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Gamescom und E3: Wie steht es um die Zukunft der Gaming-Messen nach Corona?

  • Große Events wie die E3 und die Gamescom waren einmal die Leuchttürme der Gaming-Branche.
  • Nun müssen sie wegen der Corona-Krise verschoben oder neu gedacht werden.
  • Wie steht es um die Zukunft der Gaming-Messen?
Jan Bojaryn
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Die Gamescom findet statt – digital. Diese Sprachregelung hat die Koelnmesse gefunden. Die größte Videospielemesse der Welt mit mehr als 370.000 Besuchern geht auch dieses Jahr über die Bühne, nur eben ohne Besucher und ohne Bühne. Die Koelnmesse gibt sich kämpferisch und will “bewährte Digitalformate“ ausbauen. Bis Mitte Mai will der Veranstalter neue Pläne für die Onlinemesse festzurren. Doch vorerst herrscht Katerstimmung. “Als Veranstalter schmerzt uns diese Entscheidung“, sagt Koelnmesse-Geschäftsführer Oliver Freese. Er ist schuldlos an der Katastrophe. Dem Kampf gegen die Corona-Krise fallen bundesweit alle Großveranstaltungen bis Ende August zum Opfer, also auch die Kölner Videospielemesse vom 25. bis zum 29. August.

Die E3 gilt als angezählt

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Die Absage des Events vor Ort ist ein Worst-Case-Szenario. Allerdings ist die Koelnmesse damit in guter Gesellschaft. Die bisher wichtigste Spielemesse der Welt wurde ersatzlos gestrichen: Die Electronic Entertainment Expo, kurz E3, galt über Jahrzehnte hinweg als Fixpunkt der Spielebranche. Jedes Jahr im Juni kamen Spielemacher und Spielepresse zusammen, um Neuheiten vorzustellen und darüber zu berichten. Wer die Games-Szene nicht besonders verfolgte, der konnte hier einchecken, um ein vollständiges Stimmungsbild der Branche zu bekommen.

Bei ihrer Absage kann sich die Entertainment Software Association nun auf höhere Gewalt berufen. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. In der Branche galt die E3 schon länger als angezählt. Seit Jahren steigen wichtige Spielefirmen aus dem Event aus oder sparen beim Auftritt. Schon im Januar sagte das Schwergewicht Sony ab, Branchengesicht und Moderator Geoff Keighley schmiss im Februar hin.

Die E3 leidet an einer Identitätskrise. Sie bietet ein großes Spektakel, war aber ursprünglich nur für Fachpublikum gedacht. Das wirkt nicht zeitgemäß. Publisher geben viel Geld für große Stände aus, die von vergleichsweise wenigen Menschen gesehen werden. Wer im Digitalzeitalter Nachrichten platzieren will, kann auch direkt Videos auf Youtube hochladen – und erreicht so seine Zielgruppe. Nintendo setzt daher seit Jahren vor allem auf eigene Onlineformate, Microsoft und Sony haben nachgezogen. Eher zaghaft hat sich die E3 daher zuletzt auch für ein breites Publikum geöffnet. Vielleicht zu spät. Es wird spannend, mit welchen Teilnehmern die E3 im Jahr 2021 stattfindet – oder ob überhaupt.

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Premiere von Playstation 5 und Xbox Series X

Die Sinnfrage stellt sich bei der Gamescom – im Gegensatz zur E3 – nicht. Trotzdem steht sie vor einer riesigen Herausforderung, denn die Stärke der Gamescom wird ihr dieses Jahr zum Verhängnis: ihre Menschenmassen. Im Vergleich zur E3 ist sie ein Event für Fans. Auf der Gamescom werden nur im Ausnahmefall große Hits angekündigt. Stattdessen können Fans hier schon mal “die Highlights des Weihnachtsgeschäfts“ anspielen, sagt Petra Fröhlich, Chefredakteurin von „Gameswirtschaft“ und langjährige Branchenkennerin.

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Breite Massen treffen auf fast fertige Spiele. In diesem Jahr wäre es besonders spannend geworden, denn mit Playstation 5 und Xbox Series X stehen neue Spielekonsolen an. Auf der Messe wäre es möglich gewesen, einen “haptischen Eindruck“ der neuen Modelle zu bekommen, so Fröhlich. “Das fällt jetzt flach.“ Fröhlich bescheinigt der Gamescom eine “mediale Millionenreichweite“. Aber die ergebe sich ausschließlich durch die Fans, Journalisten und Influencer. Ohne dieses Spektakel hat die Gamescom keinen großen Medienwert.

Die Verlegung ins Virtuelle trifft aber nicht nur die Fans, sondern auch die Spieleunternehmen. Die Messe unterhält in mehreren Hallen einen separaten Businessbereich, dazu kommen Fachkonferenzen und andere Events. Die Messe sei „für Spieleentwickler eines der wichtigsten Events des Jahres“, erklärt Felix Falk, Geschäftsführer des deutschen Spielebranchenverbands Game. Entwickler können hier Know-how sammeln und austauschen, mit möglichen Partnern verhandeln und ihre Zielgruppen direkt ansprechen.

Gehen kleine Spiele und Entwickler unter?

Jana Reinhardt weiß, wie wichtig der persönliche Kontakt zu Spielern für viele Entwickler ist. Sie hat das Spielestudio Rat King mitgegründet und organisiert gemeinsam mit vielen kleinen Entwicklern deren großen Messeauftritt in der Indie Arena Booth. Hier können sich normalerweise Studios präsentieren, die keine Blockbuster veröffentlichen. Nun befürchtet Reinhardt, dass auf einer rein digitalen Gamescom kleinere Spiele und Entwickler untergehen könnten. Auf der Gamescom reiche es ja, einfach durch die Hallen zu schlendern, um Menschen oder Spiele zu entdecken. Aber wie soll das online funktionieren? Auch für Fröhlich hat die Messe ohne Menschen wenig Wert – “ähnlich spannend wie ein Bundesliga-Geisterspiel”. Aber immerhin: Die Gamescom wird vermisst.

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