Smartcar: So machen Sie Ihr Auto fit für die digitale Zukunft

  • Bei vielen Neuwagen lassen sich Daten des Autos mit Apps auf dem Smartphone aus der Ferne abrufen.
  • Besitzer älterer Fahrzeuge können über die OBD2-Schnittstelle durch Adapter und Apps ihr Auto smart machen.
  • Kritiker warnen: Die Zusatzfunktionen könnten den Fahrer ablenken.
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Stuttgart. Kurz aufs Smartphone tippen und die Tankanzeige und den Ölstand checken. Bei vielen Neuwagen lassen sich Daten des Autos mit Apps auf dem Smartphone aus der Ferne abrufen. Doch auch ältere Fahrzeuge geben ihre Informationen preis – mit zusätzlichen Adaptern, sogenannten Dongles, sowie passenden Apps.

OBD2-Schnittstelle: Portal zur elektronischen Autoseele

„Prinzipiell können Besitzer älterer Fahrzeuge mit solchen Lösungen ihr Auto zum Smartcar wandeln“, sagt Marcel Mühlich vom Auto-Club Europa (ACE). Über 90 Prozent der Fahrzeuge in Deutschland verfügen über eine OBD2-Schnittstelle, um sich mit der Elektronik des Autos zu verbinden. Der Anschluss liegt bei den meisten Autos links an der A-Säule, im Fußraum der Fahrerseite. Seit 1996 besitzen viele Autos diese Schnittstelle, spätestens seit 2003 werden diese in jedem Neuwagen verbaut.

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Je nach Modell befinden sich die Datenschnittstellen an unterschiedlichen Punkten im Auto, etwa im Fußraum des Fahrers. © Quelle: PACE Telematics GmbH/dpa-tmn

Neue Infos durch Smartphone und Stecker

Über eine Nachrüstlösung mit Adaptern lässt sich das Auto mit dem Smartphone vernetzen. Zu den Funktionen zählen je nach Anbieter, wie Car Scanner, Carly oder Pace, unter anderem eine automatische Notruffunktion (E-Call), Fehlercodeanalyse, Batteriezustandsinfo, Werkstattservices, elektronisches Fahrtenbuch, Spritspartrainer, Tankstellenfinder und eine Autosuchfunktion.

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Hersteller wie Pace sehen in ihren Dongles etwa für den nächsten Werkstattbesuch Vorteile – weil der Besitzer schon vorher ungefähr weiß, was für Probleme sein Auto hat und welche Reparaturen auf ihn zukommen. Darüber hinaus lerne der Besitzer mehr über sein Auto, so Pace. Dessen App zeigt in Echtzeit unter anderem Motorlast, Kühlwassertemperatur, Motordrehzahl und Stromspannung an. Ist das Smartphone mit dem Internet verbunden, lassen sich zudem unter anderem Straßenkarten, Fahrtzeit, Beschleunigung, Tankstellen und Spritpreise in seiner Nähe anzeigen.

Nachrüstsysteme schon ab 40 Euro

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„Die App-Dongle-Lösungen sind nicht an eine Automarke gebunden, was sich spätestens beim Kauf eines neuen oder gebrauchten Fahrzeugs positiv bemerkbar macht“, sagt Mühlich. Die Fehlercodeanalyse kann dem Fahrer helfen, hohe Reparaturkosten zu vermeiden. Ein elektronisches Fahrtenbuch hilft bei der Steuererklärung. Interessant seien die App-Lösungen auch für Besitzer, deren ältere Autos technisch spartanisch ausgestattet sind. Fehlt ein Drehzahlmesser, lässt sich die Drehzahl über die App anzeigen. VW bietet mit der Connect-App und dem Data-Plug-Stecker eine eigene Diagnoselösung für Fahrzeuge ab Baujahr 2008 für rund 40 Euro an. Der Pace-Link-Dongle kostet rund 120 Euro, der Adapter von Carly rund 60 Euro, dazu kommt noch eine Software-Vollversion für rund 50 Euro.

Privates Auslesegerät: Eine passende App fürs Smartphone empfängt die Daten aus dem Auto und zeigt sie an. © Quelle: Will Beeching/Carly/dpa-tmn

Kritik: Ablenkung durch Zusatzfunktionen

Autofahrer sollten bei der Suche nach einem passenden Anbieter und Adapter prüfen, ob das System zu Modell, Baujahr und Motor passt. Danach muss der Nutzer eine App als Software auf sein Smartphone laden, ein Konto erstellen und es mit dem Adapter koppeln sowie synchronisieren. „Nutzern sollte klar sein, dass Daten erhoben und gespeichert werden. In welchem Umfang, darüber informieren viele Anbieter bisher unzureichend“, sagt Mühlich, der auch zum vorsichtigen Gebrauch rät: „Die angezeigten Daten der App lenken beim Fahren ab, auch wenn man sie über Carplay oder Android-Auto ins Autodisplay spiegeln lässt.“

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Digitale Erweiterung: Das Smartphone ergänzt die Bordinstrumente – sollte aber nicht von der Straße ablenken. © Quelle: PACE Telematics GmbH/dpa-tmn
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Apps ersetzen keine Fachwerkstatt

ADAC-Technikchef Reinhard Kolke sieht den Vorteil der Apps darin, dass Kunden einen ersten Ansatzpunkt zur Fehleranalyse sehen. „Allerdings können die Apps und Infos daraus kaum eine professionelle Diagnose in einer Fachwerkstatt ersetzen“, gibt er zu bedenken. Denn die meisten Anbieter beschränken sich auf die Diagnose des Motors, untersuchen jedoch nicht Komfort-, Entertainment- und Fahrerassistenz-Steuergeräte. „Wenn beispielsweise der Fehler ‚Lambdasonde‘ angezeigt wird, sagt mir die App nicht, ob wirklich das Bauteil defekt ist, seine Zuleitung oder das zugehörige Steuergerät.“

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dale/RND/dpa

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