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IOS 14 – Apples neue iPhone-Systemsoftware im Praxistest

  • Das neue Betriebssystem von Apple fürs iPhone ist laut dem Hersteller aus Kalifornien eines der umfangreichsten und innovativsten Upgrades, die iOS in seiner 13-jährigen Geschichte erfahren habe.
  • Wie immer werden Neuerungen aus Cupertino von Superlativen umwölkt.
  • Die sind allerdings teilweise wirklich gerechtfertigt – welche Neuerungen besonders praktisch sind, zeigt unser Praxistest – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
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Apples neues Betriebssystem für iPhones und iPads ist ab Mittwochabend verfügbar und trägt die Laufnummer 14. In der Geschichte des iOS ist diese neue Version eine der größten Veränderungen. Mittlerweile ist die Systemsoftware auf drei Untergruppen herunter gebrochen worden, je nach Hardware, die man nutzt: iOS, iPadOS, tvOS. Das Herz aller Innovation ist aber iOS, das Betriebssystem für iPhones. Der Langzeit-Test vor Erscheinen der offiziellen Software war möglich, weil unser Testgerät, ein iPhone 11 Pro Max, mit dem sogenannten Developer Beta ausgestattet ist – also der Version, die vor der offiziellen öffentlichen Testversion und dem Launch für zahlende Entwickler erhältlich ist.

Apple hat wohl einiges in Sachen System-Architektur getan, das zeigte isch schon bei der Entwickler-Version. Das Resümee nach drei Wochen im Testbetrieb: Die übliche Anfälligkeit früher Prelaunch-Versionen war in der Praxis kaum zu spüren. Das System war jederzeit erstaunlich stabil und gänzlich alltagstauglich.

Homescreen: Alles ganz vertraut

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Auf den ersten Blick sieht alles wie gehabt aus. Was als Innovations-Makel kritisiert werden könnte, sorgt andererseits aber für den typischen Wiedererkennungseffekt, den jede Apple-Software mit sich bringt. Der Home-Bildschirm zeigt also zunächst sein gewohntes Gesicht.

Vertrautes Bild im Homescreen. © Quelle: Daniel Killy/Screenshot RND

Neues Infocenter

Das ändert sich bereits, wenn man von links nach rechts wischt. Dann erscheint das neue Infocenter. Erstmals gibt es auf dem iPhone Widgets auf dem Home-Bildschirm zu sehen. Bisher war das in der Apple-Welt dem iPad-OS vorbehalten. Android-Usern sind die Widgets auf dem Startbildschirm schon länger vertraut. Besonders praktisch: der “Smart-Stapel”, der unter anderem auch das Wetter enthält. Durch leichtes Wischen kann man sich durch den Stapel scrollen. Größe und Anordnung der Widgets sind frei wählbar. Die Siri-Funktion ist durch einmaliges Herunterwischen aktivierbar. Neu ist auch das einheitliche “Suchen”-Feld, dass nun alle Suchvorgänge, auf dem Gerät wie auch im Netz, auf ein Suchfenster reduziert hat – eine wirklich praktische Neuerung. Alle Widgets können übrigens auf den Home-Bildschirm verschoben werden – unabhängig von ihrer Größe. Und die Wetter-App soll nun übrigens auch Unwetterwarnungen und Regenmengen anzeigen – so schlimm ist der Sommer aber selbst in Norddeutschland nicht, als dass diese Funktion schon einmal aufgetaucht wäre.

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Der neue Widget-Bildschirm ist frei zu bestücken. Die Suche erfolgt jetzt zentral über ein Fenster – egal, ob im Netz oder auf dem iPhone. © Quelle: Daniel Killy/Screenshot RND

App-Mediathek sorgt für Ordnung

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Je leistungsstärker die iPhones, desto mehr Apps versammeln sich auf dem Gerät. Wer seine Anwendungen nicht sortiert, kommt schnell auf etliche Schirme, auf denen Apps rumliegen. Das Chaos hat jetzt aber auch für eher faule Datensammler ein Ende. Mit einem Wisch nach rechts nach dem letzten App-Fenster taucht jetzt ein neuer Bildschirm auf: die App-Mediathek. Hier sind alle Apps feinsäuberlich nach Kategorien sortiert. Umbenennen lassen sich die zwar (noch) nicht wie etwa selbst angelegte App-Ordner, aber mit einem Tap auf die Suchfunktion werden alle Programme alphabetisch dargestellt.

