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Informativ, aber oft unseriös: Worauf Nutzer von Corona-Apps achten sollten

  • In den App-Stores von Google und Apple wimmelt es von Corona-Apps.
  • Nutzer erhalten allerdings bei diesen Apps nicht immer seriöse Informationen über die Ausbreitung von Covid-19.
  • Wer eine Corona-App herunterladen möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass sie aus den offiziellen App-Stores stammt.
Laura Beigel
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Hannover. Wie viele Menschen haben sich wann und wo mit dem Coronavirus infiziert? Diesen Fragen gehen gleich mehrere Corona-Apps nach, die in den Stores von Google und Apple kostenlos heruntergeladen werden können. Teilweise lassen sich auf dem Smartphone sogar eigene Testergebnisse nachvollziehen. Doch nicht hinter jeder dieser Apps steckt eine seriöse Quelle.

Apps greifen Nutzerdaten ab

Anfang Februar warnte die IT-Firma SonicWall vor der “Coronavirus”-App. Diese habe von Nutzern verlangt, ihre Handys per PIN oder Muster erneut zu entsperren. Danach könnten mithilfe der App Informationen aufgezeichnet und so vertrauliche Nutzerdaten gestohlen werden.

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Im März folgte die nächste Warnung: Eine Corona-Tracking-App, die unter der Website coronavirusapp[.]site verbreitet wurde, hatte nach dem Herunterladen die Smartphones der Nutzer verschlüsselt und Passwörter geändert. Wer wieder Zugriff auf seine Bilder, Kontakte und Videos haben wollte, wurde von den Hackern aufgefordert, 100 Dollar innerhalb von 48 Stunden auf ein Bitcoin-Konto einzuzahlen.

Apple will Apps kritisch bewerten

Apple will User vor solchen schädlichen beziehungsweise unseriösen Programmen zukünftig besser schützen. In einer offiziellen Erklärung des Konzerns heißt es: “Wir bewerten Apps kritisch, um sicherzustellen, dass Datenquellen seriös sind und dass Entwickler, die diese Apps präsentieren, von anerkannten Stellen wie Regierungsorganisationen, gesundheitsorientierten NGOs, Unternehmen, die in Gesundheitsfragen tief verwurzelt sind, sowie medizinischen oder Bildungseinrichtungen stammen.”

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Unterhaltungs- und Spiel-Apps mit Covid-19 seien nicht mehr zulässig. Trotz dieser angekündigten, kritischen Bewertung finden sich bei der Suche im App Store mehr als 50 Apps unter dem Stichwort “Corona”. Nutzer können hier schnell den Überblick verlieren.

Nur drei Corona-Apps im Play Store

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Google geht verschärft gegen Schadsoftware und fragwürdige Anwendungen vor. Wer im Google Play Store seines Smartphones nach Begriffen wie “Corona”, “Coronavirus” und “Covid-19” sucht, bekommt nur noch drei Suchergebnisse angezeigt:

  • Coronika – Dein Corona-Tagebuch. Dort können Nutzer eintragen, wo sie gewesen sind und mit wem sie sich getroffen haben, um die Ausbreitung des Coronavirus zu reduzieren. Außerdem bekommen User Hygienetipps und Erinnerungen ans Händewaschen.
  • Corona-Datenspende des Robert-Koch-Instituts. Diese App kann auf Basis von Bewegungs-, Schlaf- und Pulsmustern fieberhafte Infektionen automatisch erkennen.
  • Covid-19. Corona-Patienten können über diese App die Ergebnisse ihres Corona-Tests abrufen.
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Google richtet Corona-Anlaufstelle ein

Letztere hatte bis vor Kurzem ebenfalls in der Kritik gestanden. Durch eine lückenhafte Verschlüsselung war es Hackern möglich gewesen, die Testergebnisse einzusehen und sogar zu verfälschen. Inzwischen seien die Probleme allerdings behoben, teilte die Entwicklerfirma BS Software der Computerzeitschrift “c’t” mit.

Google verweist im Play Store zudem auf die Internetseite der Weltgesundheitsorganisation und hat eine Coronavirus-Anlaufstelle eingerichtet. Dort empfiehlt das Unternehmen die Apps der “Tagesschau”, des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (“Nina”), Twitter sowie des Deutschen Roten Kreuzes, die “über die aktuelle Lage zum Coronavirus auf dem Laufenden halten”.

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Die bundeseinheitliche Notfall-App Nina warnt und benachrichtigt in Sachen Corona.

Apps nur aus den offiziellen Stores herunterladen

Vertrauenswürdige Apps seien außerdem die Notfallinformations- und Nachrichten-App des Bundes, die SiBa-App sowie die App Katwarn des Fraunhofer-Instituts Fokus, schreibt der Verein Deutschland sicher im Netz (DsiN) auf seiner Website.

Dort erhalten Nutzer auch Informationen zum richtigen Umgang mit den neuen Corona-Apps. So sollte beispielsweise nur auf Apps aus den offiziellen Stores zurückgegriffen werden. “Wenn eine App oder Anwendung exklusive Informationen zum Coronavirus verspricht, sollten Sie achtsam werden: Stammen die Nachrichten aus öffentlichen Quellen oder von offiziellen Zahlen?”, so DsiN. Außerdem sollten Nutzer Antivirenprogramme auf ihren Smartphones installieren sowie regelmäßige Sicherheitsupdates durchführen.

“Wir gehen davon aus, dass davon jede fünfte Corona-App Schaden anrichten kann, weil Sicherheitsanforderungen ignoriert, Datenschutz nicht eingehalten oder sogar mutwillig Schadprogramme in Umlauf gebracht werden”, sagt Michael Littger, Geschäftsführer von DsiN. “Schwarze Schafe finden sich verstärkt unter den angeblichen Corona-Landkarten-Apps, bei denen Verbraucher zur Aufklärung von Risiko- und Verbreitungsgebieten aufgefordert werden. Über Zugriffsanfragen auf Kamera und Mikrofon öffnet man diesen Apps Tür und Tor auch auf die privaten Daten des Handys.”

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Unklarheit über App gegen Corona-Ausbreitung

Eine offizielle App, über die Bundesbürger über Kontakte zu möglichen Infizierten informiert werden, gibt es indes nicht. Schon länger wird erwogen, etwa Funkzellenabfragen oder Bluetooth-Schnittstellen nutzbar zu machen, sodass sich mit dem Smartphone Kontakte nachverfolgen lassen. Es gibt dabei unter anderem massive Datenschutzbedenken, weshalb es dafür noch keine einheitliche Lösung in Deutschland gibt.

Das staatliche Robert-Koch-Institut hat allerdings jüngst eine App veröffentlicht, mit der die Arbeit des Instituts im Kampf gegen das Coronavirus unterstützt werden kann: Die Corona-Datenspende-App liest Informationen aus Fitnessarmbändern aus, um Forschern Hinweise auf Symptome und Verlauf einer Covid-19-Erkrankung zu liefern.

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