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  • Stadia vs. Playstation und Xbox: Cloudgaming im Vergleich zu herkömmlichen Konsolen

Die unsichtbare Konsole: Cloudgaming im Vergleich

  • Im November erscheinen neue Playstation- und Xbox-Modelle.
  • Sie sind teuer, groß und schwer zu bekommen – doch es geht auch anders.
  • Das Beste der nächsten Generation gibt es auch ohne neue Hardware – mit Cloudgaming.
Jan Bojaryn
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Spielefans haben es schwer. Eigentlich erscheinen im November schöne neue Konsolen. Doch wer nicht schnell war und Glück hatte, der wird leer ausgehen. Sowohl die Playstation 5 als auch die Xbox Series X sind schon im Vorverkauf ausverkauft.

Warum die neuen Spielekisten begehrt sind, ist leicht zu erklären. Sie bieten die Leistung eines guten Spiele-PCs für deutlich weniger Geld. Sie verheißen schnelle Ladezeiten, edle Lichteffekte in hochauflösender Grafik und mehr Komfort beim Spielen.

Wir leben in der Zukunft – möglicherweise

Trotzdem fühlt sich dieser Kampf der Kisten altmodisch an. Wir schreiben schließlich das Jahr 2020. Videospiele werden mehrheitlich im Internet gekauft und als Download geliefert. Könnte man sie nicht gleich im Internet spielen? Die Frage ist berechtigt. Denn wer eine gute Internetverbindung hat, der kann die Konsole wirklich mit Cloudgaming ersetzen. Die Anbieter heißen Geforce Now, Stadia, xCloud, Playstation Now, Shadow und seit Neuestem Luna.

Im Prinzip funktionieren alle Dienste gleich: Leistungsschwache Geräte wie Handy oder Laptop werden daheim über das Internet mit dem Dienst verbunden. Jeder Tasten- oder Knopfdruck daheim wird über das Internet zu dem Dienst übertragen und dort verarbeitet. Dann wird das Spiel als Video an die Spieler zurück übertragen. Bei einer schnellen Internetverbindung können Spieler kaum zwischen dem Spiel auf einer Konsole und einem in der Cloud unterscheiden.

Darf’s ein bisschen schneller sein?

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Viel müssen Kunden nicht besitzen, um Cloudgaming auszuprobieren. Prinzipiell genügen ein schneller Internetanschluss und ein Smartphone oder Laptop. Bonuspunkte gibt es für ein angeschlossenes Gamepad und für ein Netzwerkkabel vom Laptop zum Internetmodem. Fast alle Anbieter ermöglichen einen kostenlosen Testlauf, bevor Spieler zahlen müssen. Das ist wichtig, denn Internetverbindungen sind unterschiedlich schnell. Und Menschen reagieren unterschiedlich sensibel auf die sogenannte Eingabeverzögerung.

Unbedingt nötig ist eine Breitbandinternetverbindung. Das ist keine hohe Hürde mehr, laut dem Breitbandatlas des Verkehrsministeriums sind 16 Mbit/s für über 95 Prozent der deutschen Privathaushalte verfügbar. Kritisch wird es bei einer anderen Zahl: Wie schnell kann ein Signal zum Server und zurück wandern? Je länger es dauert, desto größer ist die Eingabeverzögerung. Spiele fühlen sich zunehmend schwammig und träge an. Je nach Spiel und Spieler ist ein sogenannter Ping-Wert von 30 Millisekunden schon störend, oder einer über 70 noch passabel. Die Werte können sich auch zwischen den Diensten unterscheiden. Wer testen will, der hat eine robuste Auswahl vor sich.

Geforce Now

Grafikkartenhersteller Nvidia gehört mit seiner Lösung Geforce Now zu den fairsten Anbietern auf dem Markt. Wer bereits Downloadspiele bei Steam, Uplay oder dem Epic Games Store gekauft hat, der kann einige von ihnen ohne Aufpreis hier spielen. Grundsätzlich ist der Dienst gratis, aber dann werden Spielsessions nach einer Stunde unterbrochen und ein paar Grafikeffekte fehlen. Für 5,49 Euro pro Monat fallen die Beschränkungen. Geforce Now läuft auf Windows- sowie Mac-Computern und Android-Handys. Mit Nvidias Mediaplayer Shield kommt der Dienst auch auf den Fernseher.

