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Spahn zur Corona-Warn-App: Nur jeder zweite Nutzer meldet positives Testergebnis

  • 18,4 Millionen Mal wurde die Corona-Warn-App in den vergangenen Wochen heruntergeladen.
  • Doch wie gut sie in der Praxis funktioniert, darüber ist nur wenig bekannt.
  • 100 Tage nach dem Start der Anwendung zieht die Bundesregierung nun ihre erste Zwischenbilanz.
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Berlin. Die Bundesregierung hat am Mittwoch eine erste Bilanz zur Nutzung der Corona-Warn-App gezogen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) und Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär (CSU) informierten im Rahmen einer Pressekonferenz zum Stand der Dinge.

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Spahn: Corona-Warn-App wirkt
1:21 min
100 Tage nach ihrer Einführung hat die Bundesregierung die Corona-Warn-App als großen Erfolg bezeichnet.  © Reuters

“Die App ist mittlerweile fester Bestandteil des Pandemiealltags", sagte Jens Spahn. Mit 18 Millionen Downloads zähle die Anwendung etwa so viele wie die Apps aller anderen europäischen Länder zusammen, so der Bundesgesundheitsminister. Mittlerweile wurden 1,2 Millionen Testergebnisse über die angebundenen Labore übertragen. Insgesamt hätten in den vergangenen Wochen 5000 Nutzer ihre Kontakte über die App gewarnt. Bei je zehn bis 20 Kontakten hätten so einige Zigtausend Menschen informiert werden können. Eine genaue Zahl ist jedoch nicht bekannt.

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Nur die Hälfte der Nutzer meldet positive Testergebnisse

Allerdings hätte nur jeder zweite Nutzer seine positiven Testergebnisse tatsächlich gemeldet. “Das heißt, es gibt die Rückmeldung, es liegt ein positives Testergebnis vor, und eigentlich wäre es dann aus unserer Sicht sehr wünschenswert, wenn man dann den einen Knopf drückt, um die Kontakte, die man gehabt hat, zu informieren, und sie dazu auffordert, einen Test zu machen”, so Spahn. Das passiere jedoch nur bei der Hälfte der Nutzer. "Ich möchte alle Nutzer aufrufen: Bitte nutzen Sie dieses Werkzeug in der Pandemie auch”, sagte Spahn.

"Für mich ist die App ein sehr wichtiges Projekt, weil wir schnell zeigen konnten, dass in der Bundesregierung Agilität möglich ist, und weil Abstimmungsprozesse selten so schnell laufen”, sagte Staatsministerin Dorothee Bär. Die Ermittlung von unbekannten Kontakten könne nur funktionieren, wenn die App nicht nur installiert sei, sondern auch genutzt werde. Das Ziel sei es, alle zu erreichen, auf deren Smartphone die App läuft. “Für mich ist die App ein Liebesbeweis an alle, um die Sie sich sorgen.” Laut Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Telekom, gebe es in Deutschland noch 50 Millionen Geräte, auf denen die App installiert werden könnte.

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Neue Funktionen für die Corona-Warn-App

“Die letzten 100 Tage waren alles andere als einfach. Wir hatten 50 Tage Zeit, die App zu entwickeln", so Höttges. Die gesamte Entwicklung sei zudem aus dem Homeoffice entstanden. Zu Beginn habe es große Probleme mit dem Zusammenspiel der Betriebssysteme von Google und Apple gegeben. “Beide haben stark von uns profitiert. Speziell auch auf der wissenschaftlichen Seite, wie man mit einer Bluetooth-Schnittstelle eine entsprechend verlässliche Messung machen kann.” Auch äußerte sich Höttges zum Management der Hotlines, die mit der App verbunden sind. Dort würden täglich mehr als 1000 Anrufe eingehen, die im Schnitt länger als 20 Minuten andauerten. “Das ist nicht nur eine technische Befragung, sondern das ist auch ein Stück Seelsorge, weil sehr viele Menschen, die eine Meldung erhalten, auch betroffen sind und Rat brauchen.” Als größte Herausforderung beschrieb der Telekom-Chef die technische Anbindung der Labore.

In den kommenden Wochen soll die App weiter ausgebaut werden. Künftig soll auch eine Symptomabfrage in die Anwendung integriert werden, gab SAP-Technikchef Jürgen Müller bekannt. Die Daten werden nicht weiter geteilt und nur auf dem Smartphone gespeichert. Sie sollen dabei helfen, abzuschätzen, wie kritisch eine Risikobegegnung tatsächlich war.

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Spahn: “App ist kein Allheilmittel”

“Die App ist kein Allheilmittel”, wiederholte Jens Spahn in der Pressekonferenz. Dennoch zählt die deutsche Tracing-App, zumindest was die Downloadzahlen betrifft, zu den erfolgreichsten Anwendungen. Allerdings gibt dieser Wert kaum Aufschluss darüber, wie viele Menschen die App tatsächlich nutzen. Damit das Tool einwandfrei funktioniert, muss die Bluetooth-Funktion dauerhaft eingeschaltet sein. Auch rechnen Experten damit, dass viele die App nach dem Download wieder löschen. Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl der aktiven Nutzer derzeit auf 14 bis 15 Millionen.

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Entwickler zufrieden mit der Corona-Warn-App

Die Entwickler hinter der Corona-Warn-App haben bereits eine positive Bilanz gezogen. “Die App funktioniert, und wir arbeiten weiter an Verbesserungen”, sagte Peter Lorenz, Chefentwickler bei der Telekom-Tochter T-Systems. Das sei auch der Grund, warum sich inzwischen mehrere Länder an dem Open-Source-Code des deutschen Projektes bedienen würden.

Michael Schuster, Co-Lead des Projektes bei SAP, verwies auf eine sehr gute Zusammenarbeit mit den US-Technologiekonzernen Apple und Google, die die technisch notwendigen Schnittstellen bereitstellen. Zusammen mit Apple habe man auch die jüngsten Probleme auf dem iPhone-Betriebssystem iOS lösen können. Schuster betonte, es wäre gut, wenn man noch mehr Menschen in Deutschland dazu motivieren könnte, sich die App herunterzuladen.

RND/mkr/mit dpa

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