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Auf Tiktok fehlt die Lilo zum „Stitch“

Das Buzzword dieser Kolumne hat seinen Ursprung in Social-Media-App Tiktok.

Das Buzzword dieser Kolumne hat seinen Ursprung in der Social-Media-App Tiktok: Es geht um sogenannte Stitches.

Schon als ich selbst noch ein kleines Mädchen war, löste der Begriff „Stitch“ ein Funkeln in meinen Kinderaugen aus. Das war dieser blaue lustige Außerirdische, der an der Seite von Lilo, einer jungen Hawaiianerin, die ihn bei sich aufnimmt, eine Menge Abenteuer erlebt. Gemeinsam haben sie viele Kinder zum Lachen gebracht: Der dazugehörige Film wurde 2003 für einen Oscar in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ nominiert.

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Jahrelang war es still um die Stitches in meinem Leben – bis jetzt. Kürzlich habe ich erfahren, dass der Ausdruck auch heute vielen Kindern, oder zumindest Teenagern, geläufig ist. Obwohl es längst nicht mehr um den kleinen Außerirdischen geht: Stitches ermöglichen es Nutzerinnen und Nutzern der Plattform Tiktok, auf Videos Dritter zu reagieren, indem sie Ausschnitte in die eigenen Beiträge einfügen. So lassen sich laut der Website der Social-Media-App „Inhalte auf kreative Weise neu interpretieren und erweitern“.

#stitch bei Tiktok – eine Funktion, viele Möglichkeiten

Was die Community daraus gemacht hat, geht vom simplen Nachäffen anderer, über ein gemeinsames Anstoßen mit dem Lieblingsinfluencer, bis hin zur Gesellschaftskritik im Videoformat. Ein möglicher Stitch ist also: Userin eins schwingt ihr Bein anmutig in die Höhe und tanzt, möglicherweise Ballett. User zwei macht‘s in seinem Wohnzimmer nach, hält sich den Rücken, und täuscht Schmerz vor.

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Manche finden das lustig, andere nicht.

Ebenfalls ein möglicher Stitch ist aber: User eins erklärt in seinem Video voller Überzeugung, keine Frau hätte sowohl „echte“ Haare als auch Augenbrauen und ein natürliches Gesicht. User zwei rückt sein Frauenbild gerade, womöglich mit einer Reaktion, die User eins wenig schmeckt und ihm einen Denkzettel verpasst.

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Andere verfolgen also gewissermaßen einen Bildungsauftrag.

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Politikerinnen und Politiker nutzen Stitches für einen Zugang zur jungen Zielgruppe

Dazu zählen sich auch Politikerinnen und Politiker, die Stitches für einen direkten Zugang zu ihrer Zielgruppe nutzen: FDP-Abgeordneter Thomas Sattelberger etwa reagiert besorgt auf das Video einer jungen Frau, die sich über ihre Klarna-Schulden lustig macht, und sagt: „Bitte passt auf.“

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Mit seinen 72 Jahren ist er laut seiner Tiktok-Community ein echter „Ehrenmann“. Ob die Userin ihr Kaufverhalten danach grundlegend überdacht hat, bleibt aber fraglich.

Stitches: Über Sinn und Unsinn der Tiktok-Funktion

Über Sinn und Unsinn der Funktion lässt sich grundsätzlich streiten: Das Mindestalter der Plattform liegt bei 13 Jahren, doch immer wieder schaffen es Videos mit Hassbotschaften durch die digitale Kontrolle, wie eine Studie des Londoner Thinktanks Institute for Strategic Dialogue (ISD) zeigt. Das lässt zumindest vermuten, dass auch bei direkten Reaktionen aufeinander mancher Kommentar durchrutscht, der gegen die Community-Richtlinien verstößt. Womöglich erweisen sich Stitches langfristig aber auch als Chance, sich genau dagegen zur Wehr zu setzen. Immerhin: Den Tiktok-Nutzerinnen und -Nutzern ist es selbst überlassen, ob sie ihre Videos zur Weiterverarbeitung Dritter zur Verfügung stellen oder nicht.

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Bei der Community kommt die Funktion jedenfalls gut an. Fast 480 Milliarden Aufrufe hat der Hashtag „Stitch“ bei Tiktok – Tendenz steigend. Und nur die allerwenigsten Beiträge handeln von einer kleinen Hawaiianerin und ihrem außerirdischen Freund.

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