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TikTok-Star Falco Punch im Interview: “Ich feiere die Technik dahinter”

  • Der 24-jährige Falco Punch ist Deutschlands erfolgreichster Tiktoker.
  • Mehr als acht Millionen Fans folgen ihm auf der Social-Media-Plattform.
  • Im Interview mit dem RND spricht er über seinen Erfolg, Vorbilder und seine erste Single.
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Wie sieht für Sie ein gewöhnlicher Tag aus?

Ich bin berufstätig und mache gerade eine Ausbildung als Mediengestalter, deswegen bin ich 24/7 unter der Woche beschäftigt. Wenn ich von der Arbeit komme, produziere ich meistens Videos für TikTok oder recherchiere. Am Wochenende drehe ich dann selbst meine Videos und produziere meine Bilder für Instagram.

TikTok-Videos sind nur wenige Sekunden lang. Wie viel Zeit nimmt die Produktion in Anspruch?

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Das Videodrehen an sich dauert schon mal drei bis vier Stunden für 15 Sekunden. Wenn ich Recherche betreibe, Videos analysiere, Trends suche, Ideen sammele und mich inspirieren lasse, kann das Ganze sechs bis elf Stunden dauern. Das gehört alles dazu. Ich habe auch mal für ein Video nur zwei Stunden gebraucht, bei dem ich einfach Lust hatte, einen Song zu machen. Denn es soll nicht nur Planung und aufwendig sein, es soll ja auch Spaß machen. Das kann auch mal spontan passieren.

“Ich habe immer versucht, einzigartig zu sein”

Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg auf der Plattform?

Vor vier Jahren habe ich mich angemeldet, vor dreieinhalb Jahren fing ich selbst an zu produzieren. Früher war es noch musical.ly, da war ich hier in Deutschland einer der ersten. Es ging relativ langsam und stetig weiter, aber ich hatte immer Spaß dabei. So hat alles angefangen. Ich habe immer versucht, einzigartig zu sein und etwas besser oder anders zu machen als andere. Es ging mir darum, den Leuten etwas zu bieten und sie zu inspirieren. Sie können meine Videos nachstellen, weil ich 80 Prozent in der App mache. Das freut mich, das ist eines meiner Ziele. So kam es, dass ich ein stetiges Wachstum hatte und auch über die Trends virale Videos setzen konnte.

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Sie sind auch für Ihre außergewöhnlichen Transitions bekannt. Was ist das genau?

Transitions ist ein Fachbegriff im Videoschnitt. Einfach erklärt: In einem Video gibt es sogenannte harte Cuts, also Schnitte, die man auch deutlich sieht. Transitions sind hingegen Schnitte, die nicht ersichtlich sind. Wenn man das gut beherrscht, sollte man die Schnitte schließlich gar nicht mehr sehen. Dann hat man zum Beispiel ein Video, in dem keine Cuts zu sehen sind, aber trotzdem ein Location-Wechsel stattfindet. Ich habe das dann mit meinem Style übernommen. Durch meine Videoerfahrung kann ich das bei TikTok mit der App und der Technik gut bearbeiten. Das habe ich perfektioniert und deswegen auch etwas Besonderes entwickelt.

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“Ich drehe alles nur mit TikTok”

Woher haben Sie Ihre Videoerfahrung?

Schon mit 13 Jahren habe ich meine erste Videoschnitt-Software genutzt und viel mit Visuell Effects gearbeitet. Lustigerweise habe ich auch damals schon Musikvideos für kleinere Künstler, Rapper und Creator gedreht. Dann habe ich angefangen meine eigenen Videos zu produzieren und das irgendwann bei TikTok übernommen. Ich stand nicht mehr hinter sondern vor der Kamera. Das kam ganz gut an, es hat Spaß gemacht und deswegen habe ich das so fortgeführt.

80 Prozent Ihrer Inhalte editieren Sie über TikTok. Wie wird der Rest bearbeitet?

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Ich drehe alles nur mit TikTok, ich bearbeite nichts nach. Sollte mal ein Effekt vorkommen, der nicht von TikTok kommt, liegt das daran, dass ich nachträglich meinen eigenen Style reingebracht habe. Wenn ich zum Beispiel eine Explosion oder ein Lichtschwert haben will, das TikTok nicht anbietet, drehe ich den Effekt vor, bearbeite ihn, rendere ihn raus und filme ihn dann später in der richtigen Szene bei TikTok ab. Viele neue Follower denken, ich bearbeite immer alles. Aber die Transitions sind alle per Hand gedreht, mit dem Handy, mit der App, mit der Funktion. Special Effects werden dann einfach mit der App vom Bildschirm abgefilmt.

“TikTok ist keine Nachrichten-App”

Wie kommunizieren Sie mit Ihren Followern?

Ich versuche meinen TikTok-Account sehr professionell zu halten, ich mache dort keine Vlog-Videos und Ankündigen. TikTok ist keine richtige Nachrichten-App. Man kann schon mal vloggen, aber das ist nicht mein Ding. Meine Nachrichten und Informationen vermarkte ich dann mehr über Instagram. Da kannst du mehr und einfacher Informationen teilen als auf TikTok.

Gibt es auch etwas an TikTok, das Sie kritisch sehen?