Ausgesprochen praktische Neuerung: Die App-Mediathek, in der Apps nach Kategorie vorsortiert sind. © Quelle: Daniel Killy/Screenshot RND

Aufräumen heißt die Devise

Neu ist auch die Option, einzelne Seiten zu bearbeiten. Sie lassen sich mit einem längeren Druck auf die entsprechende App-Seite und anschließendem Tap auf das Seitenführungs-Menü (die Pünktchen unten auf der Seite) auswählen und nach Bedarf deaktivieren.

Ein Druck auf die Seite öffnet den Bearbeitungsmodus (die Apps wackeln). © Quelle: Daniel Killy/Screenshot RND

So erscheint das iPhone plötzlich total aufgeräumt – und die ausgeblendeten Apps liegen alphabetisch sortiert in der App-Mediathek bereit.

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Nach dem Doppel-Tap auf die Punkte öffnet sich eine Auswahlseite, auf der die gewünschten Unterseiten deaktiviert bzw. reaktiviert werden können. © Quelle: Daniel Killy/Screenshot RND

Ganz neu: Übersetzen-App

Eine wirklich praktische Neuerung ist die Übersetzen-App, die ab iOS 14 Bestandteil der Systemsoftware ist. Die intuitiv zu bedienende Sprachhilfe funktioniert sowohl mit geschriebenem wie auch mit gesprochenem Text – bei den Tests funktionierte sie einwandfrei. Zum Start des neuen Betriebssystems stehen insgesamt elf Sprachen zur Verfügung, darunter Arabisch, Chinesisch, Koreanisch und Japanisch … Einfach Sprachpaar und Übersetzungsrichtung aussuchen, Text eingeben – fertig.

Genauso problemlos wie das Eintippen funktioniert die Übersetzung auch bei der Spracheingabe. © Quelle: Daniel Killy/Screenshot RND

Die Texterfassung per Mikrofon funktioniert beinahe synchron zum gesprochenen Text. Zudem kann man sich fertig übersetzte Texte auch noch einmal vorlesen lassen.

Mit Druck auf den Mikrophon-Knopf startet die Textaufnahme der Übersetzung. © Quelle: Daniel Killy/Screenshot RND
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Ein Klick auf das Mikrophon-Symbol startet die Textaufnahme. Erstaunlich dabei ist, dass auch nicht ganz salonfähige Begriffe in Kombination mit etwa Abkürzungen idiomatisch korrekt übersetzt werden. Bei der Spracherkennung hat Apple einen weiteren Schritt nach vorn gemacht – das gilt übrigens auch für Siri, die die Übersetzungen vorliest. Wählt man, wie im Beispielsfall, amerikanisches Englisch als Zielsprache aus, so wird die Übersetzung auch in amerikanischer Diktion vorgelesen. Das klingt mittlerweile wirklich normal, nicht mehr nach Roboter. Einen Klick entfernt ist die virtuelle britische Siri-Schwester. Auch sie liest makellos und realistisch in britischer Hochsprache. So lässt sich in Echtzeit zwischen den Sprachen wechseln – und die elf Vorleser machen ihren Job wirklich gut. Übrigens auch offline, denn jedes Sprach-Paket kann heruntergeladen werden. Diese App könnte perspektivisch zur Schnittstelle künftiger iOS-Systeme werden, etwa in Kombination mit Karten oder Online-Shopping.

Siri und eingehende Anrufe – jetzt ganz dezent

Sowohl Siri wie auch Telefonate nehmen in iOS14 nicht mehr den gesamten Bildschirm ein. © Quelle: Daniel Killy/Screenshot RND

Eine weitere Neuerung betrifft Siri und Telefonanrufe. War es bisher so, dass eine Anfrage bei der virtuellen Apple-Assistentin oder ein eingehender Anruf den gesamten entsperrten Bildschirm blockierten, genügt jetzt ein kleines Dialogfenster. Man kann also via Multitasking sein iPhone weiter bedienen, wenn man denn der Meinung ist, das sei nicht unhöflich. Und Siri (meine spricht Englisch) schickt auf die Frage, wie spät es denn gerade in Deutschland sei, sowohl eine Zeitangabe wie auch einen Antworttext, ohne den gesamten Screen zu absorbieren. Stattdessen ist sie während der aktiven Anfrage nur noch als Minisymbol unten in der Mitte wahrzunehmen.

