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Empathie als Superkraft: „Life is Strange: True Colors“ im Test

  • Der dritte Teil der „Life is Strange“-Reihe stammt nicht mehr von den ursprünglichen Entwicklern der Serie.
  • Deck Nine Games setzen die Erfolgsformel der ersten Ableger fort, ohne große Experimente zu wagen.
  • Spielerisch ist das nach wie vor dünn, doch Welt und Charaktere überzeugen auf ganzer Linie.
Christian Neffe
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Neun Jahre ist es inzwischen her, dass die erste Videospielstaffel von Telltales „The Walking Dead“ das Subgenre der episodischen Story-Adventures populär machte. Eine in fünf Kapiteln erzählte Geschichte mit vielen, emotional oft schwierigen Entscheidungsmomenten, die den weiteren Verlauf der Handlung in Details beeinflussen, welche dafür aber nur minimales Gameplay bietet – an dieser Formel hat sich seitdem fast nichts verändert. Auch „Life is Strange: True Colors“ revolutioniert sie nicht, ist in der Ausführung jedoch rundum gelungen.

Während Dontnod, Entwickler des ersten und zweiten „Life is Strange“, im vergangenen Jahr mit „Tell me Why“ nur bedingt überzeugen konnten, hat nun Deck Nine Games, die zuvor das Serien-Spin-Off „Before the Storm“ produzierten, die Entwicklung des dritten Teils übernommen. Die größte Änderung zu den Vorgängern: Alle fünf Episoden sind nun vom Start weg verfügbar. Dadurch ist es möglich, die Geschichte von Protagonistin Alex Chen gleich am Stück zu erleben. Und das lohnt sich.

Haupthandlung nur mäßig spannend

„True Colors“ beginnt mit der Wiedervereinigung der jungen Erwachsenen mit ihrem Bruder Gabe: Nach einer konfliktreichen Kindheit und acht Jahren in einer Pflegefamilie reist sie ins idyllische Bergbaudorf Haven Springs, in der ihr Bruder eine neue Heimat gefunden hat. Die Freude über das Wiedersehen währt jedoch nicht lange: Gabe kommt bei einem tragischen Ereignis ums Leben, und Alex versucht nun herauszufinden, ob es sich um einen Unfall oder ein Komplott handelte.

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“True Colors“ beginnt mit der Wiedervereinigung von Alex Chen mit ihrem Bruder Gabe. © Quelle: Screenshot „Life is Strange: True Colors“

Die Haupthandlung selbst ist nur mäßig spannend ausgefallen und fungiert vielmehr als erzählerischer roter Faden für Alex‘ Neuanfang in der wunderschön gestalteten Ortschaft samt ihren sympathischen Bewohnern. Die persönlichen Bindungen, die sich etwa zur Radiomoderatorin Steph, zum Barbesitzer Jed oder zur Blumenverkäuferin Eleanor aufbauen, sind die eigentlichen Highlights des Spiels. Sie erzählen viele kleine berührende Geschichten, was vor allem deshalb funktioniert, weil die Charaktere glaubhaft und nahbar geschrieben und von den (erstmals) deutschen Sprechern und Sprecherinnen großartig vertont sind.

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Gemächliches Erzähltempo

„True Colors“ setzt dabei auf ganz viel Emotionalität, auch in der Spielmechanik. „Life is Strange“ wäre nicht „Life is Strange“ ohne einen Hauch Übernatürlichkeit, und so ist Alex mit der Gabe der Empathie gesegnet: Sie kann starke Emotionen visuell wahrnehmen und die Gedanken der betroffenen Personen nachempfinden, um ihnen bei Problemen zu helfen. Spielmechanisch beschränkt sich das wie bisher auf Antwortoptionen in Dialogen, eine Handvoll kritischer Entscheidungen, ein wenig Detektivarbeit und einige Minispiele, die für etwas Abwechslung sorgen. Deck Nine Games versucht zwar, die streng lineare Struktur der Vorgänger etwas aufzulockern, beispielsweise gibt es in einigen Passagen optionale Ziele. „True Colors“ ist und bleibt voran aber eine interaktive Erzählung mit fest vorgegebenem Ablauf.

Die nimmt sich zudem sehr viel Zeit für Exposition und ruhige Momente – für ungeduldige Naturen ist „True Colors“ also nichts. Wer sich jedoch mit dem gemächlichen Tempo arrangieren kann, wird mit einer filmreifen Inszenierung, einem wie üblich sehr atmosphärischen Soundtrack und einer wunderschön gestalteten Spielwelt belohnt, die sich schon nach wenigen Stunden heimisch anfühlt.

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„Life is Strange: True Colors“ ist ab zwölf Jahren für PC, PS4/PS5, Xbox One/Series und Switch für etwa 60 Euro erhältlich.

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