„Mario Golf: Super Rush“ im Test: Golfen für Ungeduldige

  • Bei „Mario Golf: Super Rush“ hat Nintendo einen Speedmodus integriert – und das sonst eher langsame Golfspielen damit neu erfunden.
  • Ein sehr stressiges, aber unterhaltsames Partyspiel, findet RND-Autor Jan Bojaryn.
  • Langfristig fehlt es aber an Entwicklungsmöglichkeiten und Abwechslung.
Jan Bojaryn
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Nintendo hat das Golfspielen neu erfunden. Alle Golfer stehen nebeneinander am Abschlag, dreschen ihren Ball – und stürmen sofort hinterher. Das Spiel geht auf Zeit.

Die gnadenlose Beschleunigung des langsamen Sports ist die Hauptattraktion von „Mario Golf: Super Rush“. Bis zu vier Gestalten des Pilz-Königreichs, von Mario bis zur schnurrbärtigen Bombe, rennen ihrem eigenen Ball hinterher. Sie müssen einerseits möglichst schnell spielen. Andererseits werden für jeden benötigten Schlag 30 Sekunden auf die Zeit geschlagen.

Gut zielen müssen die Spieler also auch. Beim Rennen rempeln sie einander an, schweben mit Superkräften über das Grün, sammeln Münzen und Herzen ein. So entsteht ein stressiges, aber sehr unterhaltsames Partyspiel. Allein gegen den Computer macht es eher keinen Spaß, dafür sind die Runden zu chaotisch und zu schnell vorbei.

Kein „Hole in One“

Nintendos neues Golfspiel für die Switch muss viel bieten; es wird zum Vollpreis verkauft und tritt gegen ein drohendes Sommerloch an. Ein Hole-in-One ist es nicht geworden. Die Optik ist bunt und abwechslungsreich, technisch aber etwas altbacken. Die Musik swingt und rockt wunderbar, wird mit den Stunden aber penetrant. Und vom Start weg wirkt es etwas leer, die Optionen sind zu dünn. Aber der brillante neue Speed-Golf-Modus trägt Familien durch ein paar Abende. Wer regelmäßig mit Freunden zockt, der kann daran auch länger Spaß haben. Doch wie es dann weitergeht, ist offen.

Einsame Golfer spielen zuerst das „Golf-Abenteuer“. Sie schlüpfen in ihren selbst gestalteten Mii-Charakter und erleben ein mehrstündiges Abenteuer irgendwo zwischen Rollenspiel und Tutorial. Die Geschichte ist absurd, aber auch egal, denn sie muss nur hanebüchene Ausreden für immer neue Spielvarianten liefern. Und mit dem Schläger in der Hand spielt „Mario Golf“ seine in Jahrzehnten antrainierte Routine aus. Immer wieder Schläger wählen, zielen, mit drei Knopfdrücken Stärke und Spin des Schlages kontrollieren – das ist das Herzstück dieser Videospielversion von Golf, und sie ist makellos umgesetzt. Auch die alternative Steuerung per Bewegungssensor funktioniert gut, fühlt sich aber zwangsläufig weniger präzise an.

Spielbare Flucht ins Grüne

Im Lauf des Abenteuers werden nicht nur Charakterwerte verbessert, der Spielmodus funktioniert auch gut als Training. Das Golf-Abenteuer ist eine Pflichtübung, sonst sind viele der bunten und abwechslungsreichen Kurse gar nicht freigeschaltet. Hier verstecken sich auch ein paar wirklich überraschende und neue Spielideen, wie Golf außerhalb der normalen Regeln funktionieren könnte. Leider tauchen einige nur hier auf und werden danach nicht weiter entwickelt.

Mit „Battle-Golf“ gibt es neben der Speed-Variante noch einen interessanten, aber etwas unausgereiften Action-Modus für mehrere Spieler. Sehr bald stellt dieses Spiel aber die eigentliche Frage: Lust auf eine ganz normale Runde Golf? Das kann Mario immer noch am besten, und das muss Mario-Golfern in all seiner entschleunigten, konzentrierten Idylle Spaß machen.

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Kein Spezialschlag und keine Multiplayervariante kann darüber hinwegtäuschen. Es gibt keine großen Turniere oder bedeutsamen Entwicklungsmöglichkeiten nach dem Abenteuer-Modus. Und frühere Spiele der Serie hatten mehr Kurse. Kinder, die sonst eher auf „Mario Kart“ stehen, könnten sich also langweilen. Doch wer gerne mit Controller entspannt, der findet in Mario eine sehr gut spielbare Flucht ins Grüne.

Info: „Mario Golf: Super Rush“ ist am 25.06. für Nintendo Switch erschienen und kostet 60 Euro.

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