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Wie tickt die Generation Tiktok in der Corona-Krise?

  • Als Jugendlicher und junger Erwachsener kommt man heutzutage an der App Tiktok kaum vorbei.
  • Doch reicht der Blick auf Tiktok aus, um im Gegenzug die Generationen der Digital Natives in der Corona-Krise zu verstehen?
  • Eine Studie im Auftrag von Tiktok zeigt: Die Digital Natives wissen ganz genau, wie sie sich auf Plattformen präsentieren.
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Wer heute 30 Jahre alt ist, kann sich kaum an eine Welt ohne Internet erinnern. Wer heute 22 Jahre alt ist, hat nie eine Welt ohne Facebook kennengelernt. Und wer 2021 als Teenager durchlebt, kommt an Tiktok nicht vorbei. Die App ist zu dem geworden, was Facebook einmal war: der coole Treffpunkt der Digital Natives. Eine Plattform, über die Eltern (noch) sagen: Das brauche ich nicht, und vor allem: Das verstehe ich nicht.

Dabei ist Tiktok ziemlich einfach. Man muss nur die App herunterladen und anfangen, zu scrollen. Vorbei rauschen lustige Interviewclips von Superheldenschauspielern, Tanzvideos, Menschen, die von absurden und unglaublichen Erlebnissen jeglicher Art berichten, oder Buchrezensionen. Jede denkbare Nische findet ihr Plätzchen auf Tiktok. Wer verstehen will, was Jugendliche derzeit bewegt, der kommt an Tiktok einfach nicht vorbei. Aber reicht der Blick auf Tiktok aus, um im Gegenzug die Generationen der Digital Natives zu verstehen?

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Gesundheit steht im Fokus

Eine Frage, die sich auch Tiktok selbst gestellt hat. Das Unternehmen hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, mit dem Ziel herauszufinden, was die Generation Y (16- bis 25-Jährige) und Z (26- bis 37-Jährige), also die Altersgruppen, die Tiktok am ausgiebigsten nutzen, bewegt. „Wir haben uns drei Fragen gestellt“, erklärt Tobias Henning, Tiktok General Manager für Deutschland. „Welche Themen bewegen die Genration Y und Z? Wie drücken sie sich auf Onlineplattformen aus? Und was macht die Tiktok-Community aus?“ Online befragt wurden 2019 Personen im Alter von 16 bis 37 Jahren im November 2020 aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Wenig überraschend während einer Pandemie: Das Thema Gesundheit steht für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen klar im Vordergrund. Für 92 Prozent aller Befragten ist Gesundheit „wichtig“ oder „sehr wichtig“. „Das ist zwar grundsätzlich kein neues Thema, aber Gesundheit bedeutet inzwischen nicht mehr: beauty, fitness und gesunder Lebensstil, sondern, kein Corona zu haben“, sagt der Jugendexperte Simon Schnetzer, der die Ergebnisse ausgewertet hat. Im Kontext der Pandemie mit ihren zahlreichen Einschränkungen und neuen Regeln lässt sich auch der starke Wunsch, das eigene Leben selbst gestalten zu wollen, erklären: Sein Leben selbst zu bestimmen finden 91 Prozent „wichtig“ oder „sehr wichtig“. „Viele der Befragten haben das Gefühl, nicht mehr die Kontrolle über ihr Leben zu haben“, sagt Schnetzer.

Viele nicht mit ihrer Lebenssituation zufrieden

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Zumindest zum Teil pandemiebedingt ist wohl auch der nicht unerhebliche Anteil an jungen Menschen, die mit ihrem Leben gerade unzufrieden sind: 35 Prozent der Befragten geben nicht an, mit ihrem Leben zufrieden oder sehr zufrieden zu sein und sich Sorgen um die wirtschaftliche Situation zu machen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis waren auch kürzlich Jugendforscher der Universitäten Hildesheim und Frankfurt gekommen. Knapp 46 Prozent von rund 7000 befragten 15- bis 30-Jährigen stimmten der Aussage voll beziehungsweise eher zu, Angst vor der Zukunft zu haben. „Es gibt ein hohes Verantwortungsbewusstsein in der Pandemie, aber auch eine große Frustration darüber, wie das Leben gerade reduziert ist“, sagte die Hildesheimer Sozialpädagogin Severine Thomas dazu.

