Corona-Datenspende: Die RKI-App im Test

  • Das Robert-Koch-Institut erhofft sich mit der App “Corona-Datenspende” neue Erkenntnisse.
  • Wir nehmen Installation, Funktionen und Datenschutz der Corona-App im Selbsttest unter die Lupe.
  • Das Ergebnis: einfache Handhabung – allerdings mit kleinen Mängeln.
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"Corona-Datenspende“ – das ist die neue App, die das Robert-Koch-Institut vor einigen Tagen veröffentlicht hat. Rund 50.000 Menschen haben sie bereits am ersten Tag installiert. Doch was spende ich dem Robert-Koch-Institut eigentlich genau? Und wie sieht es mit dem Schutz meiner Daten aus? Wir haben einen Blick in die App geworfen und für Sie den Test gemacht.

Auf welche Daten hat die RKI-App Zugriff?

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IOS- und Android-Nutzer können spenden, wenn sie eine Smartwatch oder ein Fitnessarmband von Fitbit, Garmin, Polar, AppleHealth, Withings oder Google Fit besitzen. Wir haben für den Test eine Fitbit Versa 2 benutzt. Durch die Installation erhält das Robert-Koch-Institut eine Handvoll Daten, die bereits über die Fitbit-App auf dem Smartphone gespeichert sind. Damit hat das Institut Zugriff auf Daten zu Alter, Größe, Geschlecht und Gewicht. Zusätzlich werden Daten zu Sport, Aktivität, Ruhezeiten, Puls, Stress oder Blutdruck manuell erfasst.

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Wir haben die App "Corona-Datenspende" für sie getestet. Da sind die ersten Schritte.  @ Quelle: imago images/ Jens Schicke/ Montage


Was kann die Datenspende-App über den Gesundheitszustand aussagen?

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Die Daten können Aufschluss über eine mögliche Erkrankung geben. “Bei einer akuten Atemwegserkrankung ändern sich diese Vitalzeichen in den meisten Fällen deutlich. Daher können auch typische Covid-19-Symptome wie Fieber durch die App erkannt werden”, teilte das RKI mit. Der Ruhepuls erhöhe sich laut App-Entwicklern rund acht bis neun Schläge pro Minute, wenn die Körpertemperatur um einen Grad steigt. So weit die Fakten. Wie sieht das in der Praxis aus?

Datenspende-App vom RKI: So funktioniert die Installation

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Die Installation der App funktioniert schnell und einfach. Im Grunde sind es nur drei Schritte:

  1. Postleitzahl eingeben
  2. Wearable verknüpfen
  3. auswählen, welche Vitaldaten man preisgeben möchte

Auf den ersten Blick wirkt die Vorgehensweise des RKI sehr transparent. Vor der Erfassung der Daten werden Nutzer darüber aufgeklärt, wozu diese verwendet werden und wie sie damit helfen. Zudem erhalte Nutzer ein Pseudonym. Darunter sind die Daten gespeichert. Und ganz wichtig: Das Löschen des Kontos ist jederzeit möglich.

Corona-App: Was macht das RKI mit meinen Daten?

Bei genauerem Hinsehen erscheint die App hingegen weniger transparent. So bekommt der Nutzer bei der Einrichtung zwar erklärt, dass die Daten dabei helfen, "die Dunkelziffer der Infizierten zu minimieren“, eine detaillierte Aufklärung fehlt allerdings. Diese bekommt man erst über einen zusätzlichen Besuch auf der Website des Instituts. Die Auflösung: Nach Aufbereitung der Daten, wird eine Karte erstellt, welche die Verbreitung von möglicherweise infizierten Personen darstellt. Die Karte kann unter corona-datenspende.de abgerufen werden.

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Nur vollständige Angabe der Daten ist hilfreich

Doch wie freiwillig ist die Angabe der Daten wirklich? Bei der Information über die Postleitzahl weist das RKI darauf hin, dass eine falsche Angabe "wertlos“ für die Datenspende sei. Ähnliches gilt dafür, welche Vitaldaten genau gespendet werden.

Im Selbsttest wurden die Parameter Schlaf, Herzfrequenz, Gewicht, Profil, Aktivitäten und Training einzeln ausgewählt und zur Verfügung gestellt. Doch auch hier erfolgt der Hinweis: “Wenn du nur für einige Daten Berechtigungen erteilst, funktioniert die Corona-Datenspende eventuell nicht richtig.“ Für eine "richtige” Spende bleibt also nur die Freigabe aller Daten.

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Als eine der ersten Einrichtungen in Deutschland darf die Uniklinik Erlangen Immunplasma für Corona-Patienten herstellen.  © Chantal Ranke/Reuters

Wie sicher sind meine Daten wirklich?

Vielen Menschen stellt sich die Frage nach der Sicherheit ihrer Daten. Auch wenn Nutzer im Zuge der Einrichtungen über die Anonymisierung und Pseudonymisierung aufgeklärt werden, verunsichern die Aussagen des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Professor Ulrich Kelber. In einem Statement sagt er, dass die Behörde im Vorfeld zwar beratend tätig war, aber bisher noch keine fertige Version der App vorliegen habe. Zudem ist der Quellcode der App noch nicht öffentlich, sodass aus technischer Sicht noch keine Aussage getroffen werden kann. Damit bleibt ein fader Beigeschmack. Trotz Versicherung des RKI ist unsicher, was letztendlich mit den Daten passiert.

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Eine Frage bleibt zum Beispiel offen: Durch die Zustimmung erlauben Nutzer dem Robert-Koch-Institut sämtliche Daten des Fitnesstrackers zur App zu transferieren. Was allerdings nicht klar wird: Werden dabei nur die aktuellen Daten der Vitalzeichen übertragen oder auch Aufzeichnungen zur Aktivität aus der Vergangenheit? Schließlich gilt: Je länger ein Gerät in Nutzung ist, desto größer ist die Datenmenge, die man dem RKI zur Verfügung stellt.

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Fazit: Eine App für den guten Zweck

Die "Corona-Datenspende“-App lässt sich schnell und einfach installieren. Einmal auf dem Smartphone eingerichtet, müssen Nutzer nichts weiter machen, als die Smartwatch oder das Fitnessarmband tragen – bestenfalls Tag und Nacht. Auch wenn Zweifel in Bezug auf die Datenschutzrichtlinien bestehen, ist die App momentan wohl die einfachste und sicherste Methode, um einen helfenden Beitrag im Kampf gegen das Coronavirus zu leisten.

Immerhin werden keine konkreten Ortungsdaten gesammelt. So sagt auch Professor Kelber, dass er eine datenschutzkonforme Umsetzung für möglich halte und der BfDI die Datenverarbeitung begleiten werde. Dennoch ist Vorsicht geboten, schließlich handelt es sich um sehr sensible Daten. Sollten sich Nutzer also Sogen um ihre Daten machen, kann das Konto mit zwei Klicks ebenso schnell gelöscht werden, wie es erstellt wurde.

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