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„Mit Partnern geht man so nicht um“ – Warum Youtuber und die IG Metall Youtube unter Druck setzen

  • Wer mit seinen Videos auf Youtube Geld verdienen möchte, muss Teil des Youtube-Partnerprogramms werden.
  • Einige Youtuber kritisieren Youtube: Wirklich partnerschaftlich sei dieses Verhältnis nicht.
  • Jörg Sprave hat die Internetbewegung Youtubers Union gegründet und fordert gemeinsam mit der IG Metall Veränderungen von der Plattform.
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Herr Sprave, Sie sind Gründer der Youtubers Union, einer Art „Gewerkschaft“ für Youtuber. Betrachten Sie sich denn als Angestellter von Youtube?

Nein, so wie die allermeisten Youtuber auch fühle ich mich nicht als Angestellter von Youtube. Aber, das muss man ganz klar sagen: Ich fühle mich auch keinesfalls wie ein gleichberechtigter Partner – wie Youtube das gern darstellt.

Warum nicht? Was macht Youtube Ihrer Meinung nach im Umgang mit den Youtubern falsch?

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Wir von der Youtubers Union haben drei Punkte, bei denen wir der Meinung sind, dass sich Youtube stark verbessern müsste. Das erste ist die Transparenz: Wenn ich mit einem Geschäftspartner gemeinsam eine Aufgabe erledigen möchte, dann muss ganz klar sein, was man gegenseitig voneinander erwartet, welche Regeln es gibt. Ich kann ja auch nicht jemandem sagen: „Bau ein Haus für mich, ich sag dir aber nicht, wie es aussehen soll.“ Und hinterher beschwere ich mich dann, dass das Haus mir nicht gefällt.

Was heißt das auf den Fall Youtube übersetzt?

Was ist auf der Plattform erlaubt? Welche Videos werden monetarisiert? (Monetarisierung bedeutet, dass vor oder in einem Video Werbung geschaltet wird. Youtuber werden an diesen Werbeeinahmen beteiligt. Anm. d. Red.) Momentan sind die öffentlichen Regeln so vage gehalten, dass Youtube von Fall zu Fall entscheiden kann. Viele dieser Entscheidungen sind nicht einsehbar: In welche Kategorien ein Video eingestuft wird, bestimmen zum Beispiel künstliche Intelligenzen, das sagt Youtube den Youtubern nicht. Dabei kommt es aber oft auch zu Fehlentscheidungen. Wenn man dann in eine bestimmte Kategorie eingestuft wird – ob zu Recht oder nicht –, kann das extreme finanzielle Konsequenzen für einen Youtuber haben.

Lesen Sie hier: Youtube: So schnell droht Werbeärger

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Sie haben einen Kanal, der sich auch mit Waffen beschäftigt. Sind Sie selbst davon betroffen?

Mein Kanal ist ein Mix aus do it yourself, Erfindungen, Comedy und Stunts. Ab und an wird auch mal geschossen, aber nicht mit Feuerwaffen und auch auf nichts Lebendes. Mein Kanal gehört deshalb aber zu dem Bereich, den Youtube gern als „edgy“ bezeichnet. Deshalb bin ich auch persönlich betroffen, ja. Ich kenne aber auch keinen Youtuber, der sich nicht über dieses Problem beklagt. Denn Youtube hat den Kreis der Videos, die als „edgy“ gelten, sehr ausgeweitet. Vieles, was mit Religion oder auch Politik zu tun hat, fällt mittlerweile in diese Kategorie. Bei diesen Videos werden dann keine Anzeigen mehr geschaltet.

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Was fordern Sie noch von Youtube?

Eine bessere Kommunikation und mehr Fairness. Youtube redet mit Youtubern, die weniger als eine Million Abonnenten haben, nur über anonyme, vorformulierte E-Mails. Da kann man nicht nachfragen: Warum habt ihr dieses Video entmonetarisiert, was kann ich ändern? Mit Partnern geht man so nicht um.

Außerdem misst Youtube mit zweierlei Maß. Es gelten ganz offensichtlich andere Regeln für kleinere Youtuber als beispielsweise für große TV-Sender. Ein News-Youtuber darf etwa keine marschierenden Soldaten zeigen, CNN schon. Gegen diese Unfairness wenden wir uns: Wenn es schon Regeln gibt, dann müssen sie auch für alle gelten.

Lesen Sie hier: Schöne Aussichten: Sieben spektakuläre Youtube-Webcams rund um die Welt

Wir groß ist die Youtubers Union?

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Als ich angefangen habe, gab es gleich sehr viel Zuspruch. Wir waren in relativ kurzer Zeit rund 15.000 Mitglieder. Ich habe dann auch mit Youtube verhandelt und mich mit hochkarätigen Managern der Plattform getroffen. Aber nach anderthalb Jahren habe ich realisiert, dass sich nichts tut. Man redet zwar mit mir, aber Veränderungen gibt es keine. Dann hab ich zusammen mit der IG Metall das Joint Venture Fairtube gegründet. Das hat wieder Bewegung in die Sache gebracht.

Jörg Sprave hat die Youtubers Union im März 2018 gegründet. © Quelle: Jörg Sprave/Privatarchiv Jörg Sprave

Wieso der Zusammenschluss mit einer klassischen Gewerkschaft wie der IG Metall?

Tatsächlich hatte ich die IG Metall bis dahin auch immer eher mit VW oder Thyssen verbunden. Doch die IG Metall beschäftigt sich schon länger mit Themen wie der Gig-Economy. Vorher hatte ich – außer schlechter PR für Youtube – kein Druckmittel. Die Youtubers Union heißt zwar Union, also Gewerkschaft, ist aber im Grunde eine reine Internetbewegung. Die Kombination mit der IG Metall ist dagegen sehr schlagkräftig: Die IG Metall hat Erfahrung, Ressourcen und politische Verbindungen und wir haben ein tiefes Verständnis des Youtube-Ökosystems sowie Zugang zur Community.

Sie haben Youtube dann gemeinsam ein Ultimatum gesetzt, auf das die Plattform acht Stunden vor Ablauf reagiert hat. Haben Sie schon miteinander gesprochen?

Noch nicht. Aber das liegt nicht daran, dass Youtube uns hinhält. Das sind hochkarätig besetzte Gespräche, da ist die Terminfindung etwas schwieriger. Ich bin aber froh, dass man die Sache auf beiden Seiten so ernst nimmt.