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Verstörende Inhalte auf Youtube: Wenn Peppa Wutz plötzlich vom Bus überfahren wird

  • Peppa Wutz, Benjamin Blümchen und Eiskönigin Elsa: Auf Youtube gibt es zahlreiche Angebote für die Jüngsten.
  • Doch zwischen den vermeintlich harmlosen Serien finden sich immer wieder auch obszöne Fake-Inhalte.
  • Wie Sie Ihre Kinder davor schützen können und welche alternativen zu Youtube es für Kinder gibt.
Michelle Gänswein
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Kinder klicken sich auf Youtube durch Videos von den Lieblings-Superhelden wie Superman und Spiderman oder anderen Kinder-Figuren wie Peppa Wutz oder Eiskönigin Elsa. Was anfangs wie ein ganz normales Video aussieht, entpuppt sich dann als verstörendes Video mit gewaltverherrlichendem oder gar perversem Inhalt. Für den Skandal, der 2017 einen Höhepunkt erreichte, gibt es einen Namen: Elsagate. Die Disney-Prinzessin leiht hier unfreiwillig und nicht lizenziert ihren Namen und ihr Gesicht. Und die Gesichter von Elsa-Gate sind allesamt hässlich. In anderen Beispielen werden die Kinderserien-Stars vom Bus überfahren, trinken Bleichmittel oder tun sich gegenseitig schlimme Dinge an.

Wie stößt man auf solche Videos?

Leider muss man nicht in den Untiefen Youtubes verkehren, um auf Videos dieser Art zu stoßen. Die Macher der Videos verlinken die Clips nämlich mit all den Schlagworten, die Kinder oder Eltern eben auch wirklich im Suchfeld eingeben. Auch die Titel der Videos, sowie die Thumbnails (Vorschaubilder) sind so gestaltet, dass der Algorithmus von Youtube sie durchwinkt. Und so kann es sein, dass das Kind eine oder zwei Folgen der regulären Peppa Wutz-Reihe schaut und die dritte Folge dann gewaltverherrlichende, obszöne oder andere nicht jugendfreie Inhalte zeigt.

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Was ist die Intention dahinter?

Ab einer bestimmten Klickzahl schaltet Youtube Werbung. Da diese Videos millionenfach geklickt werden, sehen manche Ersteller darin ein lukratives Geschäft. Insidern zufolge verdient man pro 1000 Klicks etwa ein bis zwei Euro. Wie „Vice berichtet, hatte etwa der Youtube-Kanal „SuperheroesPictures” (mittlerweile gelöscht), der solch verstörende Inhalte teilte, Videos mit bis zu 60 Millionen Aufrufen. Es lässt sich leicht ausrechnen, was die Macher daran verdienen können.

Wie kann man sein Kind schützen?

Am besten wäre es, die Kinder die Lieblingsserie auf DVD schauen zu lassen. Das hat nicht nur den Vorteil, dass man das Risiko verfälschter Videos vermeidet, auch gibt es keine Werbung. Jedoch kosten die DVDs natürlich etwas und brauchen Platz. Wenn es doch Youtube sein muss, ist es wichtig, in der Nähe des Kindes zu bleiben, um notfalls direkt einschreiten zu können, sobald Dialoge oder Bilder komisch werden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, sich einen kostenlosen Account auf „Youtube Kids” anzulegen. Mit einem Profil dort kann man dann bestimmte Jugendschutzeinstellungen vornehmen.

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In der „Kids”-Version der Plattform lassen sich individuelle Profile für bis zu acht Kinder erstellen. Für jedes der acht Profile kann man unterschiedliche Einstellungen vornehmen und Inhalte freigeben. Praktisch, wenn es einen recht hohen Altersunterschied zwischen den Kindern gibt. Auch ist es möglich, dass nur genehmigte Inhalte angezeigt werden. Das geht sogar relativ einfach mit der Liste vertrauenswürdiger Partner von Youtube. Man kann sich mit etwas Zeit und Muße aber auch selbst so eine Liste zusammenstellen. Darüber hinaus lassen sich Inhalte nach dem Alter auswählen und die Nutzungsdauer begrenzen. Bestimmte Videos können einfach blockiert werden und der Wiedergabeverlauf lässt sich einsehen.

Auf der Webseite von „Youtube Kids” heißt es: „Wir arbeiten ständig daran, das Videoangebot auf Youtube Kids familienfreundlich zu gestalten, unsere Sicherheitsmaßnahmen weiter zu verbessern und noch mehr Funktionen anzubieten, mit denen Eltern die App individuell für ihre Kinder anpassen können. Um unangemessene Inhalte herauszufiltern, verwenden wir automatisierte Filter, die wir speziell zu diesem Zweck entwickelt haben. Außerdem setzen wir auf manuelle Überprüfungen und das Feedback von Eltern, um unsere Community zu schützen. Es werden aber nicht alle Videos manuell überprüft. Wenn du unangemessene Inhalte entdeckst, die uns nicht aufgefallen sind, kannst du sie für eine schnelle Überprüfung melden. Dadurch wird die App für alle noch besser. ... Wir arbeiten intensiv daran, Inhalte auszuschließen, die nicht für Kinder geeignet sind, doch ist eine manuelle Überprüfung aller Videos leider nicht möglich und kein automatisiertes Filtersystem perfekt.

Der Dienst „Youtube Kids”, der speziell für die jüngere Zielgruppe entwickelt wurde, hat also strenge Filter und Algorithmen, perfekt sind diese aber nicht. Und so kommt es, dass selbst in dem scheinbar geschützten Raum Videos mit verstörenden Inhalten landen können. Eltern sollten sich daher nicht allein auf den Jugendschutz-Filter verlassen.

Welche Youtube-Alternativen gibt es?

Wenn das Kind noch zu jung für Youtube ist, tun es auch Serien und Filme auf DVD oder andere Anbieter wie beispielsweise:

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  • Netflix: Wer über einen Netflix-Zugang verfügt, kann automatisch auf den Kids-Bereich zugreifen, in dem entsprechende kinderfreundliche Inhalte angezeigt werden.
  • Kividoo: Ein deutschsprachiges Videoportal speziell für Kinder. Hier können Eltern für mehrere Kinder unterschiedliche Einstellungen vornehmen, wie beispielsweise eine Black- und Whitelist, Zeiteinstellungen oder Altersempfehlungen. Auch kann man Inhalte offline herunterladen, was praktisch ist für lange Autofahrten.
  • Amazon Prime Video: Hier kann man einzelne Filme oder Serien ausleihen oder eben auch ein Monatsabo abschließen. Außerdem kann man für verschiedene Geräte Altersbeschränkungen eingeben, die sich mit einer PIN schützen lassen. Inhalte kann man auch hier offline herunterladen.
  • Disney+: Seit März 2020 ist Disney+ in Deutschland verfügbar. Dabei handelt es sich um einen kostenpflichtigen Streaming-Dienst mit Disney-Filmen und -Serien.

Autorin Michelle Gänswein betreibt den Blog „Digitaler Dschungel“ und einen Youtube-Kanal mit dem Schwerpunkt Kinder und digitale Medien. Sie schreibt über aktuelle Themen wie Fortnite, Cyber-Mobbing und Instagram. Hier finden Sie weitere Texte und Videos.

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