• Startseite
  • Digital
  • "Half-Life: Alyx" im Test: VR-Pionier oder nur nette Technik-Spielerei?

“Half-Life: Alyx” im Test: Atemberaubender Ausflug in eine düstere VR-Welt

  • “Half-Life: Alyx” ist das bisher wichtigste Spiel für Virtual-Reality-Brillen.
  • Im Test zeigt sich: Es ist meisterhaft umgesetzt.
  • Wer keine stressigen Shooter mag, ist bei dem beklemmenden Abenteuer fehl am Platz.
Anzeige
Anzeige

Eines der tollsten Gefühle in der virtuellen Realität ist die Präsenz – das Gefühl, wirklich körperlich an einem anderen Ort zu sein. Selten hat ein Spiel dieses Gefühl so vollständig, so umfassend bei seinen Spielern erzeugt wie dieses. “Half-Life: Alyx” fühlt sich zuerst an wie ein Abenteuer; wie eine Welt, die Spieler betreten und in der sie herumlaufen können.

Dass sie nicht ganz woanders sind, sondern nur in einem Computerspiel, das merken Spieler regelmäßig in Schusswechseln oder bei gewissen Rätseln. Aber über weite Strecken können sie das auch vergessen. Dann verscheuchen sie Tauben, malen gedankenlos mit Filzstiften herum, stupsen vorsichtig Türen auf. All das fühlt sich mit VR-Brille und Bewegungscontrollern beeindruckend natürlich an.

Worum geht es bei “Half-Life: Alyx”?

“Half-Life: Alyx” ist das nächste große Abenteuer der “Half-Life”-Serie. Teil eins erschien 1998, Teil zwei 2004, und seitdem gab es kein vollständiges Abenteuer mehr in dieser Welt. Die “Half-Life” Spiele haben für ihr Alter immer noch eine beeindruckend große, treue Fangemeinde. Wer in dieser Zielgruppe einen halbwegs starken Gaming-PC und eine passende VR-Brille besitzt, der erlebt einen Achterbahnritt durch den siebten Himmel. “Alyx” ist noch besessener von Details, noch präziser durchgetaktet, noch umwerfender als die Spiele davor.

Anzeige

Wer nicht bereits Fan der Serie oder von Virtual Reality ist, der erlebt mit diesem Spiel womöglich einen handfesten Albtraum. Das Spiel ist ein Mix. Einerseits bietet es brutale Action und Schusswechsel mit furchteinflößenden Gegnern. Andererseits lädt die lebensechte Welt zum Rätseln, Erkunden und Entdecken ein. So schön und einladend die Ruhemomente sind, so hektisch sind die Kämpfe. Die gepanzerten Soldaten sind bedrohlich, aber schlimm sind die fleischigen, krabbenartigen Aliens, die dem Spieler ins Gesicht springen wollen.

“Half-Life: Alyx” entführt die Spieler in eine düstere Zukunft. © Quelle: Valve
Anzeige

Wie unterscheidet sich “Alyx” von den anderen “Half-Life”-Spielen?

Vor der Veröffentlichung stand die Frage im Raum, wie Entwickler Valve die stressigen und gruseligen Töne der Originalspiele in das neue Medium VR tragen würde. Die Antwort lautet: originalgetreu. “Alyx” ist ein gründlich entwickeltes VR-Spiel. Aber es mutet seinen Spielern Stress, Bedrängung und Gefahr in einer Form zu, die sich durch die VR-Brille um einiges heftiger anfühlt als damals durch das sichere Fenster eines PC- Monitors. Höchstens das Tempo ist im direkten Vergleich reduziert. Aber dafür fühlen sich Bewegungen im Raum mit VR auch schneller und heftiger an.

Wie spielt sich “Half-Life: Alyx”?

Grundsätzlich spielt sich “Half-Life: Alyx” so wie ein Egoshooter. Spieler sehen durch die Augen der 19-jährigen Heldin auf eine düstere Welt, unterjocht und besetzt von geheimnisvollen Aliens. Die unerschrockene Alyx muss allein auf eine überlebenswichtige Mission gehen. Dafür dringt sie tief in feindliche Gebiete ein. Alyx hat Schusswaffen, von denen sie viel Gebrauch machen muss. Aber sie hat auch zwei spezielle Werkzeuge: Mit einem Multitool muss sie immer wieder in der Welt herumzeigen, um Rätsel zu lösen. Und sie hat zwei Handschuhe, mit denen sie Gegenstände wie mit einem starken Magnet aus der Entfernung schnappen kann – ähnlich wie die berüchtigte Gravity Gun in “Half-Life 2”.