Ich habe nicht viel mit politischen Themen zu tun. Das wurde schon öfter angerissen, weil es auch bei jeder Social Media-App immer politische Themen gibt. Ob es jetzt Facebook, Instagram oder TikTok ist. Das ist für mich nicht wichtig. Ich stehe zu Instagram und ich stehe zu TikTok, weil ich die Technik dahinter feiere. Ich möchte Leuten zeigen, was ich mache, ich möchte meine Arbeit teilen. Und ich habe dieser App sehr viel zu verdanken. Aus politischen Themen halte ich mich raus, weil ich meine Reichweite anders vermarkten möchte. Ich möchte meine politische Meinung anderen nicht unterjubeln. Mir ist wichtig, dass ich einfach den Spaß und die Communitypower stärke.

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Ist auf TikTok denn Platz für nachrichtliche und informative Angebote?

Auf Social Media kann es auch Nachrichten geben – es kommt aber immer darauf an, wie man sie rüberbringt. Es gibt bestimmt genug Menschen, die sich auch dafür interessieren. Wenn es Nachrichten sein sollen, sollten sie auch gut entertaint sein, so kommt man auch am besten bei TikTok an. Und es müssen gute Informationen sein, dafür reichen 15 Sekunden nicht unbedingt. Aber die Generation braucht manchmal eben nur 15 Sekunden bis sie weiter swipen. Es ist schwierig, aber machbar. Für mich ist die App aber nur eine Entertainment-Plattform, um Spaß, meine Hobbys, mein Leben zu teilen.

“Ich habe einen Tunnelblick”

Haben Sie auf TikTok auch Hass-Reaktionen erhalten?

Ich habe noch nie wirklich Hate-Kommentare gelesen und ich bin schon fast fünf Jahre auf Social Media unterwegs. Ich habe aber auch einen Tunnelblick. Meine Freundin kriegt sowas immer mehr mit. Aber bei mir selbst, wenn ich mir meine Kommentare nach dem Posten stundenlang durchlese, um Feedback zu erhalten, sehe ich keinen einzigen Hate-Kommentar. Das liegt aber auch an der Qualität, denn ich poste nur das, wovon ich hundertprozentig überzeugt bin. Klar, der eine oder andere mag mich vielleicht nicht, aber was sollte er hassen, wenn das Video super positiv ist. Hate ist allgegenwärtig, aber ich polarisiere mit meinen Videos nicht. Ich mach das, was ich am besten kann und das sind coole Action-Visual-Videos.

Ende Mai kommt Ihre erste Single raus. Wie kam es dazu?

Ich habe schon immer mit Musik zu tun gehabt. Ich habe zwar nie selbst gesungen, aber dafür viel Klavier gespielt, komponiert und auch mal was eingespielt. Bei TikTok finde ich oft nicht so schnell den Song, der zu mir passt. Deswegen ist es super sinnig, dass ich jetzt eigene Songs herausbringe, die mir gefallen und die zu meinem Video-Style passen. Jetzt ist es so weit, dass ich bei Universal unterschrieben habe und wir zusammen mit Produzenten Songs gesucht und produziert haben. Ende Mai wird es dann auch eine TikTok-Challenge dazu geben. Da bin ich schon sehr gespannt, wie den Leuten das gefällt. Ich bin sehr angetan auch mal etwas Neues zu machen, das meine Arbeit unterstützt.

Man hört Sie aber nicht singen?

Nee, ich singe nicht. Ich spiele stattdessen sehr viel Klavier für mich allein. Das beruhigt mich und stärkt meine Kreativität. Wenn ich das mache, dann summe ich auch mal mit, aber das will niemand hören. Musikalisch ja, aber Töne treffen ist nicht meine Stärke.

Können Sie sich vorstellen auch für das klassische Fernsehen vor der Kamera zu stehen?

Ich hatte schon ein paar Vorsprechen für Rollen. Ich sage immer: „Alles mitnehmen, Erfahrungen sammeln Mehrwert daraus ziehen". Das liegt mir auch, aber ich bin in erster Linie Video-Creator und jetzt auch Musiker. Ich kann nicht tausend Sachen machen, das würde die Leute verwirren und das würde mich verwirren. Ich bin halt der technische Typ und ich mache das, was ich am besten kann. Das sollte man ausbauen und sich weiterentwickeln.

“Ich folge gar nicht so vielen anderen”

Youtube hat kürzlich seine Pläne für das Feature „Shorts“ veröffentlicht, das der Funktionsweise von TikTok ähnelt. Könnte die Erweiterung TikTok den Rang ablaufen?

Ich denke eher nicht. Abgesehen davon, dass TikTok sich einen Namen gemacht hat, ist die Technik dahinter das A und O. Jeder assoziiert Youtube mit längeren Videos, Tutorials oder Short Films, aber nicht mit 15-Sekündern, die man sich nur kurz anguckt. Bei Youtube braucht man viel Technik, viel Material, vielleicht auch Geld. Und bei TikTok hat man eben nur sein Handy, kann einfach drehen und hat innerhalb von Sekunden schon ein fertiges Video.

Welchen TikTok-Account folgen Sie persönlich und warum?

Ich folge gar nicht so vielen anderen, damit ich im Feed auch wirklich das sehen kann, was mich interessiert. Mich inspirieren andere Künstler und Creator, darunter Youtuber wie Sam Kolder, der Travel-Transition-Videos macht. Zach King ist ein anderer, der mehr mit Visuals und Illusionen arbeitet. Die haben mich schon inspiriert bevor TikTok überhaupt da war und deswegen habe ich auch mit meiner Videoform angefangen.

“Staat, Sex, Amen”
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