Onlinepräsentation ist nicht die ganze Wirklichkeit

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Es ist ein starker Kontrast zu den oft fröhlichen, witzigen, ironischen Inhalten, die sich oft auf Plattformen wie Tiktok finden. Und ein erster Hinweis darauf, dass die Art, mit der sich manche Jugendliche in den sozialen Medien präsentieren, nicht zwangsweise die ganze Wahrheit abbilden muss.

Dazu passt, dass viele Befragte eher auf Memes zurückgreifen, um ihre Haltung deutlich zu machen. So leiten 34 Prozent aller Befragten Gifs und Memes zum Thema Gleichberechtigung weiter, gefolgt von sozialer Ungleichheit (27 Prozent) und Klimawandel (26 Prozent). Verwechselt da eine Generation ihre Präsentation auf Tiktok und Co. mit sozialem Engagement? Das im Vergleich mit anderen Generationen sehr große Interesse an Themen wie Gleichberechtigung und Diversität mit dem tatsächlichen Einstehen für diese Werte? „Man darf das nicht qualitativ anders einordnen. Das ist eine Form, die junge Generationen nutzen, um sich auszudrücken. Das müssen wir ernst nehmen“, sagt Henning. Zudem sei der digitale Diskurs nur eine Möglichkeit, wie sich die Generation Z und Y ausdrücke und austausche.

Digital Natives wissen genau, wie sie sich präsentieren

Insgesamt aber wissen die Digital Natives ganz genau, wie sie sich auf Plattformen präsentieren: Sie kuratieren online ein perfektes Bild von sich, erklärt Schnetzer. „Das ist durchaus ein Problem, das ich bei dieser Generation feststelle: Sie versucht, Probleme mit sich selbst auszumachen.“

„Die Gründe dafür, diese Gedanken nicht online mitzuteilen, sind der Schutz der Privatsphäre (67 Prozent), Angst vor Hassrede (60 Prozent) sowie der Eindruck, an den Verhältnissen nichts ändern zu können (41 Prozent)“, fasst die Studie zusammen. Die Digital Natives wissen demnach genau, so scheint es, welch ein hässlicher Ort das Internet sein kann. Allerdings, so stellt es die Studie wohl auch sehr zur Freude ihrer Auftraggeber fest, scheinen Tiktok-Nutzer und -Nutzerinnen Onlineplattformen eher als positiven Ort wahrzunehmen (40 Prozent) als Nicht-Tiktok-Nutzer (31 Prozent).

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Ist Tiktok ein „Safe Space“

Aber ist Tiktok wirklich ein „Safe Space“? Zumindest der europäische Verbraucherverband Beuc hat daran Zweifel. Mitte Februar legte er Beschwerde bei der EU-Kommission und dem Netzwerk nationaler Verbraucherschutzbehörden ein. Der Vorwurf: „Kinder lieben Tiktok, aber das Unternehmen versagt darin, sie zu schützen.“ Kritisiert wird unter anderem, dass Tiktok Kinder und Jugendliche nicht ausreichend vor versteckter Werbung und potenziell schädlichen Inhalten schütze. Auch sei das Vorgehen bei der Verarbeitung persönlicher Daten irreführend. Mehrere Klauseln der Nutzungsbedingungen seien unfair.

„Die Sicherheit unserer Community ist uns sehr wichtig“, sagt Henning im Bezug auf den Vorwurf, Tiktok schütze seine jungen Nutzer und Nutzerinnen nicht ausreichend, und verweist in dem Zusammenhang auf verschiedene Schritte, die das Unternehmen unternommen hat, um seine jungen Nutzer besser zu schützen. Dazu gehören unter anderem die Einführung eines begleiteten Modus, um Eltern und Erziehungsberechtigten zu helfen. Oder die Überarbeitung der standardmäßigen Tiktok-Datenschutzeinstellungen auf „Privat“ für alle Konten von Nutzern unter 16 Jahren.

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