Ärger auf Twitter: Großkonzern Otto erntet Kritik für gendergerechte Sprache

  • Weil der Otto-Konzern auf Twitter das Gendersternchen genutzt hat, hagelte es Kritik.
  • Zeitweise trendeten die Hashtags #Otto und #gendern.
  • Unternehmenssprecher Frank Surholt verteidigt die gendersensible Sprache – der Konzern stehe zu seiner Entscheidung.
Julia Haller
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Berlin. Eigentlich sollte es um etwas ganz anderes gehen: Auf Twitter postet der Großkonzern Otto die aktuelle Folge seines Podcasts „O-Ton“, die sich mit hybrider Zusammenarbeit beschäftigt. Dass das Unternehmen in seinem Post allerdings von „Kolleg*innen“ schreibt, zieht die Aufmerksamkeit der Twittergemeinde auf sich – und deren Unmut.

Otto steht zu gendersensibler Sprache

„Wir sind überrascht von der Kritik“, äußerte sich Otto-Sprecher Frank Surholt zu dem Vorfall. „Aber es sei jedem freigestellt, wie er das findet.“ Im Jahr 2019 entschied sich der Vorstand für eine gendersensible Sprache im Unternehmen. „Wenn man sich dafür entschieden hat, steht man dazu – das tun wir“, sagte Surholt dem RND. „Und dann müssen wir auch eine Kritik daran ertragen können.“

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Die Diskussionen zur gendergerechten Sprache lassen auf Twitter zeitweise die Hashtags #Otto und #gendern in Deutschland trenden. Mehrere User kündigten an, nicht mehr bei dem Unternehmen bestellen zu wollen. Einer schrieb beispielsweise: „Wer gendert, kriegt keine Bestellung. So einfach ist das, und Amazon freut sich.“ Das Social-Media-Team des Konzerns zeigte sich darauf unbeeindruckt: „Stimmt, so einfach ist das: Wir gendern. Und du musst nicht bei uns bestellen. ;)“

Die aktuelle Debatte zeigt laut einer Sprecherin von Fairlanguage, dass das Thema nach wie vor stark aufgeladen ist. Fairlanguage ist ein Angebot der GFGK Gesellschaft für gerechte Kommunikation, die Unternehmensworkshops für gendergerechte Sprache anbietet. „Insbesondere Unternehmen positionieren sich häufig sehr bewusst für gendersensible, inklusivere Sprache. Weil das in ihren Unternehmenswerten eine wichtige Rolle spielt“, sagt die Sprecherin weiter.

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Unternehmen gendern häufig nicht intern

Dass das Unternehmen nun kritisiert werde, habe eher mit einer allgemeinen Ablehnung des Themas zu tun: „Die meisten Menschen haben keine Verständnisprobleme und bemerken den Unterschied häufig noch nicht mal – bis dann darüber gesprochen wird, dass die Sprache gendersensibel ist.“

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Surholt zufolge war der Otto-Konzern vor drei Jahren eines der ersten größeren Unternehmen, das sich gendersensible Sprache auf die Fahne schrieb. Mittlerweile nutzt knapp jedes dritte deutsche Unternehmen genderneutrale Sprache. Das geht aus einer Umfrage des Personaldienstleisters Randstad und des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in München hervor.

Die Studie fand auch heraus, dass Unternehmen diese veränderte Sprache vorwiegend nach außen hin nutzen würden – in der internen Kommunikation aber beim generischen Maskulinum blieben. Laut Surholt ist das bei Otto anders – hier achte man auch intern auf eine gendersensible Sprachweise.

„Wir wollen uns damit gegen Diskriminierung positionieren und für Vielfalt eintreten“, erklärt er. Ein Blick in die Vorstandsebene zeigt jedoch, dass dieses Bestreben nicht gleich eine komplette Umstrukturierung mit sich bringt: Von sechs Vorstandsmitgliedern ist nur eines weiblich. „Das ist ein Riesenthema im Unternehmen“, räumt Surholt ein. Otto sei auf unterer und mittlerer Führungsebene gut aufgestellt, was die Frauenquote angehe. Nach oben hin wolle man dies ausweiten – etwa, indem das Unternehmen Ausschreibungen gezielter an Frauen adressiert.

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Das Thema geschlechtergerechte Sprache ist auch außerhalb der sozialen Median ein viel diskutiertes Thema. Zuletzt sprach sich Frauen- und Familienministerin Christine Lambrecht (SPD) gegen das Gendersternchen in Behörden aus. Der Grund: Die Schreibweise mit Sternchen sei „rechtschreibwidrig“. Außerdem sei nicht klar, ob Wörter wie „Kolleg*innen“ allgemein verständlich seien.

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