USA: Tausende von “Geister-SMS” auf Handys aufgetaucht

  • Mitten in der Nacht blinkten in den USA zigtausende Mobiltelefone auf.
  • Mysteriöse Nachrichten von Freunden, Partnern und teilweise auch Ex-Partnern tauchten auf den Displays auf.
  • Schuld soll die Aktualisierung einer SMS-Plattform sein.
Daniel Killy
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New York. Wer – wie jetzt Abertausende in den Vereinigten Staaten – morgens aufwacht und völlig zusammenhanglose, teils wirre Nachrichten von Verwandten, Kollegen und dem einen oder anderen Expartner auf seinem Handy findet, befragt als erstes sein digitales schlechtes Gewissen: Bin ich gehackt worden? Ist das der Anfang von einem Identitätsklau? Will man mich erpressen?

Der Grund war wesentlich profaner: Alle führenden US-Netzbetreiber hatten Mittwoch-Nacht ein Wartungsupdate verschickt, das offensichtlich gründlich daneben ging. Michelle Leff Mermelstein, Sprecherin des Mobilfunkbetreibers Sprint, präzisierte: Die Aktualisierung einer SMS-Plattform, die mehrere Netzbetreiber versorgt, sei der Grund für die "Geister-Nachrichten". T-Mobile nannte als Ursache ein Problem bei einem Subunternehmer, das sowohl Android- als auch iOS-Systeme beeinträchtigt habe.

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In den sozialen Netzwerken sorgten die "Geister-SMS" für Aufruhr

Einer jener Subunternehmer meldete sich von sich aus zu Wort, wie die Washington Post berichtete. Das Unternehmen Syniverse ließ verlauten, dass durch die regelmäßige Wartung seiner IT-Mitarbeiter 168.149 zuvor nicht zugestellte Textnachrichten vom Valentinstag 2019 von mehreren Mobilfunkbetreibern an Abonnenten gesendet worden seien. Das Problem sei mittlerweile behoben, man entschuldige sich für die Unannehmlichkeiten. Ob Syniverse aber wirklich alleiniger Verursacher der Message-Massen war, bleibt offen.

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In den sozialen Netzen jedenfalls sind die "Geister-SMS" ein großes Thema. User Andrew M. etwa schildert in seinem Tweet, wie er nachts um 20 vor vier eine Nachricht seiner Frau erhielt, die die nie geschickt hatte.

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Sprint-Sprecherin Mermelstein wollte Syniverse nicht beim Namen nennen. Das Spuk-SMS-Phänomen trat nur wenige Wochen nach der Ankündigung von Sprint, T-Mobile, AT & T und Verizon auf, sich auf einer SMS-Plattform der nächsten Generation namens Cross Carrier Messaging zusammenzuschließen.

Messaging-Dienst RCS soll die herkömmliche SMS ersetzen

Die Plattform basiert auf dem sogenannten Rich Communications Service (RCS), einem branchenüblichen Messaging-Dienst, der über kurz oder lang wohl die derzeitige SMS-Plattform (Short Messaging Service) ersetzen wird. RCS soll Nachrichten zuverlässiger und auf aktuellem Industriestandard transportieren. Die US-Netzbetreiber planen bisher, den Dienst Anfang 2020 mit Android-Geräten zu lancieren. Bis dahin sollte es dann aber besser keine nächtlichen Geister-Nachrichten mehr geben.