Wie sie sich bewegen, wie genau sie steuern, dabei lässt Valve den Spielern maximalen Spielraum. Die Interaktionen mit den Händen fühlen sich besonders natürlich an. Dinge zu nehmen und zur Seite zu schieben, das klappt intuitiv. Aber auch die vermeintlichen Zauberkräfte in den Handschuhen sind so überzeugend umgesetzt, dass Spieler sie unweigerlich vermissen werden, wenn sie die Brille absetzen und dann mit der Hand nicht an etwas herankommen.

Mit speziellen Handschuhen kann man in “Half-Life: Alyx” Gegenstände zu sich heranziehen.
Anzeige

Wie fühlt sich Virtual Reality bei “Alyx” an?

“Alyx” unterstützt die wesentlichen in VR populären Fortbewegungsmethoden: Wer Platz hat, der kann mit den eigenen Beinen herumlaufen. Spieler mit starkem Magen bewegen sich mit dem Joystick durch die Welt. Und wer das nicht verträgt, der kann von Ort zu Ort springen. Auch wichtige Details lassen sich einstellen: Etwa, ob Spieler sehen wollen, wie sie eine Leiter erklimmen, oder nicht. Das ist wichtig, weil Übelkeit in VR oft von ganz bestimmten Details ausgelöst wird. Valve hat an alles gedacht, aber Spieler müssen hier trotzdem aufpassen. Wer hier nicht alles passend einstellt, dem kann flau werden.

Wer wegen “Alyx” erst auf das Medium VR aufmerksam wird, der sollte nicht gleich in das kalte Wasser springen. Spieler müssen schon ein bisschen VR-Erfahrung mitbringen. Längere Spielsessions sind möglich, aber auch anstrengend. Wer mit VR schon ein paar Erfahrungen gesammelt hat, der findet hier alle nötigen Optionen, um sich wohlzufühlen. Auch im Stehen und Sitzen lässt sich “Alyx” gut spielen – der Platz sollte aber ausreichen, um sich in alle Richtungen zu lehnen und die Arme zu strecken.

Das Spiel läuft flüssig und sieht auch auf niedrigen Detailstufen beeindruckend gut aus. Unbedingt notwendig sind Bewegungscontroller. Es müssen nicht unbedingt die Griffel der Valve-eigenen Luxusbrille Index sein. Auch mit Controllern von Oculus klappen Anfassen, Greifen und Schießen intuitiv. Wer allerdings hofft, die durchaus beliebte Playstation-VR-Brille nutzen zu können, um “Half-Life: Alyx” spielen zu können, den müssen wir an der Stelle leider enttäuschen.

Fazit: Das Warten hat sich gelohnt

Anzeige

Auf “Alyx” haben viele Spielefans gewartet. Für dieses Publikum hat sich das Warten gelohnt. Sie erleben ungefähr das Abenteuer, das sie sich erträumen: einen atemlos spannenden Ausflug in die düstere Welt von “Half-Life”, der locker 15 Stunden in Anspruch nimmt. Wer sich für VR interessiert und noch nicht weiß, ob er so eine Brille braucht, der sollte vielleicht mit weniger stressigen Erfahrungen anfangen.

“Half-Life: Alyx”: Die wichtigsten Infos

  • “Half-Life: Alyx” ist am 23.03. erschienen.
  • Es läuft ausschließlich auf Windows-10-PCs und benötigt mindestens einen Core-i5-7500-Prozessor, zwölf Gigabyte Arbeitsspeicher und GTX-1060-Grafik.
  • Mit der Playstation-VR-Brille wird “Half-Life: Alyx” somit nicht spielbar sein.
  • “Half-Life: Alyx” ist für Kinder nicht geeignet.
  • Der Kaufpreis liegt bei 50 Euro. Wer eine (schwer lieferbare) Index-Brille von Hersteller Valve besitzt, der kriegt das Spiel kostenlos.
“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen