„Riders Republic“ im Test: Abfahrt für alle

  • Funsport in zahllosen Varianten bringt „Riders Republic“ auf PC, Playstation und Xbox, jetzt erhältlich ab 60 Euro.
  • Es bietet chaotische und bunte Abwechslung in großen Mengen.
  • Der anbiedernd extreme Funsportstyle kann allerdings anstrengend werden.
Jan Bojaryn
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Funsportspiele haben etwas Urtümliches. Wenn sich jemand mit einem Raketenrucksack in einen Canyon stürzt, oder mit einem Klapprad von der Klippe, dann können viele Menschen gar nicht anders, als zuzuschauen. Die Freude an der Bewegung und die Schadenfreude am spektakulären Unfall sind der Motor von „Riders Republic“.

Das Spiel ist Ubisofts Angriff auf ein Genre, das in den letzten Jahren eher dürftig bedient wurde. Snowboardserien wie „SSX“ und Skateboardspiele der „Tony-Hawk“-Serie gehörten einst zur gefühlten Grundausstattung einer Spielkonsole.

Möglichst viel von möglichst allem

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Ubisoft setzt darauf, dass es all die Extremsportfans noch gibt, und serviert ihnen einen fantastischen Freizeitpark. „Riders Republic“ spielt in einem zusammengeklatschten Best-of aus sieben Nationalparks der USA. Bei der Erkundung kann es schnell passieren, dass die Sportgeräte auf halber Strecke gewechselt werden müssen. Wer sich auf Skiern vom Gipfel in den Tiefschnee wagt, der kann im Tal per Knopfdruck aufs Fahrrad umsteigen, ohne den Schwung zu verlieren. Im Wesentlichen gibt es fünf Karrierepfade, die auf Tricks und Rennen mit Fahrrad, Snowboard oder Ski sowie Luftsport aufgeteilt werden. Im Detail gibt es eine Reihe weiterer Fortbewegungsmittel und feiner Unterschiede.

In der Praxis verschwimmen die Inhalte ziemlich schnell. Beim Erkunden stoßen Spieler auf Sammelgegenstände. Sie absolvieren „Shackdaddy“-Events – möglichst absurde und lebensmüde Aufgaben mit unsinnigen Sportgeräten. Sie nehmen an Massenrennen teil, bei denen 64 Spieler gleichzeitig wie eine bunte Farbwolke über die Strecke wabern und während der Fahrt die Disziplinen gewechselt werden.

Der Überblick geht nicht nur beim Aufzählen der Inhalte verloren. Auch beim Spielen fühlt sich „Riders Republic“ anfangs so an, als wäre alles zu viel. In den ersten Spielstunden wartet am Ende jedes Trails noch ein Tutorial, garniert mit Belohnungen, Texttafeln und Hinweisen. Sich das alles zu merken ist Arbeit. Immerhin ist die Steuerung durch die Bank einfach umgesetzt, vieles bleibt unabhängig vom Fortbewegungsmittel gleich. Aber wer sich auf eine Sache konzentrieren will, der erlebt ein ganz anderes Spiel. Bei Hochgeschwindigkeitsrennen auf schmalen Trails ist jeder Lenkfehler tödlich; Spieler können zwar zurückspulen, die Gegner fahren währenddessen aber weiter und davon.

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Dabeisein ist alles

In anderen Spielen hätten diese plötzlich und unregelmäßig auftretenden Schwierigkeiten ein hohes Frustpotential. „Riders Republic“ setzt eine erstaunliche Neuerung dagegen: Dabeisein ist alles. Wer am Ende über die Ziellinie fährt, bekommt einen Stern. Für gute Zeiten oder Platzierungen gibt es oft zusätzliche Sterne, aber die Karriere lässt sich sehr weit spielen, ohne je ein Siegertreppchen zu sehen. Und Sterne gibt es auch für Aufgaben, die gar kein Geschick verlangen, etwa das Finden von Sehenswürdigkeiten.

Schwierig ist „Riders Republic“ also nur, wenn Spieler das wollen. Schwer zu ertragen sind dagegen die quasselnden Trainer und Missionsgeber. Sie müssen offenbar in jedem Satz mindestens zwei aufdringlich radikale Nonsensformulierungen unterbringen. Auf Deutsch klingen die Sprecher gelegentlich selbst etwas belustigt, wenn sie „Alles klar, Herr Kommissar“, oder „das ist mein Spielplatz, Baby“ grölen, und das macht es besser. Vor allem zu Beginn des Spiels können die ständigen Wortmeldungen wirklich nerven. Dankenswerterweise lassen sie sich leise regeln.

Auch ohne dumme Sprüche schön

Wer Berge und Mountain Bikes mag, aber deswegen nicht gleich Red Bull TV schauen will, der kann „Riders Republic“ nutzen, um einfach die Berge und die virtuelle Natur zu erkunden. Entdeckungsdrang wird ebenfalls belohnt. Hunderte Ballons, zig Sehenswürdigkeiten und einige kuriose Fortbewegungsmittel können gefunden werden. Wer den „Zen-Modus“ einschaltet, der kann die Spielwelt sogar ganz ohne Karriere und Gequatsche genießen.

Gut aussehen kann „Riders Republic“ auch, das hängt allerdings von der Rechenleistung ab. Auf allen Plattformen bietet das Spiel weite Naturlandschaften mit stimmungsvollem Licht und Wetter. Auf Next-Gen-Konsolen hat uns vor allem begeistert, dass alles immer verfügbar ist: Ein Rennen neu zu starten oder an einen anderen Ort auf der Karte zu springen funktioniert fast ohne Ladezeiten.

Ob „Riders Republic“ über längere Zeit ein Erfolg wird, bleibt eine offene Frage. Aber es ist ein sehr starker Angriff auf eine ziemlich schwach besetzte Nische. Gäbe es ein Siegertreppchen, stünden die Rider oben.

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