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Neuer Mobilfunkstandard: 5G ist in Deutschland noch extrem langsam

  • Der neue Mobilfunk-Standard 5G ist mittlerweile in Deutschland schon recht gut verbreitet.
  • Allerdings kann die Technologie ihre Potenziale bei Weitem noch nicht ausreizen, wie eine Studie des Unternehmens Speedcheck ergibt. Gerade im internationalen Vergleich hinkt Deutschland hinterher.
  • Doch das könnte sich mit einer umstrittenen politischen Entscheidung bald ändern.
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5G soll das „Internet der Dinge“, also die industrielle Nutzung des schnellen Mobilfunks, genauso beschleunigen wie die private Nutzung. Trotz einer bereits recht großflächigen Abdeckung hierzulande ist es aber mit der Performanz der 5G-Netze noch nicht weit her. Das ist das Ergebnis eines internationalen Geschwindigkeitsvergleichs, den das Unternehmen Speedcheck gemacht hat. Die Studie zeigt nicht nur, dass Deutschland im Ländervergleich nur Mittelmaß bei der Ausschöpfung des 5G-Potentials ist. Sie unterscheidet auch zwischen unterschiedlichen nationalen Anbietern. Am schlechtesten schneidet bei den Downloadgeschwindigkeiten demnach Vodafone ab.

Nach Einschätzung der Experten wird es noch bis weit ins Jahr 2023 dauern, bis die neue Breitbandtechnologie ihre Leistungsgrenzen ausschöpfen kann. Theoretisch verheißt 5G Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde – und soll damit hundertmal schneller als 4G sein. Diese Zahlen lassen sich in der Praxis allerdings nicht erreichen. Das deutsche Downloadtempo bei 5G liegt im Schnitt bei 121 Mbit/s (Megabit pro Sekunde) – das ist nur ein Viertel der Downloadgeschwindigkeit in Südkorea.

Im internationalen 5G-Vergleich ist die mittlere deutsche Downloadgeschwindigkeit nur Mittelmaß. © Quelle: Speedcheck

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland nur auf Platz fünf. Die Plätze eins und zwei gehen nach Asien, wobei Südkorea die mit weitem Abstand besten Daten vorweisen kann. Erstaunlich ist, dass die USA, die mit einer speziellen Highspeedvariante des 5G-Netzes werben, mit einer durchschnittlichen Performanz von 47 Mbit/s abgeschlagen auf den hinteren Plätzen liegen. Dort bewegt sich das 5G-Downloadtempo teilweise auf 4G-Niveau. Im Durchschnitt ist 5G im Download 2,7-mal schneller als 4G.

In Deutschland immerhin sind 5G-Verbindungen 5,6-mal schneller als 4G-Verbindungen. Beide Werte sind aber meilenweit entfernt von der avisierten 100-fachen Geschwindigkeit.

Telekom am schnellsten

Am flinksten im Lande unterwegs ist das 5G-Netz der Telekom, deren Mittel 149 Mbit/s beträgt – ein Wert, der 16 Prozent höher liegt als der nationale Mittelwert. Grund dafür ist wahrscheinlich die Hinzunahme von freigewordenen Bandbreiten des 2,1-GHz-Bands – zusätzlich zum 3,6-GHz-Band, das seit der 5G-Einführung im September 2019 genutzt wird. Nach Angaben der Deutschen Telekom erreicht das Unternehmen mittlerweile eine 5G-Abdeckung von 68 Prozent. Ziel, so Speedcheck, sei es bis Ende 2021 das 5G-Netz für bis zu 80 Prozent der Bürger verfügbar zu machen. Damit betreibt die Telekom das mit Abstand umfangreichste 5G-Netz.

Auf Platz zwei landet das 5G-Netz des Konsortiums Telefónica/O2. Mit einer mittleren Geschwindigkeit von 139 Mbit/s waren die Spanier beinahe so gut wie die Telekom. Das sei überraschend, so die Experten, da Telefónica/O2 sein 5G-Netz erst im Oktober 2020 – und auch nur in zehn Städten – aktiviert habe. Mittlerweile ist 5G von Telefónica/O2 in 15 Städten verfügbar und möchte bis zum Jahresende eine Abdeckung von 30 Prozent erreichen. Gesendet wird derzeit auf dem 3,6-GHz-Frequenzband.

Die 5G-Werte, die in Deutschland erreicht werden, sind internationales Mittelmaß. Am besten schneidet noch die Telekom ab, Schlusslicht ist Vodafone. © Quelle: Speedcheck

Vodafone abgehängt

Abgehängt ist das Schlusslicht Vodafone, dessen 5G-Netz nur auf eine mittlere Geschwindigkeit von 61 Mbit/s kam. Dabei ist Vodafone in Sachen 5G in Deutschland bereits seit 2019 am Markt. Nach Unternehmensangaben steht das 5G-Netz bereits mehr als 20 Millionen Menschen zur Verfügung, das sind 24 Prozent der Bevölkerung. Bei der Technologie setzt Vodafone laut Speedcheck „auf einen Mix aus Mid-Band-Frequenzen (3,5 GHz) für die Stadtabdeckung und Low-Band-Frequenzen (700 MHz) in ländlichen Gebieten“. Signale mit niedrigen Frequenzen wie 700 MHz sind zwar geeignet für große Reichweiten, bieten aber auch nur langsamere Geschwindigkeiten.

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Besserung scheint aber in Sicht, da demnächst die 3G-Netze abgeschaltet werden Die frei werdenden Frequenzen sollten dann zusätzliche Kapazitäten für die 4G- und 5G-Netze schaffen.

Ausgerechnet eine umstrittene Entscheidung der Bundesregierung könnte in diesem Jahr jedoch den 5G-Durchbruch in Deutschland bedeuten. Denn nach mehrjährigen Debatten hat die Bundesregierung Ende 2020 das IT-Sicherheitsgesetz 2.0 verabschiedet. Es erlaubt jetzt auch, Netzwerkequipment des chinesischen Herstellers Huawei in die deutschen Mobilfunknetze zu integrieren.

Schlüsselrolle für Huawei

Huawei wird nachgesagt, dass Kundendaten gegebenenfalls zu politischen Zwecken der Pekinger Führung missbraucht werden könnten, auch Spionage nicht ausgeschlossen sei und eine Beauftragung mit Netzinfrastrukturen hierzulande die Sicherheit gefährde. Huawei hat dies stets vehement bestritten. Der Konzern verweist darauf, ein unabhängiges Privatunternehmen im Besitz seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sein. Weniger umstritten ist allerdings die Tatsache, dass das chinesische 5G-Equipment fortschrittlicher und preiswerter als jenes der europäischen Konkurrenten Ericsson und Nokia ist.

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Für die Netzbetreiber ist die Nutzung von Huawei-Equipment ein extrem riskantes Unterfangen. Da das Gesetz noch nicht finalisiert wurde, hätte die Bundesregierung immer noch die Möglichkeit, den Einsatz chinesischer Technik zu unterbinden. In den Vereinigten Staaten etwa wird Huawei als nationales Sicherheitsrisiko eingestuft. Auch Frankreich, Schweden und Großbritannien haben Huawei von ihrer Netzentwicklung ausgesperrt.

Die Abwägung lautet also schneller Ausbau zulasten politischer Glaubwürdigkeit oder politischer Konsens zulasten der 5G-Performanz. Sie wird wohl erst von der nächsten Bundesregierung getroffen werden.

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