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„Far Cry 6″ im Test: Dieses Feuerwerk zündet

  • Das neue „Far Cry 6“ schickt Spieler in den lateinamerikanischen Dschungel zum Guerillakampf.
  • Der Open-World-Egoshooter ist ein explosiver und anarchischer Spaß.
  • „Far Cry 6“ erscheint am 7. Oktober für PC, Playstation- und Xbox-Plattformen für 60–70 Euro, USK-Freigabe ab 18.
Jan Bojaryn
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Die Schlüsselszene dieses Spiels ereignet sich in der ersten Viertelstunde. Hauptfigur Dani flüchtet mitten durch den Bürgerkrieg in einer belagerten Großstadt, klettert über Dächer, rauscht mit der Zipline auf den nächsten Fluchtpunkt zu, sieht, wie weit unten gerade Menschen an die Wand gestellt und erschossen werden, flucht ungläubig und rutscht an der Szene vorbei.

So beginnt „Far Cry 6″, der neue Egoshooter von Ubisoft. Es ist eines der wichtigsten Spiele in einer Saison, in der viele andere Großproduktionen coronabedingt verschoben wurden. Die „Far-Cry“-Serie veranstaltet mit jeder neuen Folge eine Art Erlebnisurlaub für Erwachsene. Die Geschichten bauen nicht aufeinander auf; nur die Art der Geschichte ist immer dieselbe. An einem schönen, aber isoliertem Ort müssen Spieler als Außenseiter einen tyrannischen Herrscher stürzen. Nach Tropeninseln, Hochgebirgen und dem amerikanischen Hinterland geht es in dem neuen Abenteuer nach Yara.

„Far Cry 6“ schickt Spielerinnen und Spieler in den lateinamerikanischen Dschungel. © Quelle: Ubisoft
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„Far Cry 6″ spielt fast auf Kuba

Natürlich gibt es Yara nicht wirklich, es ist ein fiktiver mittelamerikanischer Inselstaat. Aber Lage, Geschichte und Kultur sind eng an Kuba angelehnt. Die Veränderungen am Szenario entschärfen die Moral des Spiels ein wenig. Niemand muss sich den Kopf über Politik zerbrechen, denn es geht in den Widerstand gegen ein faschistisches Monster. Giancarlo Esposito (Breaking Bad, The Mandalorian) spielt den Diktator Antón Castillo. Das Ergebnis ist nicht unbedingt kinoreif – so abgrundtief böse und sadistisch ist der Widersacher, dass er schnell zur Karikatur wird.

Es ist wie mit der Erschießungsszene zu Beginn des Spiels: Die Gegner sind so demonstrativ böse, dass es kaum einen moralischen Konflikt gibt. Zwischen den Guerilleros gibt es im Lauf der Geschichte durchaus Reibereien – aber in dieser Welt werden Konflikte eigentlich immer mit Witzen oder Explosionen gelöst.

Platt wie ein B-Movie ist die Geschichte, aber das passt zum Spiel. „Far Cry 6″ ist nicht unbedingt subtil. Es ist ein Spiel, in dem der Guerillakampf mit abgerichteten Krokodilen und Rucksäcken voller Raketen gewonnen wird. Auch die (wahlweise männliche oder weibliche) Heldin Dani, im Tutorial noch nicht auf der Seite der Guerillas, begründet ihren Beitritt zur Rebellion mit einer schlichten Erkenntnis: „It‘s fun.“

„Far Cry 6″ ist ein Feuerwerk zum Selbstzünden

Recht hat sie. Dieses Actionfeuerwerk ergibt oft keinen Sinn, es ist chaotisch, laut und bunt. Mit dem sechsten Teil streift die Serie ein paar Rollenspielanleihen ab – besser und stärker werden diesmal eher Waffen und Ausrüstung, nicht Dani selbst. Wie Spielzeuge fühlen sich die immer absurderen Bastelstücke an. Genau deswegen macht es Spaß. „Far Cry 6″ gibt Spielern die Mittel, vorab Festungen und Stützpunkte des Gegners auszuspähen, dann mit einem Plan heimlich anzugreifen, schnell die Geduld zu verlieren und achselzuckend den Raketenrucksack zu zünden, um alles in die Luft zu jagen. Die hektischen Schusswechsel sind je nach Spielmodus entweder haarig und tödlich, verlangen gutes Zielen und viel Improvisation – oder sie sind leicht und laut wie ein Feuerwerk.

Der neue Teil der „Far-Cry“-Serie überzeugt mit neuen Waffen und besserer Ausrüstung. © Quelle: Ubisoft

Wie auch bisherige „Far-Cry“-Spiele erinnert das neue an Vergnügungsparks. Ubisoft hat eine farbenprächtige Inselwelt mit saftigen Palmen und strahlend blauem Himmel geschaffen. Auf den Tabakplantagen wird ein blutrotes Gas eingesetzt, um ein medizinisches Wundermittel zu züchten. Die schwere Symbolik passt nebenbei gut ins Farbschema. In dieser Welt lohnt es sich, auf alles Rote zu schießen. Die befreundeten Guerillas kennzeichnen ihre Geheimwege und Stützpunkte dagegen überraschend deutlich in Leuchtblau.

So fühlt sich „Far Cry 6″ sehr schnell nicht mehr an wie die Befreiung einer gebeutelten Insel. Es erinnert mit seinen magischen Waffen und den klar gekennzeichneten Gegnerfarben eher an eine Runde Paint Ball im Kletterpark. Damit das auch über viele Stunden hinweg nicht langweilig wird, räumen Spieler gegnerische Posten von einer Landkarte, übernehmen nach und nach Fraktionen und Landstriche und nähern sich in immer größeren, dramatischen Kampfszenen dem monströsen Diktator.

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„Far Cry 6″: Grafik lässt zu wünschen übrig

Nicht nur die Feuerwerke, auch der leuchtblaue Himmel und das dichte Unterholz machen das Spiel zu einem farbfrohen Spektakel. Bis auf die etwas roboterhaften Gesichter sieht der Trip immer wieder zum Einrahmen schön aus. Die getestete Xbox-Series-X/S-Version zeigt ein scharfes, buntes und flüssiges Bild.

Technisch nicht ganz auf der Höhe sind aber die Menschen, die nicht nur dumm agieren, sondern aus der Nähe auch wie Roboter aussehen. Selbst Bösewicht Castillo wirkt in Nahaufnahmen unnatürlich hölzern. Ein Schauspieler wie Esposito hätte ein besseres Ebenbild verdient – und ein besseres Drehbuch.

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Als ausbaufähig erweist sich im Test die Grafik: Die Nahaufnahmen von Menschen lassen bei „Far Cry 6“ zu wünschen übrig. © Quelle: Ubisoft

Doch wichtig ist in diesem Spiel die Action. Und die zündet einfach. Wer sich also nach einem lauten und bunten Urlaub auf Pseudokuba sehnt, der kann diesen Trip beherzt buchen.

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