„The Medium“ im Test: Tolle Grafik statt toller Geschichte

  • Ungeheuer, düstere Wälder und Parallelwelten – „The Medium“ ist am 28. Januar für alle Gamingfans erschienen.
  • Das Spiel bietet eine packende Atmosphäre und nostalgischen Horror.
  • Doch hinter der beeindruckenden Grafik steckt leider eine enttäuschende Story.
Jan Bojaryn
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Hannover. Das Jenseits ist immer nur einen Wimpernschlag entfernt. Geister und Ungeheuer leben dicht neben uns in einer Parallelwelt, auf der anderen Seite des Spiegels. Diese Vorstellung aus Jahrhunderten der Schauerliteratur und Jahrzehnten des Mysteryfernsehens ist nicht totzukriegen. Auch in „The Medium“ lebt sie weiter. Das Horrorcomputerspiel ist eher gemütlich als schrecklich, wie ein Leseabend mit Dracula unter der Kuscheldecke. Aber es ist effektiv umgesetzt. Und zumindest technisch hat es eine originelle Idee.

„The Medium“ erscheint für den PC und für die neue Xbox Series X/S. Das Gruseladventure weiß die starke Hardwareleistung zu nutzen. Immer wieder wechselt die Heldin, das Medium Marianne, zwischen unserer Realität und einer Art Fegefeuer für verlorene Seelen. Nahtlos schaltet das Spiel zwischen den Welten hin und her, gelegentlich zeigt es sogar beide gleichzeitig im Splitscreen. Das ist ein technisches Kunststück – der Computer muss die Welten schließlich gleichzeitig rendern. PC-Spieler sollten vorher genau schauen, ob sie die happigen Hardwareanforderungen erfüllen. Xbox-Spieler freuen sich derweil über eines der ersten Spiele, die die Rechenpower ihrer Konsole gut einsetzen.

Immer wieder wechselt die Heldin, das Medium Marianne, zwischen unserer Realität und einer Art Fegefeuer für verlorene Seelen. © Quelle: Microsoft/ Bloober Team
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Von abgerissenen Hinterhöfen und düster wuchernden Wäldern

Das Krakauer Entwicklerstudio Bloober Team hat sich in den letzten Jahren einen Namen mit verschiedenen Schauerspielen gemacht, von einem düsteren Science-Fiction-Abenteuer mit Rutger Hauer bis zu einer Umsetzung des modernen Klassikers „Blair Witch“. Abgerissene Hinterhöfe und düster wuchernde Wälder können die Künstler des Studios inszenieren wie kaum ein anderer. „The Medium“ sieht immer wieder aus wie ein lebendiges Foto. Selten wirkten ranzige Treppenhäuser so verwunschen wie hier.

Bisherige Bloober-Spiele sahen aus und steuerten sich wie Egoshooter, nur ohne Pistole. „The Medium“ zeigt dagegen die Welt und Marianne aus wechselnden Kameraperspektiven. Auf diese Weise ist die Steuerung etwas einfacher, der Blick von außen etwas weniger beklemmend. Früher gab es viele Spiele, die so gesteuert wurden. „The Medium“ verneigt sich besonders vor der Serie „Silent Hill“. Auch dort brodelte stets eine bedrohliche Schattenwelt unter der Wirklichkeit. Dem Original ganz nah kommt „The Medium“ bei der Musik: Silent-Hill-Komponist Akira Yamaoka breitet auch in diesem Spiel verstörende Klanglandschaften aus.

Beeindruckende Grafik, aber wenig dahinter

Eines aber macht „The Medium“ anders als früher: Es ist einfacher. Nach einem rätselhaften Anruf forscht Marianne in den Ruinen nach den Spuren eines Massakers. Die verschlossenen Türen und eingestürzten Flure folgen Schema F des Rätselspiels. Allein der Wechsel zwischen den Welten macht die simple Schlüsselsuche aufregender; gelegentlich auch das schlurfende, jammernde Ungeheuer. An bestimmten Stellen im Spiel wird Marianne von einem Monster verfolgt oder von tödlichen Mottenschwärmen angegriffen. Das ist aber kein großes Hindernis. Anders als früher merkt sich das Spiel alle paar Minuten den Zwischenstand. Stirbt Marianne, springt die Geschichte einfach eine Ecke zurück. Im zweiten oder dritten Anlauf sind die Gefahren dann eher nervig als furchteinflößend. Viel Geschick brauchen Spieler nicht.

„The Medium“ versucht sich an einer ernsten Geschichte über Missbrauch und Wahnsinn. Das funktioniert nicht besonders gut, der Ton erinnert eher an B-Movies. Aber als schaurige Erkundungsreise mit beeindruckender Grafik bleibt das Spiel im Gedächtnis. Vor allem für Abonnenten des Xbox Game Pass lohnt sich der Trip in die Ruine.

„The Medium“ ist am 28. Januar für PC und Xbox Series X/S erschienen. Der Download-Kauf kostet 50 Euro, es ist aber auch im Xbox-Game-Pass-Abo enthalten.

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