wolfsburger Allgemeiner Zeitung (WAZ) verfügt Wolfsburg damit über das modernste Sirenennetzwerk in ganz Deutschland. Der Landkreis Wolfenbüttel andererseits verfügt zwar über Sirenen, will diese aber nur zur Alarmierung der Feuerwehr einsetzen. Nach dem Bericht der WAZ wurden die Sirenen aus dem Warnsystem des Katastrophenschutzes herausgenommen, die Leitstelle kann also gar nicht die Sirenen ansteuern und so warnen.

In Osnabrück hingegen wollte man gerne am Warntag teilnehmen, kann es nach NDR-Informationen aber nicht. Insgesamt 26 neue Sirenen wollte die Stadt anschaffen, jedoch sind die Sirenen noch nicht da. Die Gespräche können erst im Laufe des Septembers starten.

In Schleswig-Holstein ist die Lage ähnlich (Bezahl-Inhalt). Die einen – wie etwa Lübeck – verfügen über keine Zivilschutzsirenen mehr. Die anderen – wie die Gemeinden im Kreisgebiet von Ostholstein – lösen die vorhandenen Sirenen aus technischen Gründen nicht aus. Ganz anders im Kreis Segeberg: Sirenen sind zwar vorhanden – werden aber nicht ausgelöst, weil sie nicht den richtigen Ton treffen. Dabei geht es aber etwa nicht um das hohe C, sondern darum, dass die Warntöne einfach nie programmiert wurden.

Wozu ein bundesweiter Warntag?

Erstmals seit der Wiedervereinigung war um 11 Uhr der bundesweite Probealarm ausgelöst worden. Der sogenannte Warntag dient als Vorbereitung auf Gefahrenlagen wie schwere Unwetter, Überschwemmungen, Chemieunfälle oder auch Terroranschläge. Künftig soll er jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September stattfinden.

Auch die zunehmende Anzahl an Naturkatastrophen wie etwa die Hitzewellen 2018 und 2019, Starkregenereignisse, Hochwasser und andere Bedrohungslagen wie etwa Terroranschläge wie die in Halle 2019 oder in Hanau 2020 und aktuell die Corona-Pandemie hätten den Stellenwert des Warnsystems erhöht, heißt es beim BBK.

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Warnanlässe des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Der Alarm kann zu einer Vielzahl von Anlässen erfolgen. Dazu gehören:

  • Naturgefahren
  • Gefährliche Wetterlagen
  • Waffengewalt und Angriffe
  • Unfälle in Chemiebetrieben
  • Störungen des Verkehrs
  • Stromausfall
  • Ausfall der Versorgung
  • Krankheitserreger
  • Radioaktivität
  • Feuer

Warnungen können von unterschiedlichen Institutionen kommen - zum Beispiel von Bund, Bundesländern, Feuerwehr, Polizei, Hochwasserzentrale oder Deutschem Wetterdienst.

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