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UX-Designer: So funktioniert die Interaktion zwischen Mensch und Maschine

  • Wer als User Experience Designer arbeitet, muss sich im Alltag viel mit Moral auseinandersetzen.
  • Wenn sich ein Nutzer etwa im Internet auf einer Website nicht zurechtfindet, klickt er diese weg.
  • Sogenannte UX-Designer arbeiten aber gerade daran, dass das nicht passiert.
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Hamburg/Berlin. Moral und Intuition sind vielleicht nicht das Erste, woran man denkt, wenn man über User Experience (UX) Design spricht. Aber wer als User Experience Designer oder Designerinnen Web-Anwendungen entwickelt, muss sich täglich damit auseinandersetzen.

Cookie-Banner, wie es sie inzwischen auf fast jeder Website gibt, sind ein sehr gutes Beispiel dafür: Je nachdem, wie die Buttons gestaltet sind, ist man motiviert, die beste Lösung für sich selbst auszuwählen. Das Design kann manipulieren und etwa dahin verführen, einfach auf „alles akzeptieren“ zu klicken, anstatt manche Funktionen auszuschalten.

UX Design ist interdisziplinär

„Deswegen gehört neben Kommunikation und Intuition auch Ethik zum UX-Design dazu, denn dadurch, dass man mit der Gestaltung Einfluss auf die Nutzer hat, trägt man Verantwortung“, sagt Indra Burkart. Sie hat über das Game Design zu ihrer Leidenschaft UX Design gefunden. Nach ihrem Informatikstudium mit dem Schwerpunkt Spieleentwicklung hat sie zunächst als Game Designerin gearbeitet.

Burkart wollte sich noch stärker mit dem Thema UX Design beschäftigen und machte eine berufsbegleitende Weiterbildung. „Erst dachte ich, UX bedeutet einfach, dass ich verständliche Interfaces designe“, sagt sie. „Doch dann verstand ich, wie viel mehr dazu gehört und wie interdisziplinär dieses Feld ist.“ Inzwischen hat sie einen eigenen Youtube-Kanal rund um das Thema UX Design.

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Nutzerinnen und Nutzer genau beobachten

Beim UX-Design gibt es immer konkrete Ziele der Interaktion von Mensch und Maschine: Zum Beispiel den erfolgreich abgeschlossenen Einkauf über eine Website. Zum Teil müssen die UX-Designer deshalb Menschen beim Nutzen einer Website genau zuschauen: Wann klicken sie was wo an?

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Ihre Beobachtungen und Gespräche überträgt Indra Burkart in ein Programm, das den Prozess visuell darstellt. Auf dieser Grundlage kann dann eine Software entwickelt werden. Dabei ist erfolgreiche Kommunikation zentral: „Man muss immer herausfinden, ob man über dasselbe wie die Kunden spricht.“ Das Klischee vom menschenscheuen IT-Tüftler trifft auf das UX-Design also nicht zu. Vielmehr stehen der Mensch und seine Interaktion mit der Maschine im Mittelpunkt.

Ausbildung oder Studium?

Burkarts Weg in den Beruf – über eine Weiterbildung – ist nur einer von vielen. Je nach Aufgabenschwerpunkt klappt es auch mit einer Ausbildung oder einem Studium. Sucht man bei Stellenausschreibungen nach „UX Designern“, findet man sowohl Stellen für Uniabsolventen als auch für Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung.

Florian Winkler, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), hat die Neuordnung der IT-Ausbildungsberufe 2020 mit begleitet. Ihm zufolge passt die Ausbildung zum Fachinformatiker mit Schwerpunkt Anwendungsentwicklung am besten zu den Aufgaben eines UX-Designers.

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Berufserfahrung ist entscheidend

Beim Schwerpunkt Anwendungsentwicklung geht es um das Programmieren von IT-Lösungen, was auch das Konzipieren und Umsetzen von kundenspezifischen Softwareanwendungen umfasst. „Das ist eine gute Grundlage, um in die Richtung zu gehen, bedeutet aber nicht, dass man mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung direkt einen Job als UX-Designer findet“, sagt Winkler. Entscheidend ist oft die Berufserfahrung.

Aber woher weiß man als Bewerberin oder Bewerber, welche Qualifikation wirklich gefragt ist? Jobanzeigen helfen hier nur bedingt weiter. „Manchmal schreiben Arbeitgeber in die Stellenbeschreibung einfach alles rein, was man als UX-Designer so machen kann. Ob programmieren, designen, beraten oder Produkte entwickeln. Das ist dann eine Wundertüte an Kompetenzen, die kein Einzelner erfüllen kann“, sagt Knut Polkehn. Er ist Berater bei „artop“. Das An-Institut der Humboldt Universität zu Berlin bietet verschiedene Qualifizierungen für UX-Designer und UX-Designerinnen an.

Usability-Experten erarbeiten etwa in Workshops mit Kunden, welche Anforderungen ein digitales Produkt erfüllen sollte. © Quelle: Artop/Institut an der Humboldt-U

Eine standardisierte Basisqualifizierung

Polkehn hat gemeinsam mit seinen Fachkollegen beim „International Usability and UX Qualification Board“ (UXQB) einen internationalen Standard entwickelt. Ziel des „Certified Professional for Usability and User Experience“ (CPUX) ist ein einheitliches Zertifizierungsverfahren für Usability Professionals. „Das ermöglicht es potenziellen Arbeitgebern Sicherheit über Mindeststandards zu haben.“

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Diese Qualitätsstandards werden auch vom Berufsverband der deutschen Usability und User-Experience Professionals, dem German UPA, empfohlen. Die Zertifizierung ist kostenpflichtig. Die Aufgabengebiete im UX-Design können sich im späteren Arbeitsalltag sehr unterscheiden. So muss man nicht zwangsläufig Websites entwickeln, sondern kann auch in der Medizintechnik an der Gestaltung von Maschinen mitarbeiten, die dann von Ärzten bedient werden oder bei neuen Automodellen dafür sorgen, dass die vielen Bildschirme nicht vom sicheren Fahren ablenken.

Beraten, tüfteln, testen

Auch wenn Indra Burkart in ihrem Informatik-Studium gelernt hat, zu programmieren, bestimmen andere Aufgaben ihren Arbeitsalltag: Ihr Team bei einem IT-Dienstleister in Hamburg besteht aus neun Leuten, neben ihr als UX-Designerin gibt es etwa Kommunikationsdesignerinnen und technische Berater.

Sie helfen Firmen dabei, sich zu digitalisieren. Das kann etwa bedeuten Software für Prozesse, die noch nicht digital ablaufen, einzuführen. Dafür werden Kunden-Workshops veranstaltet. Dann führen Burkart und ihr Team Testdurchläufe durch, um zu sehen, ob sich die neuen Prozesse gut ins Digitale übertragen lassen und verbessern sie stetig. Burkart sieht sich als Generalistin und ist gerne interdisziplinär tätig. „Manche Kolleginnen arbeiten als UX-Designerin zum Beispiel ausschließlich in der Testung von Anwendungen. Das wäre mir zu einseitig. Aber man kann sich eben auch noch mehr spezialisieren.“

RND/dpa

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