Geforce Now läuft auf Windows- sowie Mac-Computern und Android-Handys. © Quelle: Nvidia Geforce

Stadia

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Google Stadia ist gut, aber teuer. Grundsätzlich gibt es den Dienst in Gratis oder als Pro-Version. Aber Spiele müssen extra gekauft werden. Nach einem kostenlosen Probemonat bietet Stadia Pro für monatlich 9,99 Euro eine kleine, wachsende Auswahl an Gratistiteln. Technisch läuft er beeindruckend, auf bestimmten Android-Handys und im Chromecast-Browser auf dem Computer. Wer schnelles Netz, einen passenden Chromecast-Ultramediaplayer und den offiziellen Stadia-Controller besitzt, kann in 4K-Auflösung und mit Surroundsound auf dem Fernseher spielen. Aber die Spieleauswahl ist vergleichsweise schwach. Und nicht alle neuen Mediaplayer von Google unterstützen den Dienst; bei einigen wird die Funktion als Update nachgereicht.

Mit dem passenden Chromecast-Ultramediaplayer und den offiziellen Stadia-Controllern ist spielen in 4K-Auflösung und mit Surroundsound auf dem Fernseher möglich. © Quelle: Google Stadia

Shadow

Einen Schritt weiter denkt das französische Unternehmen Shadow. Statt einzelner Spiele bietet es einen kompletten Cloud-PC. Der lässt sich genau so benutzen wie ein Gaming-PC daheim. Damit ist Shadow vor allem für Spieler mit PC-Erfahrung und fertiger Spielesammlung interessant. Als einfacher Konsolenersatz sind andere besser. Der Dienst wird als Programm auf Android- und Apple-Handys sowie auf Windows-, Mac- oder Linux-Rechnern installiert. Ab 12,99 Euro im Monat können Spieler den Dienst bestellen, müssen aber happige Wartezeiten einplanen. Wer jetzt zuschlägt, kann nach aktuellen Schätzungen im nächsten Januar mit Anschluss rechnen.

Shadow ist vor allem für Spieler mit PC-Erfahrung und fertiger Spielesammlung interessant. © Quelle: Shadow

Playstation Now und xCloud

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Sonys Playstation Now läuft auf Windows-PCs oder der Playstation 4 und bietet eine Bibliothek älterer Playstation-Titel zum Pauschalpreis von mindestens 4,99 Euro pro Monat. Bei unseren Praxistests wird der Dienst in puncto Reaktionszeit aber von Geforce Now und Stadia geschlagen.

Auch Microsoft hält bisher nur eine Zehe ins Wasser: xCloud wird nur auf Android-Handys gestreamt und ist nur im Abodienst Xbox Game Pass Ultimate erhältlich. Der Game Pass ist ein gutes Angebot für Xbox- oder PC-Besitzer, aber kein Ersatz für eine Konsole.

Ein Riese am Horizont

Zumindest Geforce Now und Stadia lassen sich einfach und kostenlos an jedem Laptop nutzen. Wer neugierig ist, sollte genau das tun. Im Praxistest haben selbst auf dem Papier identische Internetanschlüsse oft unterschiedliche Leistung gebracht. Aber wenn es gut läuft, lässt sich Cloudgaming kaum von der lokalen Variante unterscheiden.

Ausprobieren ist also eine gute Idee – Investieren dagegen nicht. Wer jetzt einen Mediaplayer kauft, oder vermeintlich günstige Jahresabos abschließt, der könnte sich in ein paar Monaten ärgern. Amazon hat mit dem Dienst „Luna“ schon den nächsten großen Konkurrenten angekündigt. Wann der Mond über Deutschland aufgeht, ist noch nicht bekannt.

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