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Öffnungsdebatte: Verschiedene elektronische Tools können helfen

  • Wie könnte eine sichere Öffnung der gastronomischen Betriebe funktionieren?
  • Der Musiker Smudo hat eine Kontakte-App vorgestellt, die das möglich machen soll. Aber auch andere Unternehmen wollen bessere Softwarelösungen zur Kontaktnachverfolgung anbieten.
  • Wir stellen einige von ihnen vor.
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Gastronomie und Veranstalter stehen in den Startlöchern, um auch endlich wieder öffnen zu können. Luca, die App von Musiker Smudo von den Fantastischen 4 ist derzeit als potenzieller Schlüssel zur Wiederöffnung von Gastronomie und der Wiederaufnahme von Publikumsveranstaltungen in aller Munde. Eigentlich wollte die Bundesregierung am Montag darüber entscheiden, Luca als zweite App neben der Corona-Warn-App anzubieten. Doch die Entscheidung wurde vertagt.

Die Kontaktnachverfolgung im Falle einer Corona-Infektion ist die Achillesferse der Pandemiebekämpfung. Die offizielle Corona-Warn-App hat wegen Datenschutzbedenken keine Funktion, einen Ansteckungsort festzustellen. Das erschwert die Kontaktnachverfolgung und schränkt den Nutzen der App empfindlich ein. Dabei gibt es Optionen auf dem freien Markt, die eine kontrollierte Öffnung von Gastronomie, Einzelhandel, Kulturveranstaltern und anderen publikumsintensiven Institutionen durchaus erleichtern könnten. Mittlerweile bieten etliche Unternehmen Lösungen zur Datensammlung und -verfolgung an.

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Kritik an Luca-App

Viele Gastwirte hatten schon im vergangenen Jahr zu hausinternen Lösungen gegriffen, um die Zettelwirtschaft zu unterbinden. Einfache Formulare, die per Barcode aufgerufen werden konnten, erleichterten den Eintrag persönlicher Daten. Doch auch komplexere Angebote sind auf dem Markt. So stellte der Musiker Smudo von den Fantastischen 4 kürzlich die App Luca vor, die eine Kontaktverfolgung mit dem Segen von Datenschützern erleichtern soll.

Die Luca-App stößt aber nicht nur auf Begeisterung. Gegenwind kommt von anderen Start-ups, die über kein so prominentes Aushängeschild wie Smudo verfügen. „Wir sehen die große Gefahr, dass der Wettbewerb durch die Luca-App unterminiert wird“, erklärten unter anderen die Anbieter und Entwickler Railslove, Darfichrein.de, CoronaAssist:Presence, Kontakterfassung.de und Hygieneranger kürzlich.

Viele verschiedene Anbieter

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Railslove-Geschäftsführer Jan Kus, dessen Unternehmen mehrere Lösungen zur Kontaktverfolgung entwickelt und erworben hat, verwies darauf, seine Lösung Recover sei bereits seit Mai 2020 bei Gastronomen, im Einzelhandel, bei Konferenzen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen im aktiven Einsatz. In seiner Heimatstadt habe auch Fortuna Köln seit September mit Recover die Gäste auf den Sitzplätzen datenschutzkonform erfasst.

Bei Recover muss auf dem Smartphone keine App installiert werden. Ähnlich wie bei Luca wird mit der Kamera ein QR-Code erfasst und eine Website von Recover aufgerufen. Dort werden die Kontaktdaten eingetragen und der Veranstaltung zugeordnet. Mit einem weiteren Fingertipp kann man sich wieder auschecken.

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Weitere Anbieter auf dem Markt sind unter anderen Checkin.Jetzt, e-guest und Checkyn.