Mit der neuen Fahrradfunktion (noch nicht für Deutschland erhältlich) können Radfahrer sich von Siri und der Karten-App jetzt auf das Transportmittel zugeschnittene Optionen wie etwa Steigungen abrufen. © Quelle: Daniel Killy/Screenshot RND

Apropos Siri: Sie ist jetzt auch in der Lage, Audio-Botschaften zu verschicken und, sofern man unterwegs ist, die ungefähre Ankunftszeit mit einem Kontakt zu teilen. Zudem kann sie (bisher noch nicht in Deutschland, Stand 16. September 2020) auch Routen in der neuen Fahrrad-Funktion der Karten-App vorgeben. Wie bereits erwähnt, klingt sie jetzt viel natürlicher. Und was das Verständnis anbelangt: Die Apple-Assistentin bringt es mittlerweile auf 65 Sprachen. Weitere neue Funktionen in Karten: Ladestationen für E-Autos sind jetzt in der Routenplanung enthalten und die App enthält eine Fülle von Reisetipps.

Weitere Highlights

Wer die Funktion Anmelden mit Apple und ApplePay nutzt, also seine Apple-Login-Daten dazu verwendet, sich bei Drittanbietern zu identifizieren und mit dem iPhone auch bezahlt, kann jetzt auf sogenannte App Clips zurückgreifen. Das sind Programmfragmente, etwa zum Entsperren von Elektro-Scootern oder zum Bestellen von Lebensmitteln. Das funktioniert über Scannen von QR-Codes oder NFC-Tags.

Der Browser Safari macht einen jetzt automatisch darauf aufmerksam, falls ein eingegebenes Passwort nicht sicher erscheint. Wer aber als Browser einen anderen Favoriten hat (Firefox oder Chrome), kann den jetzt auch als Haupt-Browser einrichten – unabhängig davon, ob die Software von Apple stammt oder nicht. Ein Highlight ist sicherlich die Funktion CarKey, die das iPhone künftig zum virtuellen Autoschlüssel macht – inklusive der Speicherung individueller Einstellungen. Sie können künftig über Nachrichten geteilt werden und funktionieren mit NFC – schon in diesem Jahr bei ausgewählten Fahrzeugen von BMW. Für das kommende Jahr sollen die Schlüssel mit der neuen Ultra-Breitband-Raumerkennung ausgestattet sein, so dass man das iPhone noch nicht einmal mehr aus der Tasche zu nehmen braucht, um ein Fahrzeug zu öffnen. Die Technologie soll einheitlich für alle Marken sein. Schon jetzt beteiligen sich am CarConnectivityConsortium die wichtigsten Automarken und Zulieferunternehmen.

Die AirPods Pro, Apples HiFi-Winzlinge, werden durch iOS14 ebenfalls deutlich aufgewertet. Sie enthalten jetzt unter anderem ein Raumklangfunktion, die im Testbetrieb allerdings noch etwas wacklig ist. Manchmal klingt es noch so wie früher, wenn bei der Stereoanlage ein Lautsprecherkabel locker saß. Wenn die Surroundfunktion allerdings funktioniert, ist sie sowohl zum Schauen von Dolby-Filmen als auch zum reinen Musikgenuss recht beeindruckend. Ein weiteres Firmware-Update (aktuell ist es die 2D27) sollte da bald Abhilfe schaffen. Praktisch ist, dass die Kopfhörer jetzt auch von Gerät zu Gerät “mitwandern”. Wer etwa nach einem Telefonat mit dem iPhone einen Film auf dem iPad anschauen will, kann das tun, ohne irgend etwas einstellen zu müssen – und die Kopfhörer wechseln automatisch das Gerät.

Die Health-App mit all ihren Neuerungen funktioniert ausschließlich mit der AppleWatch. Sie wird deshalb Bestandteil des watchOS 7-Testberichts sein.

Fazit

iOS 14 ist eine wirklich neue Systemsoftware, prall gefüllt mit einer Vielzahl an Neuerungen, die zunächst im gewohnten Design gar nicht so sehr auffallen. Vieles ist also durch Optimierung der Software-Architektur erfolgt, was sich in Sachen Performance positiv bemerkbar macht. iOS 14 ist ein Muss für jeden iPhone-User. Und es ist wirklich sehr weit abwärtskompatibel. Selbst, wer noch ein iPhone 6S aus dem Jahre 2015 hat, kann iOS 14 nutzen. Die Softwareaktualisierung sollte im Lauf des heutigen Mittwoch-Abends bereitstehen.

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