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Heimliche Gesichtserkennung: Clearview-App nutzte drei Milliarden Internet-Bilder

  • Das amerikanische Unternehmen Clearview hat eine heimliche Datenbank zur Gesichtserkennung erstellt.
  • Grundlage waren rund drei Milliarden Bilder von Menschen aus sozialen Netzwerken wie Facebook und YouTube.
  • Das geht aus einem Bericht der New York Times hervor.
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New York. Eine obskure US-Firma hat laut einem Bericht der New York Times rund drei Milliarden Bilder von Menschen aus dem Internet zusammengestellt, um eine umfassende Datenbank zur Gesichtserkennung zu entwickeln. Im vergangenen Jahr sei der Zugang dazu mehr als 600 Behörden als Service angeboten worden, schrieb die Zeitung am Wochenende unter Berufung auf das Unternehmen namens Clearview. Angaben dazu, welche Behörden das waren, macht Clearview nicht.

Auf ihrer Website lässt die Firma allerdings auf die Aufklärung von Sexualverbrechen spezialisierte, kanadische Ermittler lobend zu Wort kommen. Innerhalb von eineinhalb Wochen nach der Verwendung von Clearview seien acht Identifizierungen von Opfern oder Tätern durchgeführt worden, zitiert das Unternehmen einen anonymen Beamten.

Clearview-Fotos stammen von Facebook, Youtube und Venmo

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Für die Datenbank seien öffentlich zugängliche Bilder bei Plattformen wie Facebook und YouTube oder dem US-Bezahlservice Venmo verwendet worden, hieß es. Eine Sammlung in dieser Dimension würde bereits bekanntgewordene Datenbanken zur Gesichtserkennung übertreffen. In den USA etwa prüfen die Behörden die Identität der Einreisenden per Gesichtserkennung, greifen dabei aber auf die Bilder zurück, die speziell dazu aufgenommen wurden.

Für die Datenbank machte sich Clearview Bilder von Facebook zunutze. © Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp

Die zuvor praktisch unbekannte Firma Clearview trat erst durch die Recherchen der New York Times an die Öffentlichkeit. Ein früherer Geldgeber war US-Milliardär Peter Thiel. Der Paypal-Mitgründer und Facebook-Investor ist für seine libertären Ansichten und als einer der wenigen erklärten Unterstützer von Präsident Donald Trump im Silicon Valley bekannt. Sein Sprecher sagte der Zeitung, Thiel habe Clearview im Jahr 2017 mit 200.000 Dollar unterstützt und dafür einen Anteil bekommen. Er sei ansonsten nicht beteiligt gewesen.

Clearview entwickelt Prototyp einer Computerbrille mit Gesichtserkennung

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Gründer von Clearview ist der 31 Jahre alte Hoan Ton-That, der aus Australien in die USA kam. Zuvor hatte er einige wenig erfolgreiche Geschäftsideen gehabt wie etwa eine App, mit der sich Nutzer auf ihren Fotos Trumps charakteristische Frisur verpassen konnten. Er habe zwischenzeitlich an eine Karriere als Model gedacht, dann aber beschlossen, ins Geschäft mit der Gesichtserkennung einzusteigen, sagte er der New York Times.

Der Bericht enthielt noch ein weiteres alarmierendes Details: Nachdem einige Polizisten auf Bitten einer Journalistin hin ihr Foto durch die Datenbank durchlaufen ließen, seien sie von Clearview-Vertretern mit der Frage konfrontiert worden, ob sie mit der Presse sprächen. Der Firma zufolge hat die Software nur Alarm wegen ungewöhnlicher Suchanfragen geschlagen. Außerdem räumte Ton-That auf Anfrage der Zeitung ein, dass Clearview auch den Prototypen einer Computerbrille mit Gesichtserkennungsfunktion entwickelt habe. Es gebe aber keine Pläne, diese zu vermarkten.

US-Senator Ron Wyden fordert Einsicht in Datenbank

Der Bericht löste schon am Wochenende erste politische Reaktionen aus. US-Senator Ron Wyden, Mitglied der Demokratischen Partei, zeigte sich besorgt und forderte, Amerikaner müssten wissen, ob ihre Fotos heimlich in einer privaten Datenbank landen.

Ron Wyden (Mitte) fordert Einsicht darüber, ob Bilder von Amerikanern in der Datenbank zu finden sind. © Quelle: AP

Auch in Deutschland ist die Gesichtserkennung ein Thema: So plant das Bundesinnenministerium, die Überwachungsfunktion an 135 Bahnhöfen und 14 Flughäfen in Deutschland einzuführen. Das geht aus einem Gesetzesentwurf des Ministeriums hervor, aus dem der Spiegel vergangene Woche zitierte.

Wie zuverlässig Softwares zur Gesichtserkennung Personen in einer Menschenmenge in Echtzeit identifizieren können, testeten die Behörden bereits von August 2017 bis Juli 2018 im Berliner Bahnhof Südkreuz. Der Abschlussbericht zeigte, dass das Programm in rund 80 Prozent der Fälle die rund 300 freiwilligen Probanden erkannte.

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2017 testeten Behörden die automatisierte Gesichtserkennung im Berliner Bahnhof Südkreuz. © Quelle: imago images/photothek

EU-Kommission will Gesichtserkennung verbieten

Ein Vorgehen wie das von Clearview wäre in Europa allerdings undenkbar. Grund dafür ist unter anderem die europäische Datenschutzgrundverordnung. Hinzu kommt, dass die neue EU-Kommission um Ursula von der Leyen plant, den Einsatz automatisierter Gesichtserkennung im öffentlichen Raum für die kommenden Jahre zu verbieten. Dieses Vorgehen wird in einem Kommissionspapier zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz erläutert. Das Verbot solle zunächst auf drei bis fünf Jahre beschränkt sein, hätte aber beträchtliche Auswirkungen auf die Pläne des Bundesinnenministeriums.

RND/lb/dpa

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