Lucas Quellcode noch nicht öffentlich

Doch auch zur Luca-App sind noch einige Fragen offen – etwa zur Datensicherheit. „Ob und inwiefern die Luca-App ihre Versprechen erfüllt, kann man von außen zu diesem Zeitpunkt leider nicht einschätzen. Die Entwickler der Luca-App haben bislang weder eine genaue technische Systembeschreibung noch Quellcode oder andere Details vorgelegt“, sagt Tibor Jager, Professor für IT-Sicherheit und Kryptografie an der Bergischen Universität Wuppertal gegenüber dem Science Media Center. Jager betont, dass man bei der Corona-Warn-App gemerkt habe, dass Transparenz eine Grundvorraussetzung für das Vertrauen der Nutzer sei. „Daher ist es wichtig, dass eine unabhängige Überprüfbarkeit durch Dritte ermöglicht wird. Dafür müssen Quellcodes und eine vollständige technische Systembeschreibung veröffentlicht werden.“

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Vida rechnet pro Kontakt ab

Bereits seit Mai 2020 gibt es auch die App Vida. Sie erfüllt alle Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und ist ein universelles System zur Erfassung von Gastkontaktdaten. Die App kann branchenübergreifend und sogar privat genutzt werden. Mit der Vidago-App lassen sich etwa private Treffen durch Scannen eines QR-Codes erfassen, um im Infektionsfall Kontakte an das Gesundheitsamt weiterleiten zu können. Alternativ bietet Vida für User ohne Smartphone auch eine Kartenlösung an. Die Nutzung der App ist für Gäste gratis. Für Veranstalter/Gastronomen beginnt der Preis bei 10 Euro für 1000 Transaktionen. Vida ist aber nach eigenen Angaben auch in der Lage, Großveranstaltungen mit bis zu 400.000 Checks zu bedienen.

Viele Lösungen schon seit Mai im Angebot

Ebenfalls seit Mai auf dem Markt ist die Plattform corona-anmeldung.de. Dort können sich Wirte, Sportvereine, Veranstalter oder Firmeninhaber kostenfrei anmelden. Durch Scannen eines QR-Codes beim Betreten eines Restaurants oder einer Veranstaltung können Gäste ihre Kontaktdaten über das eigene Smartphone eingeben und damit kontaktlos und zugleich nachhaltig hinterlassen. Die Plattform verwaltet die Daten dabei sicher und nach den Vorgaben der DSGVO, teilt das Unternehmen mit.

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Ähnlich funktioniert das Portal darfichrein.de. Auch hier scannt man mit der Handykamera einen QR-Code. Alternativ dazu gibt es auch einen Scanner oder einen Direktlink, sollte der QR-Code nicht funktionieren. Danach gibt man seine Daten ein und legt einen Pincode fest. Beim nächsten Gebrauch muss dann nur noch der Pincode eingegeben werden, um die Daten aufzurufen. Nach Eingabe der Daten wird ein Check-in-Ticket generiert. Damit lassen sich etwa Begleitpersonen einchecken oder Speisenkarten aufrufen. Wer mag, kann auch den Social-Media-Kanälen des Gastgebers folgen.

Die App gibt es für Mitglieder des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV), der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB) und des Kommunalen Rechenzentrums Minden-Ravensberg/Lippe (krz) für 5 Euro pro Monat, ansonsten kostet sie 10 Euro monatlich. Die Darfichrein GmbH ist ein Tochterunternehmen der Anstalt für kommunale Datenverarbeitung (AKDB) und des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Bayerische Gastgeber AG). Sie entstand aus dem Hackerwettbewerb WirvsVirus der Bundesregierung.

Achim Berg, Präsident des Digitalverbandes Bitkom, kritisierte kürzlich, dass bei einem Einsatz von Apps wie Luca, Recover oder eGuest vielerorts noch große Verunsicherung vorherrsche, weil einige Verbraucher- oder Datenschützer empfehlen, auf Papierlisten zu setzen. „Dabei haben Apps zur Kontaktnachverfolgung den großen Vorteil, dass persönliche Daten wie Telefonnummer oder Adresse nicht von jedermann eingesehen werden können, die Lesbarkeit sichergestellt ist und vor allem, dass die Gesundheitsämter direkt digital informiert werden, wenn es Infektionen an einem bestimmten Ort gab.“ In Kombination mit der Corona-Warn-App könnten solche Kontaktnachverfolgungs-Apps eine große Unterstützung bei einer Öffnungsstrategie aus dem Lockdown sein.

Mit dpa

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