EU-Kommission appelliert: Netflix soll seine Daten reduzieren

  • Der durchschnittliche Datenverkehr hat in den vergangenen Tagen um rund zehn Prozent zugelegt.
  • In der Schweiz hat die Regierung Bürger daher aufgerufen, weniger Videos zu streamen.
  • Die EU-Kommission wendet sich direkt an den Anbieter Netflix
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Brüssel. Nach Sorgen, die verstärkte Nutzung von Video-Streamingdiensten könnten in der Coronavirus-Krise das Internet verstopfen, hat sich die EU-Kommission an Netflix gewandt. EU-Kommissar Thierry Breton sprach mit Netflix-Chef Reed Hastings über Wege, die Belastung zu senken, wie die Brüsseler Behörde am Mittwoch mitteilte. Dabei sei es unter anderem um die Idee gegangen, die Bildqualität bei starker Auslastung automatisch von HD- auf Standard-Auflösung runterzuschrauben.

Bei einer höheren Bildauflösung gibt es ein schärferes Bild, weil mehr Pixel dargestellt werden. Dafür werden aber auch mehr Daten übertragen. Netflix empfiehlt für HD (High Definition) eine Internet-Geschwindigkeit von fünf Megabit pro Sekunde, während es bei Standard-Auflösung drei Megabit pro Sekunde sind. Einen richtig großen Sprung gibt es dann aber bei dem noch besseren Utra-HD-Format: Hier empfiehlt Netflix 25 Megabit pro Sekunde. Die Ultra-HD-Qualität gibt es dabei nur in den teureren Tarifmodellen von Netflix.

Internet-Knoten DE-CIX meldet erhöhten Datenverkehr

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Die Kommission rief die Streaming-Plattformen insgesamt auf, mit Internet-Anbietern zusammenzuarbeiten und ihren Datendurchsatz anzupassen, um das Arbeiten von zu Hause aus nicht zu bremsen.

Der in Frankfurt basierte weltgrößte Internet-Knoten DE-CIX hatte zuvor mitgeteilt, der durchschnittliche Datenverkehr habe zuletzt um zehn Prozent zugelegt. Man sei aber für den Anstieg gerüstet. Der Datenverkehr durch Videokonferenzen sei binnen sieben Tagen um 50 Prozent gestiegen.

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Schweiz droht mit Streaming-Blockade

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In der Schweiz hat sich die Regierung wegen der zunehmenden Belastung für die Datennetze an die Bürger gewandt. Es gebe punktuelle Überlastungen, heißt es bei den größten Anbietern Swisscom und Sunrise. Die Regierung rief die Menschen auf, weniger Videos zu streamen. Notfalls könne man solche Dienste blockieren. Zuerst hatte die „Neue Zürcher Zeitung“ darüber berichtet.

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„Der Bundesrat (das Regierungskabinett) fordert dazu auf, die Dienste zurückhalten zu nutzen, wozu insbesondere datenintensive Dienste wie die Übertragung von Video-Dateien gehören“, teilte das Kommunikationsministerium auf Anfrage mit. „So bleiben genügend Ressourcen für die wichtigen Dienste frei. Sollten gravierende Engpässe entstehen, hat der Bund die Möglichkeit, nicht versorgungsrelevante Dienste einzuschränken oder zu blockieren.“ Die relevanten Dienste sind nach Angaben einer Sprecherin etwa Sprachtelefondienst und der Zugang zu den Notrufdiensten.

RND/dpa

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