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Fakeshops: Wie Plagiatshändler ehemalige Websites deutscher Parteien übernehmen

  • Wer die Seite „fdpmoelln.de“ aufruft, könnte meinen, dass die FDP Turnschuhe verkauft – doch es handelt sich um einen Fakeshop.
  • Mehr als 16.000 Internetadressen mit der Endung „.de“ werden für Fakeshops benutzt, ergibt eine Recherche der „Tagesschau.“
  • Deutsche Domains sind bei Plagiatshändlern beliebt, weil sie in Suchmaschinen etabliert sind – und viele Klicks versprechen.
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Mölln. Mehr als 16.000 Internetadressen mit der Endung „de“ werden für Fakeshops benutzt, darunter die ehemalige Website der FDP in Mölln (Schleswig-Holstein). Das berichtet das Onlineportal der „Tagesschau“ unter Berufung auf eine Untersuchung der Digitalberatung WDP, die dem „NDR“ vorliegt. Es handele sich um ein bekanntes Phänomen, bei dem verwaiste Internetadressen von Onlineshop-Betreibern übernommen werden. Doch wozu nutzen sie konkret „.de“-Adressen?

Mehr Seitenaufrufe über Google: Deutsche Domains für Plagiateshops beliebt

Auf der Website „fdpmoelln.de“ findet man somit nicht etwa Informationen über den Ortsverband der FDP, sondern einen Onlineshop, der Turnschuhe von Nike und Adidas verkauft. Diese angeblichen Markenschuhe sind aber Plagiate aus China. Deutsche Domains seien für Fakehops besonders beliebt, weil sie schon seit Jahren in Suchmaschinen etabliert seien, sagte WDP-Experte Christoph Nichau der „Tagesschau“. Die Folge: Nutzer gelangen schneller auf die Websites, wenn sie nach Markenprodukten suchen. Denn Inhalte werden schnell von Suchmaschinen wie Google indexiert, wenn sie online gehen, so Nichau.

Domain-Vertrag abgelaufen: So gelangte der Fakeshop an die Adresse der FDP in Mölln

Vor zwei Jahren ist der Domain-Vertrag der FDP für „fdpmoelln.de“ abgelaufen. Dann haben Plagiatshändler die Adresse übernommen – und der liberale Ortsverband in der Kleinstadt hat vergeblich versucht, etwas dagegen zu tun. Dieter Ruhland, Ortsvorsitzender der FDP, sagte gegenüber der „Tagesschau“, dass dieser Umstand ärgerlich sei. Wenn ihn aber jemand fragt, warum auf der ehemaligen Ortsverband-Website der FDP in Mölln Markenschuhe angeboten werden, könne er nur mit den Schultern zuckend sagen: „Damit habe ich nichts zu tun.“

Auch ehemalige Websites der CDU und Grüne von Fakeshops übernommen

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Dem Ergebnis einer EU-Studie zufolge waren 2014 noch 5000 solcher Websites im Netz. Somit hat sich die Zahl der Fakeshops mit „.de“-Adressen laut WDP mehr als verdreifacht. Auch verwaiste Adressen wie „cdu-seckback.de“ (Baseball-Trikots) oder „fraktion-bfz-gruene.de“ (Babyschuhe) sind laut „Tagesschau“ von Fakeshops übernommen wurden. Demnach sind vor allem ehemalige Parteienwebsites betroffen – doch wer genau hinter den Shops steckt, ist bislang nicht geklärt.

RND/bk


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