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Analyse: Tiktok verbannt LGBTQ-Themen und politische Hashtags

  • Die chinesische Social-Media-App Tiktok steht erneut in der Kritik.
  • Eine Gruppe australischer Forscher spricht vom sogenannten Shadowbanning.
  • Dabei soll die Plattform gezielt bestimmte Inhalte zensieren und diese Nutzern im Feed vorenthalten.
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Forscher des Australian Strategic Policy Institutes (ASPI) werfen der App Tiktok die Zensur von politischen Themen sowie Beiträgen im Zusammenhang mit LGBTQ vor. Wie die Gruppe im Rahmen einer Analyse herausgefunden hat, versteckt die Plattform Hashtags aus entsprechenden Bereichen in mehreren Sprachen. Tiktok unterdrücke gezielt Inhalte und mache diese schwerer auffindbar, heißt es in dem Bericht. Die Indexierung bestimmter Hashtags, die nicht offiziell auf einer Bannliste auftauchen, wird auch als Shadowbanning bezeichnet.

Von der Zensur betroffen sind unter anderem die arabischen Hashtags für die Wörter “schwul” und “transgender”, auch die russischen Begriffe #гей (“schwul”) und #ялесбиянка (“Ich bin lesbisch”) wurden von Tiktok verbannt. Die Videos werden zwar nicht gelöscht, erscheinen allerdings nicht in der Suchfunktion und auch im Feed werden Videos mit entsprechenden Schlagwörtern nicht angezeigt. “Diese Art der globalen Zensur ist nicht unpolitisch. Im Gegenteil: Sie macht die App zu einem politisch mächtigen Akteur”, schreiben die Forscher.

Politische Hashtags auf der Blacklist

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“Diese unverblümte Herangehensweise an die Zensur betrifft nicht nur die Bürger eines bestimmten Landes, sondern alle Nutzer, die diese Sprachen sprechen, unabhängig davon, wo auf der Welt sie leben”, heißt es weiter. Währenddessen werde Tiktok-Benutzern, die Videos mit diesen Hashtags posten, der Eindruck vermittelt, dass ihre Beiträge genauso durchsuchbar sind wie die Beiträge anderer Benutzer. In Wirklichkeit seien sie dies jedoch nicht.

Auch einige politische Begriffe stehen bei Tiktok offenbar auf einer Blacklist. So ist ein Hashtag in Bezug auf den indonesischen Präsidenten Joko Widodo oder der Ausruf “Why do we need a king?” auf Thailändisch von dem Shadowbanning betroffen. Ebenfalls sind unter dem Ausdruck “Putin ist ein Dieb” auf Russisch keine Beiträge zu finden, wie die Forscher herausgefunden haben. In ihrem Bericht haben die Forscher eine vollständige Liste der von der Moderation zensierten Hashtags veröffentlicht.

“Guardian” enthüllt Moderationsrichtlinien

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Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) äußerte sich Tiktok zu den Vorwürfen: “Wir halten uns an lokale Gesetze. Als Teil unseres lokalisierten Moderationsansatzes waren einige Begriffe, die das ASPI zur Verfügung stellte, teilweise aufgrund einschlägiger örtlicher Gesetze eingeschränkt. Andere Begriffe wurden eingeschränkt, weil sie in erster Linie bei der Suche nach pornografischen Inhalten verwendet wurden.”

Einige Hashtags würden zudem nicht erscheinen, da sie noch nie verwendet worden seien. Des Weiteren gibt die Plattform zu, Begriffe falsch moderiert zu haben. So seien zusammengesetzte Sätze in Arabisch fälschlicherweise moderiert worden, weil “ein Teil des Satzes sich auf Pornografie beziehen könnte”. Auch seien einige englische Phrasen falsch moderiert worden. Derzeit führe man eine Überprüfung entsprechender Begriffe durch. Tiktok habe sich zudem dazu verpflichtet, seine Moderationsrichtlinien, Algorithmen und Datensicherheitspraktiken Experten zur Verfügung zu stellen.

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Es ist nicht das erste Mal, dass Tiktok für die Zensur von LGBTQ-Inhalten kritisiert wird. Bereits Ende 2019 erhielt der “Guardian” Einsicht in die Moderationspraktiken der Plattform. Demnach standen etwa in der Türkei Videos auf dem Index, die gleichgeschlechtliche Paare beim Händehalten zeigten. Auch Berichte über homosexuelle Gruppen, Charaktere, Musik und TV-Shows sollten Nutzern demnach nicht im Feed angezeigt werden. Zudem hatten mehrere Transgender-User Tiktok Anfang des Jahres vorgeworfen, ihre Inhalte zu löschen oder den Sound aus den Videos zu entfernen, wie unter anderem die BBC berichtet.

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