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Trotz Digitalisierung: Senioren brauchen viel Unterstützung im Internet

  • Senioren sind und bleiben bei den Internetnutzern unterrepräsentiert.
  • Daran ändert auch die Corona-Pandemie kaum etwas, in der Videotelefonie auch bei Älteren an Bedeutung gewonnen hat.
  • Viele Ältere würden zwar gerne online gehen, benötigen dafür aber viel Hilfe.
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Der digitale Graben unter Deutschlands Senioren ist groß und schwer überbrückbar. Das belegt eine Studie des IT-Branchenverbands Bitkom zur Internetnutzung über 65-jähriger hier zu Lande. Nur knapp die Hälfte von ihnen war nach eignen Aussagen in den letzten Monaten online, woran auch Pandemie, Lockdown und Ausgangsbeschränkungen so gut wie nichts geändert haben.

“Wir können keinen positiven Effekt der Corona-Krise bei älteren nicht Nutzern feststellen”, betonte Bitkom-Chef Achim Berg bei Vorstellung der zweigeteilten Studie. Gefragt wurde einmal im Januar vor Ausbruch der Pandemie und ein zweites Mal im Juli. Die Internetpräsenz der über 65-jährigen stieg dabei kaum messbar von 48 auf 49 Prozent.

Videotelefonie bei Senioren beliebt wie nie

Zum Vergleich: 54 Prozent aller Sechs- bis Neunjährigen sind hierzulande regelmäßig online. Erkennbare Corona-Effekte gab es dagegen bei der Hälfte der Älteren, die schon vor Ausbruch der Pandemie regelmäßig im Netz waren. Den größten Sprung verzeichnete Videotelefonie, die aktuell vier von zehn Senioren nutzen gegenüber drei von zehn im Januar. So konnten sie in der Pandemie soziale Kontakte halten.

Beim Einkaufen in Onlineshops stieg die Quote von 67 auf 72 Prozent, beim Lesen von Onlinenachrichten von 84 auf 88 Prozent. “Ältere Onliner waren während der Pandemie intensiver im Netz oder haben neue Dienste ausprobiert”, stellt Berg klar. Aber das betrifft nur die Hälfte heimischer Senioren, die überhaupt online ist.

Viele ältere Menschen wollen online gehen

Hoffnung macht Berg, dass sich im Internet aktive Senioren zu 62 (Januar 56) Prozent ein Leben ohne Netz nicht mehr vorstellen können. Der Bitkom-Chef appelliert deshalb, internetwillige Senioren nicht digital abgehängt zu lassen. Von älteren nicht Onlinern beklagen immerhin 14 Prozent, dass sie niemanden haben, der ihnen das Internet zeigt. Fast die Hälfte beteuert, dass sie keine technische Möglichkeit habe, ins Netz zu gehen. Grundsätzlich jeden Kontakt zum Internet ablehnen würden dagegen nur drei von zehn nicht Onlinern. Hochgerechnet auf alle Senioren wären damit gerade einmal 15 Prozent digitale Totalverweigerer.

Berg folgert aus der Studie zweierlei. Erstens hätten sich digitale Technologien während der Pandemie in vielen Bereichen gerade auch für Senioren bewährt. “Der Schritt ins digitale Neuland fällt Senioren aber immer noch schwer, es braucht noch mehr Hilfsangebote”, lautet seine zweite Erkenntnis. “Helfen können digitale Streetworker”, sagt der Bitkom-Chef und sieht kommunale Verwaltungen aufgerufen. Würden deutsche Verwaltungen digitalisiert, was ohnehin sinnvoll wäre, werde dadurch Personal frei, das man für digitale Seniorenhilfsdienste umschulen könnte.

Mehr Hilfsangebote für lernwillige Senioren

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Für Senioren, die noch gut auf den Beinen sind, sollte man hierzulande flächendeckend digitale Erprobungsräume etwa in Alten- und Servicezentren einrichten, um Senioren dort zu zeigen, wie die Technik funktioniert und um Berührungsängste zu nehmen. Auf karitative Einrichtungen allein dürfe sich der Staat nicht verlassen. Hier leisten junge Menschen mittlerweile ein soziales Jahr, auch indem sie Senioren ins Internet bringen.

“Wir dürfen nicht zulassen, dass grundsätzlich Interessierte der digitalen Welt fernbleiben, weil ihnen Unterstützung fehlt”, sagt Berg. Digitale Teilhabe sei gerade für Senioren wichtig und drängende Aufgabe moderner Digitalpolitik. Das zeige schon die beeindruckende Offenheit der “Generation 65 plus” gegenüber digitalen Gesundheitslösungen. So würden viele gezielt nach Zugriff auf Onlinebewertungsportalen für Ärzte oder Onlinesprechstunden verlangen.

Die Diskrepanzen zwischen Wunsch und Realität sind teils eklatant. So lassen sich derzeit 6 Prozent aller Senioren telemedizinisch überwachen, jeder zweite möchte das aber künftig. 59 Prozent aller gut 1000 Befragten verlangen allgemein nach mehr technischer Hilfe in Internetfragen. 69 Prozent aller Senioren sehen das Internet aktuell als Chance. Vor einem halben Jahr waren es erst 64 Prozent. Auch das zeigt, dass hierzulande deutlich mehr Senioren im Netz sein könnten als es sind.

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